Die Basis wird innerlich
The base moves inside
Im Kindergartenalter wandert die sichere Basis nach innen: Das Kind hält die Beziehung über die Trennung hinweg im Kopf und beruhigt sich schon mit der bloßen Vorstellung von dir. Zugleich beginnt es zu begreifen, dass andere ein eigenes Innenleben mit eigenen Gedanken und Gefühlen haben (Theory of Mind). Beides zusammen macht längere Trennungen tragbar.
In den ersten Jahren war Bindung vor allem Nähe: Dein Kind brauchte dich in Reich- und Sichtweite, um sich sicher zu fühlen — die sichere Basis, von der aus es die Welt erkundet (Ainsworth). Im Kindergartenalter passiert etwas Bemerkenswertes: Die Basis wandert nach innen. Dein Kind trägt eine innere Vorstellung von eurer Beziehung mit sich — Bowlby nannte es ein inneres Arbeitsmodell — und kann sich damit beruhigen, auch wenn du gerade nicht da bist.
Möglich wird das durch zwei Reifungsschritte. Erstens die Objektpermanenz: Schon als Baby lernt dein Kind, dass Dinge — und Menschen — weiter existieren, wenn es sie nicht sieht (Piaget). Jetzt gilt das auch für die Beziehung selbst; sie verschwindet nicht mit dir aus dem Zimmer. Zweitens beginnt dein Kind zu begreifen, dass andere ein eigenes Innenleben haben — eigene Gedanken, Wünsche, Gefühle, die sich von seinen unterscheiden. Diese Theory of Mind festigt sich rund um den vierten Geburtstag, robust über Länder und Aufgaben hinweg, wie eine Meta-Analyse aus 178 Studien zeigt (Wellman u. a., 2001).
Für euch heißt das: Die Beziehung stützt sich weniger auf ständige körperliche Nähe und mehr auf Vertrauen über Distanz. Dein Kind kann die Idee von dir wie einen Anker mitnehmen — vorausgesetzt, es hat gute Gründe, sich auf euer Zurückkommen zu verlassen. Genau darum geht es in den nächsten beiden Abschnitten.