Netzausfall und Schwarzstart — wenn die Waage zerbricht
Trotz Regelleistung fällt die Frequenz unter 49,0 Hz. Was tun die Netzbetreiber?
Erklärung: Das ist der Lastabwurf — die letzte Schutzstufe. Weniger Verbrauch bringt die Waage wieder ins Gleichgewicht — besser ein Stadtteil kurz dunkel als ein ganzes Netz im Blackout.
Wenn bei zu niedriger Frequenz ein Stadtteil automatisch abgeschaltet wird, ist das eine geplante SchutzmaĂźnahme des Netzes.
Erklärung: Der Lastabwurf ist in Stufen fest geplant und ausgetestet. Er opfert wenig Verbrauch, um die Momentanbilanz — und damit alle anderen — zu retten.
8. Januar 2021 — das Verbundnetz zerreißt in zwei Inseln. Im Nordwesten fehlten plötzlich rund 6,3 GW Erzeugung. Was zeigte der Frequenzzeiger dort?
Erklärung: Fehlende Erzeugung heißt sinkende Frequenz. Im Südosten, wo dieselbe Leistung plötzlich zu viel war, schoss der Zeiger im selben Moment auf rund 50,6 Hz — eine Waage, zwei Hälften.
8. Januar 2021 — Sekunden nach der ersten überlasteten Leitung schaltet eine ganze Kette weiterer Leitungen ab. Welcher Ablauf steckt dahinter?
Erklärung: Fällt eine Leitung aus, sucht sich die Leistung sofort Umwege. Die Nachbarn tragen dann mehr, als sie dürfen, und schalten sich zum Selbstschutz ebenfalls ab — eine Kaskade.
Beim Blackout in Spanien und Portugal am 28. April 2025 dauerte es rund zehn Stunden, bis fast alle wieder Strom hatten — obwohl die Kraftwerke unbeschädigt waren.
Erklärung: Zerstört war nichts — aber ein Netz startet nicht auf Knopfdruck. Es musste aus schwarzstartfähigen Anlagen und über die Verbindungen nach Frankreich und Marokko Insel für Insel neu aufgebaut werden.
Warum kann ein groĂźes Gaskraftwerk nach einem totalen Blackout nicht einfach von selbst wieder anfahren?
Erklärung: Ein Kraftwerk ist selbst ein Großverbraucher, solange es hochfährt. Nach einem totalen Blackout gibt es diesen Startstrom nirgends — genau das macht den Wiederaufbau so schwer.
Kraftwerke, die ohne Strom von außen anfahren können — vor allem Wasserkraftwerke —, nennt man ___-fähig.
Erklärung: Schwarzstartfähige Anlagen sind die Zündkerzen des Netzes. Von ihnen aus werden nach einem Blackout die ersten Netzinseln mit Strom versorgt.
Wie kommt ein Land nach einem totalen Blackout wieder ans Licht?
Erklärung: In jeder Insel muss die Momentanbilanz von der ersten Sekunde an stimmen — Erzeugung und Verbrauch werden Stück für Stück gemeinsam hochgefahren, dann werden die Inseln synchronisiert und verbunden.
Ein Blackout entsteht, wenn der im Netz gespeicherte Strom aufgebraucht ist.
Erklärung: Im Netz ist kein Strom gespeichert, der sich aufbrauchen könnte. Ein Blackout entsteht, wenn die Momentanbilanz so weit kippt, dass die Schutztechnik Kraftwerke und Lasten trennt.
Zwei Netzinseln sollen nach einem Blackout wieder verbunden werden. Was muss vorher auf beiden Seiten ĂĽbereinstimmen?
Erklärung: Verbunden wird nur synchron. Passen Frequenz und Schwingung nicht zusammen, wirkt das Zusammenschalten wie ein Schlag auf beide Netze — deshalb wird vorsichtig angeglichen, dann verbunden.
Sinkt die Frequenz unter etwa 47,5 Hz, trennen sich die Kraftwerke zum Selbstschutz vom Netz.
Erklärung: So tief außerhalb ihres Arbeitsbereichs nehmen Turbinen und Generatoren Schaden. Die Selbstabschaltung schützt die Maschinen — macht aber aus dem Frequenzsturz endgültig den Blackout.