Die Zwei-Wochen-Regel
The two-week rule
Anhaltend gedrückte Stimmung oder Interessenverlust über mehr als zwei Wochen ist die Grenze zwischen einer normalen Stimmungsschwankung und einer behandlungsbedürftigen Depression. Kürzere Tiefs gehören zur hormonellen Umstellung; das Signal ist die Dauer, nicht die Intensität eines einzelnen Tages. Weil Betroffene sich selbst schlecht einschätzen, ist der Partner oft die erste Erkennungsschicht — der EPDS-Fragebogen macht die Einschätzung objektiver.
Stimmungsschwankungen gehören zur Schwangerschaft — Hormone, Müdigkeit, die schiere Größe der Veränderung. Ein Tief am Dienstag, das am Donnerstag wieder weg ist, ist normal. Die nützliche Faustregel für die Grenze dahinter ist die Zwei-Wochen-Regel: Hält eine gedrückte Stimmung oder ein Verlust an Freude und Interesse (Fachwort: Anhedonie) an fast allen Tagen über mehr als zwei Wochen an, ist das das Signal, sich Hilfe zu holen — nicht abzuwarten.
Und hier kommt die zweite Person ins Spiel. In der deutschen Vorsorge wird die Stimmung nicht routinemäßig abgefragt — anders als der Blutdruck steht sie in keinem Mutterpass. Das macht den Partner oder die Partnerin zur eigentlichen Erkennungsschicht: Oft merkt der Mensch daneben eine anhaltende Veränderung als Erster. Der Auftrag ist konkret: die Zwei-Wochen-Regel kennen, die Hilfeliste im nächsten Abschnitt kennen — und ansprechen, nicht wegschauen.
Ein einfaches Werkzeug zum Selbst-Nachschauen ist der EPDS (Edinburgh-Postnatal-Depression-Scale), ein kurzer, frei verfügbarer Fragebogen (u. a. über Schatten&Licht e. V.). Er ist kein Urteil und keine Diagnose — nur ein ruhiger Anlass, ehrlich hinzuschauen und mit dem Ergebnis zur Hebamme oder Ärztin zu gehen.