Anfangen, wenn man keine Lust hat

Starting when you do not feel like it

Alltag und Selbstständigkeit Klasse 6 12 Aufgaben
AlltagskompetenzSelbstorganisationMotivationKerncurriculum

Aufschieben ist kein Zeitmanagement-Problem und keine Faulheit. Die Metaanalyse von Steel (2007) findet den stärksten Zusammenhang mit Impulsivität und mit dem Abstand zur Belohnung, und Sirois & Pychyl (2013) beschreiben den Kern als kurzfristige Stimmungsreparatur: Man schiebt weg, was sich gerade unangenehm anfühlt, und zahlt später dafür. Schülerinnen und Schüler lernen deshalb Werkzeuge, die am Gefühl und am ersten Schritt ansetzen statt am Vorsatz — die Aufgabe so klein schneiden, dass der erste Schritt lächerlich klein ist; nur eine feste kurze Zeit arbeiten und danach aufhören dürfen; den Arbeitsplatz vorher herrichten, solange die Aufgabe noch nicht begonnen hat; und benennen, was genau unangenehm ist (zu schwer, unklar, langweilig, peinlich), weil jede dieser vier Ursachen eine andere Lösung hat. Ausdrücklich *nicht* gelehrt wird „mehr Disziplin": Willenskraft als Muskel hat die Wiederholungsstudien nicht überstanden.

Leicht
Multiple Choice #1 20s â–¶ Testen

Tim schiebt das Referat seit vier Tagen. Welcher erste Schritt ist klein genug?

  • â—Ź Die Datei anlegen und die Ăśberschrift hinschreiben
  • â—‹ Die Einleitung schreiben
  • â—‹ Eine Stunde recherchieren
Der erste Schritt muss so klein sein, dass man ihn nicht mehr verweigern kann. Danach ist die HĂĽrde weg, nicht vorher.
Wahr / Falsch #2 18s â–¶ Testen

„Ich mache es später, wenn ich mehr Lust habe" führt meistens dazu, dass es getan wird.

âś“ Falsch
Nein — die Lust kommt selten und meistens erst nach dem Anfangen. Deshalb setzt man am ersten Schritt an, nicht an der Stimmung.
Multiple Choice #3 20s â–¶ Testen

Was macht Jonas mit dem Handy, bevor er anfängt?

  • â—Ź Es auĂźer Reichweite legen, bevor die Aufgabe beginnt
  • â—‹ Es umdrehen und liegen lassen
  • â—‹ Es benutzen, um sich zu motivieren
Die Umgebung wird eingerichtet, solange es noch leicht ist. Mitten in einer unangenehmen Aufgabe gewinnt das Handy fast immer.
Mittel
Multiple Choice #1 22s â–¶ Testen

Mia sagt, sie sei einfach faul. Was beschreibt die Lage besser?

  • â—Ź Sie schiebt weg, was sich gerade unangenehm anfĂĽhlt
  • â—‹ Sie hat zu wenig Willenskraft
  • â—‹ Sie ist nicht ehrgeizig genug
Aufschieben ist kurzfristige Stimmungsreparatur. Wer das weiĂź, sucht nach dem unangenehmen GefĂĽhl statt nach mehr Disziplin.
Multiple Choice #2 20s â–¶ Testen

Die Aufgabe ist unklar — Ben weiß nicht, was verlangt ist. Was hilft hier?

  • â—Ź Nachfragen, bis die Aufgabe klar ist
  • â—‹ Trotzdem irgendwie anfangen
  • â—‹ Eine Belohnung ausmachen
Unklarheit ist eine eigene Ursache mit einer eigenen Lösung. Gegen Unklarheit hilft keine Selbstüberredung.
Multiple Choice #3 20s â–¶ Testen

Wie lang ist ein guter erster Arbeitsblock gegen das Aufschieben?

  • â—Ź Zehn bis fĂĽnfzehn Minuten mit ausdrĂĽcklicher Erlaubnis, danach aufzuhören
  • â—‹ Zwei Stunden am StĂĽck
  • â—‹ So lange, bis alles fertig ist
Ein kurzer Block ist billig zu beginnen. Meistens macht man danach weiter — aber das darf nicht die Bedingung sein.
Multiple Choice #4 20s â–¶ Testen

Lea findet die Aufgabe zu schwer. Was ist der passende Zug?

  • â—Ź Den leichtesten Teil suchen und dort anfangen
  • â—‹ Sich mehr anstrengen
  • â—‹ Auf morgen verschieben
Zu schwer heiĂźt: an der falschen Stelle angefangen. Fast jede Aufgabe hat einen Teil, der geht.
Wahr / Falsch #5 20s â–¶ Testen

Wer eine Aufgabe langweilig findet, hat dasselbe Problem wie jemand, der sie zu schwer findet.

âś“ Falsch
Nein — langweilig braucht eine Struktur oder ein Ziel im Blick, zu schwer braucht einen kleineren Einstieg. Verschiedene Ursachen, verschiedene Werkzeuge.
Multiple Choice #6 22s â–¶ Testen

Sara hat gestern nichts geschafft und fühlt sich schlecht. Was macht es wahrscheinlicher, dass sie heute anfängt?

  • â—Ź Den gestrigen Tag abhaken und nur den nächsten Schritt planen
  • â—‹ Sich vornehmen, heute doppelt so viel zu schaffen
  • â—‹ Sich VorwĂĽrfe machen, damit es nicht wieder passiert
SelbstvorwĂĽrfe verschlechtern die Stimmung, und schlechte Stimmung ist genau der Treibstoff des Aufschiebens.
Multiple Choice #7 22s â–¶ Testen

Warum wirkt „ich muss nur endlich disziplinierter sein" so selten?

  • â—Ź Weil es keinen konkreten nächsten Schritt nennt
  • â—‹ Weil Disziplin unwichtig ist
  • â—‹ Weil man dafĂĽr älter sein muss
Ein Vorsatz ohne Handlung ändert nichts an der nächsten halben Stunde. Was hilft, ist ein Schritt, der jetzt getan werden kann.
Multiple Choice #8 22s â–¶ Testen

Nils schiebt eine E-Mail an die Lehrkraft seit einer Woche. Was ist wahrscheinlich das unangenehme GefĂĽhl?

  • â—Ź Es ist ihm peinlich, weil er zu spät dran ist
  • â—‹ Die Mail ist zu lang
  • â—‹ Er hat keine Zeit
Bei kleinen Aufgaben, die lange liegen, ist es fast immer Scham. Und die wächst mit jedem Tag — deshalb ist sofort schicken der billigste Weg.
Wahr / Falsch #9 20s â–¶ Testen

Wer den Schreibtisch vorher aufräumt, statt anzufangen, schiebt oft nur weiter auf.

âś“ Wahr
Ja — Aufräumen fühlt sich nützlich an und ist trotzdem Vermeidung. Der Trick ist, das Herrichten zu einer festen kurzen Zeit vorher zu machen, nicht als Ersatz.