Erörtern und urteilen
Welche Teilaufgabe verlangt eine PrĂĽfung mit einem Ergebnis, das richtig oder falsch ist?
Erklärung: „Prüfen“ fragt, was gilt: § 477 Abs. 1 Merkmal für Merkmal, am Ende ein Ergebnis. „Erörtern“ und „beurteilen“ fragen, ob eine Regel gut ist; dort zählt die Begründung, nicht ein bestimmtes Ergebnis.
Erörterung zur Jahresfrist des § 477 Abs. 1 BGB. Welcher Satz ist kein Argument?
Erklärung: Eine Meinung ohne Grund lässt sich an keinem Kriterium messen. Die beiden anderen Sätze sind Argumente: einer zur Beweisnähe (für die Frist), einer zu den Kosten (dagegen).
Für welche Seite spricht der Satz „Die Vermutung ist widerlegbar: Sturzspuren sprechen gegen sie“ (M 2, Z. 5)?
Erklärung: Der Phonora-Inhaber fürchtet, dass Käufer eigene Schäden als Mangel ausgeben (M 1, Z. 3 f.). Der Satz antwortet darauf: Wer Sturzspuren findet, kann die Vermutung entkräften. Eine Gegenrede ist ein Argument.
Welchem Kriterium gehört das Argument „Kleine Händler trifft das härter als große Ketten“ (M 1, Z. 7)?
Erklärung: Der Satz sagt nichts darüber, wer den Fehler aufklären kann, und nichts über Missbrauch. Er sagt, dass die Kosten ungleich verteilt sind.
Welche Fundstelle belegt das Argument, dass der Händler den Fehler besser aufklären kann als die Käuferin?
Erklärung: In M 2, Z. 3 f. steht: Die Käuferin kann es nicht beweisen, der Händler kennt Ware und Hersteller und kann ein Gutachten beauftragen. M 1, Z. 8 ist eine bloße Meinung, M 2, Z. 7 gehört zu keiner Seite.
Eine Erörterung, die vier Gründe dafür und vier dagegen aufzählt und dann schreibt „Es gibt also für beide Seiten gute Gründe“, ist vollständig.
Erklärung: Falsch. Es fehlen die Gewichtung – welches Kriterium hier schwerer wiegt und warum – und ein Fazit, das die Frage der Aufgabe beantwortet. Die ISB-Lösungsvorschläge sagen: „Ein schlüssiges Fazit wird erwartet.“
Ein Fazit, das sechs Monate statt eines Jahres für angemessen hält, bekommt im Abitur keine Punkte, weil das Gesetz ein Jahr vorsieht.
Erklärung: Falsch. Gefragt ist, ob die Regel gut ist, nicht, was sie sagt. Ein anderes Fazit zählt, wenn es aus einer begründeten Gewichtung folgt – „Eine alternative Argumentation ist denkbar“ (ISB).
Erörterung zur Frage, ob Fahren ohne Fahrschein nur noch eine Ordnungswidrigkeit sein sollte. Gewichtet wurde: Das Ultima-ratio-Prinzip wiegt am schwersten, weil das erhöhte Beförderungsentgelt schon bereitsteht. Welches Fazit folgt daraus?
Erklärung: Das Fazit nimmt das Kriterium auf, das am schwersten gewogen hat. Die Einnahmen kamen in der Gewichtung nicht vor (neues Argument); das dritte Fazit zieht aus dem Ultima-ratio-Prinzip den umgekehrten Schluss.
Teilaufgabe: „Stellen Sie dar, welche Absicht der Gesetzgeber mit der Jahresfrist des § 477 Abs. 1 BGB verfolgt!“ Welcher Satz stellt sie dar?
Erklärung: Die Vermutung verteilt das Beweisrisiko auf den, der den Fehler aufklären kann. Mehr Gutachten sind eine Folge, kein Ziel; ein Rückgaberecht ohne Grund ist der Widerruf, und der dauert 14 Tage.
Frage beantworten
Erörtern Sie, ob die Vermutung des § 477 Abs. 1 BGB beim Verbrauchsgüterkauf ein Jahr lang gelten sollte! Material: M 1 (der Phonora-Inhaber: Käufer, die ihr Handy fallen lassen, bekommen oft recht; ein Gutachten kostet mehr als die Reparatur; alle Kunden zahlen über den Preis mit; kleine Händler trifft es härter) und M 2 (eine Verbraucherberaterin: viele Mängel zeigen sich spät; die Käuferin kann nichts beweisen, der Händler kann ein Gutachten beauftragen; die Vermutung ist widerlegbar). Schreibe acht bis zwölf Sätze mit Kriterien, Gründen dafür und dagegen, einer Gewichtung und einem Fazit.
Erklärung: Kriterien, Gründe mit Materialbezug, Gewichtung, Fazit. Beide Fazits sind vertretbar, wenn sie aus der Gewichtung folgen.
Frage beantworten
Zu einer Erörterung über die Jahresfrist des § 477 Abs. 1 BGB stehen die Gründe schon da: dafür die Beweisnähe (nur der Händler kann ein Gutachten beauftragen) und die Widerlegbarkeit; dagegen die Kosten der Gutachten und die Last für kleine Händler. Schreibe nur Gewichtung und Fazit, drei bis vier Sätze. Du darfst dich für das Jahr oder dagegen entscheiden.
Erklärung: Gewichtung heißt: ein Kriterium vorziehen und sagen, warum. Das Fazit folgt daraus und bringt nichts Neues.