Wozu es Recht gibt
Welche Regel dient vor allem der Ordnung – alle wissen, woran sie sind?
Erklärung: „Rechts vor links“ (§ 8 StVO) sagt allen, wer zuerst fährt – das macht den Verkehr planbar: Ordnungsfunktion. Das Schmerzensgeld gleicht einen Schaden gerecht aus (Gerechtigkeit), das Spielhallenverbot schützt Kinder (Schutz).
Dass die Sommerferien fĂĽr alle bayerischen Schulen zum selben Termin festgelegt sind, dient vor allem der Ordnung.
Erklärung: Richtig. Ein fester, für alle gleicher Termin macht planbar, wann Schule ist und wann nicht – Familien, Betriebe und Schulen richten sich danach. Das ist die Ordnungsfunktion des Rechts.
Die Hausordnung sagt: „Mülltonnen am Dienstagabend an die Straße.“ Die Regel macht das Zusammenleben planbar – sie erfüllt die ___ des Rechts.
Erklärung: Regeln, die festlegen, was alle voneinander erwarten können, erfüllen die Ordnungsfunktion: Jeder weiß, wann die Tonnen draußen stehen und wann die Müllabfuhr kommt.
Die Gemeinde plant für den Bolzplatz die Regel „Spielen nur bis 20 Uhr“. Welches Argument begründet die Regel mit der Ordnungsfunktion?
Erklärung: Die Ordnungsfunktion begründet eine Regel damit, dass alle planen können. Die Strafe ist keine Funktion des Rechts, sondern ein Mittel, Regeln durchzusetzen – „Recht = Strafe“ ist die erste, kindliche Stufe des Rechtsverständnisses (Tapp & Levine 1974). Der Schutz vor Verletzungen wäre ein Argument der Schutzfunktion.
Welche Regel dient vor allem dem Frieden – Streit ohne Gewalt?
Erklärung: Wenn ein Gericht nach festen Regeln entscheidet, muss niemand seinen Anspruch mit Gewalt durchsetzen: Friedensfunktion. Die Klingelpflicht ordnet den Verkehr, der Parteibeitritt ist eine Freiheit.
Wer im Recht ist, darf sich das geliehene Fahrrad auch mit Gewalt beim anderen zurĂĽckholen.
Erklärung: Falsch. Auch wer im Recht ist, muss seinen Anspruch über Gerichte und Gerichtsvollzieher durchsetzen; Zwang ist Sache des Staates (Gewaltmonopol). Selbsthilfe erlaubt das BGB nur in engen Notfällen (§ 229 BGB). Sonst entschiede am Ende der Stärkere – genau das soll die Friedensfunktion verhindern.
Dass im Staat nur Polizei, Gerichte und Gerichtsvollzieher Zwang ausĂĽben dĂĽrfen, nennt man das staatliche ___.
Erklärung: Gewaltmonopol: Zwang übt nur der Staat aus, nach Gesetz und durch Gerichte kontrolliert. Darauf beruht die Friedensfunktion des Rechts – Streit wird entschieden, nicht ausgefochten.
Tom (14) hat Mias Kopfhörer geliehen und gibt sie nicht zurück. Was darf Mia tun?
Erklärung: Mia hat einen Anspruch auf Herausgabe – durchsetzen darf sie ihn nur über den Rechtsweg (Friedensfunktion, Gewaltmonopol). Ein heimlich genommenes „Pfand“ und Gewalt durch den Bruder wären selbst Unrecht und machten aus einem Streit zwei.
Welche Regel dient vor allem dem Schutz der Schwächeren?
Erklärung: Das Widerrufsrecht (§§ 312g, 355 BGB) schützt Verbraucher, die die Ware vor dem Kauf nicht prüfen konnten: Schutzfunktion. Der Wahltermin ordnet, die Berufsfreiheit (Art. 12 GG) sichert Freiheit.
Dass Kinder unter 15 Jahren grundsätzlich nicht arbeiten dürfen (Jugendarbeitsschutzgesetz), dient vor allem ihrem Schutz.
Erklärung: Richtig. Das Beschäftigungsverbot (§ 5 JArbSchG, mit engen Ausnahmen für leichte Arbeit ab 13) schützt Kinder vor Überlastung und Ausbeutung – die Schutzfunktion des Rechts.
Das Jugendschutzgesetz verbietet, Zigaretten an 16-Jährige zu verkaufen. Diese Regel erfüllt vor allem die ___ des Rechts.
Erklärung: Tabakwaren dürfen nicht an Kinder und Jugendliche abgegeben werden (§ 10 JuSchG). Die Regel schützt Jugendliche vor einer Gefahr, die sie noch nicht überblicken: Schutzfunktion.
Ein Gesetzentwurf will Handyläden verbieten, 13-Jährigen Verträge über 24 Monate anzubieten. Welches Argument stützt die Regel mit der Schutzfunktion?
Erklärung: Die Schutzfunktion begründet eine Regel mit der Schwäche dessen, den sie schützt – hier fehlender Überblick über laufende Kosten. Dass alle wissen, woran sie sind, wäre ein Ordnungsargument; die Gefängnisdrohung verwechselt die Durchsetzung einer Regel mit ihrem Zweck.
Welche Regel dient vor allem der Freiheit und Gerechtigkeit?
Erklärung: Das Benachteiligungsverbot (Art. 3 Abs. 3 GG) behandelt Gleiches gleich und sichert die Glaubensfreiheit: Freiheits- und Gerechtigkeitsfunktion. Das Wendeverbot ordnet den Verkehr, das Schnapsverbot schützt Jugendliche.
Das Verbot, fremde Briefe zu öffnen, dient der Freiheit – obwohl es ein Verbot ist.
Erklärung: Richtig. Das Briefgeheimnis (Art. 10 GG, § 202 StGB) verbietet anderen etwas, damit jeder frei schreiben kann, ohne mitgelesen zu werden. Verbote schränken nicht nur ein – sie ziehen die Grenze, an der der Freiraum des anderen beginnt.
Zwei SchĂĽler schreiben dieselbe falsche Antwort; nur einer bekommt Punktabzug. Das verletzt die Gleichbehandlung und damit die ___ des Rechts.
Erklärung: Gleiches gleich zu behandeln (Art. 3 Abs. 1 GG) ist der Kern der Gerechtigkeitsfunktion – zusammen mit der Freiheit die vierte Funktion des Rechts.
Die Schule will Handys auf dem ganzen Gelände verbieten, auch in der Pause. Welches Argument prüft die Regel mit der Freiheitsfunktion?
Erklärung: Die Freiheitsfunktion fragt, ob ein Eingriff in einen Freiraum gerechtfertigt ist. Die Klarheit für Lehrkräfte ist ein Ordnungsargument; der Verweis nennt nur die Sanktion, nicht den Zweck der Regel.
Frage beantworten
Die Wohnanlage am Westpark überlegt eine neue Regel: „Auf der Wiese hinter Haus C darf nur bis 19 Uhr Ball gespielt werden.“ Beurteile in zwei bis vier Sätzen, ob die Regel nötig ist. Nenne dabei mindestens zwei Funktionen des Rechts und ordne jeder ein Argument zu.
Erklärung: Eine Regel wird nach ihren Funktionen beurteilt: Ordnung (Planbarkeit), Frieden (Streit vermeiden), Schutz (Schwächere), Freiheit und Gerechtigkeit (Eingriff in einen Freiraum braucht einen Grund). Eine Strafe ist kein Zweck, sondern ein Mittel der Durchsetzung.