Babys erwarten Antwort

Babies expect an answer

EntwicklungBindung

Im Still-Face-Experiment erstarrt die Bezugsperson mitten im Spiel zu einem ausdruckslosen Gesicht — und schon Säuglinge protestieren, wenden sich ab und versuchen, die Reaktion zurückzuholen. Das zeigt: Babys erwarten von Anfang an ein kontingentes Hin und Her und merken sofort, wenn es ausbleibt. Die Antwort des Gegenübers ist für sie keine Nettigkeit, sondern Erwartung.

In einem der am häufigsten wiederholten Experimente der Entwicklungspsychologie spielt eine Mutter Gesicht an Gesicht mit ihrem wenige Monate alten Baby. Dann, auf ein Zeichen, erstarrt ihr Gesicht: ausdruckslos, stumm, aber weiter zugewandt. Das ist das Still-Face-Experiment (Tronick u. a., 1978).

Das Baby merkt es in Sekunden. Es lächelt, gluckst, zeigt, streckt sich — es versucht, das GegenĂĽber zurĂĽckzuholen. Wenn nichts kommt, wendet es sich ab, wird unruhig, manchmal weint es. Sobald die Mutter wieder mitspielt, beruhigt es sich — nicht sofort, aber zuverlässig. Eine Meta-Analyse ĂĽber mehr als 80 Studien zeigt: Dieser Effekt ist robust, unabhängig von Geschlecht und Hintergrund des Kindes (Mesman u. a., 2009).

Die Botschaft ist nicht „bloß keine Pause machen". Sie lautet: Babys kommen schon mit der Erwartung eines antwortenden Gegenübers zur Welt. Sie sind keine passiven Empfänger von Reizen, sondern Partner in einem Gespräch, das es noch ohne Worte gibt. Und — beruhigend — zum normalen Muster gehört der Bruch und die Reparatur: dass der Kontakt abreißt und wieder hergestellt wird. Kein einzelner verpasster Moment „schädigt" ein Kind; es ist das verlässliche Zurückkommen, das trägt.

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