Wenn ein Kind nicht anfängt
Ein Kind sitzt seit zwanzig Minuten vor der ungeöffneten Aufgabe und zuckt auf deine Frage nur mit den Schultern. Was tust du zuerst?
Erklärung: Der Werkzeugkasten setzt ein feststeckendes Kind voraus. Hier steht die Diagnose davor — sonst arbeitest du am falschen Problem.
Drei Kinder sagen, Vorlesen interessiere sie nicht. Bei wem lohnt sich die Leiter?
Erklärung: Fehlen plus heimlich üben ist ein bezahltes Nein. Der Wunsch ist da, gebremst wird nur der Versuch.
Ein Kind steht am Rand des Barrens, hält sich mit beiden Händen fest und fragt zum dritten Mal, wie dick die Matte ist. Was tust du zuerst?
Erklärung: Bedingungen aushandeln ist die Schmerz-Bremse. Erst der Sturz, dann alles andere — ein erschrockener Körper lernt nichts.
Ein Kind rechnet im Heft fehlerfrei und sagt an der Tafel kein Wort. Was tust du zuerst?
Erklärung: Das Können ist da, gebremst wird das Zeigen. Bei der Zuschauer-Bremse verkleinerst du das Publikum, nicht die Aufgabe.
Du willst einem Kind, das seit Wochen nicht anfängt, jemanden zum Zuschauen danebenstellen. Wen holst du?
Erklärung: Nur ein ähnliches Modell wirkt. Wer es schon kann, ist kein Vorbild, sondern Publikum — und macht damit eine zweite Bremse an.
Du schlägst eine Stufe vor, das Kind sagt Nein. Was tust du?
Erklärung: Das Nein ist eine Messung, kein Trotz — es sagt dir, dass die Stufe zu groß war. Es gibt keine zu kleine Stufe.
Ein Kind gleitet viermal gut, wird beim fĂĽnften Versuch steif in den Schultern und beim sechsten wĂĽtend. Wann beendest du die Einheit?
Erklärung: Die Schultern sind schon das späte Zeichen. Du beendest auf dem letzten guten Versuch, nicht auf dem ersten schlechten.
Ein Kind erklärt zum dritten Mal unaufgefordert, Klettern sei albern, und hat die Kletterhalle seit einem Monat gemieden. Was tust du?
Erklärung: Bezahlte Abwertung ist ein Schutzschild. Widersprechen macht es fester, Hinnehmen lässt die Schleife laufen — ein gesichtswahrendes Angebot löst beides.
Bei einem Kind, das nicht anfängt, wurden schon zweimal Material und Erklärung gewechselt, ohne dass sich etwas geändert hat. Du wechselst ein drittes Mal. — Das ist der richtige nächste Zug.
Erklärung: Zwei gescheiterte gute Einfälle sind das Zeichen, dass das Problem nicht am Material liegt. Für das Kind ist jeder weitere ein Beleg mehr, dass es an ihm liegt.
Ein Kind mit Könnens-Bremse bekommt von dir zehn Minuten lang gesagt, dass es das ganz sicher schafft. — Das verschiebt, was das Kind von sich glaubt.
Erklärung: Zuspruch ist die schwächste der vier Quellen und wird abgewertet, sobald er über das hinausgeht, was das Kind für plausibel hält. Es zählt nur, was es selbst getan hat.
Beim Abholen erzählst du dem Vater mitfühlend und vor dem Kind, wie schwer ihm das Radfahren fällt. — Das ist unproblematisch, weil es mitfühlend gemeint ist.
Erklärung: Die Absicht ändert die Wirkung nicht. Das Kind lernt, dass seine Schwierigkeit öffentlich ist — danach ist die Zuschauer-Bremse dauerhaft an.
Ein Kind weint bei jeder Einheit, und du brichst jedes Mal sofort ab. Nach drei Wochen will es gar nicht mehr beginnen. — Dein Abbrechen hat dazu beigetragen.
Erklärung: Die Erleichterung kommt genau im schlimmsten Moment und belohnt damit das Weglaufen. Die Antwort ist nicht eine längere Einheit, sondern eine kleinere Stufe.
Ein Kind traut sich nicht ins tiefe Becken. Du setzt AgensBucks auf den Sprung. — Das ist hier der passende Hebel.
Erklärung: Bucks können eine langweilige Aufgabe attraktiv machen, aber gegen Angst erhöhen sie den Einsatz eines Versuchs, der schon zu teuer ist. Bezahle höchstens das Erscheinen, nie das Gelingen.
Ein Kind hat Mühe mit Rad, Rollschuhen, Schere, Besteck und Schrift, und das seit Jahren. Du arbeitest weiter mit der Leiter und wartest ab. — Das ist der richtige Weg.
Erklärung: Quer über viele Bewegungen und über Jahre ist der Ausschlussfall — hier steht ein Gespräch mit der Familie an. Die Leiter ersetzt es nicht.
Du hast bei einem Kind die Schmerz-Bremse erkannt und behandelt. Damit ist die Diagnose abgeschlossen. — Richtig?
Erklärung: Die meisten steckengebliebenen Kinder haben zwei Bremsen gleichzeitig. Du arbeitest sie der Reihe nach ab: Schmerz, Können, Zuschauer, Kraft.