Kleine Aufträge — Erinnern üben, bevor es gebraucht wird
Small errands — practising remembering before it is needed
„Bring bitte die Jacke in den Flur, und sag Papa, dass das Essen fertig ist" — solche Aufträge sind die Vorstufe genau der Fähigkeit, an der es in der Schule hängt: sich an eine Absicht zu erinnern, während man etwas anderes tut. Sie wächst zwischen sieben und acht sprunghaft und lässt sich davor gut vorbereiten: ein Auftrag statt drei, ein sichtbarer Hinweis statt einer Wiederholung, und das kurze Vorstellen der Situation, in der der Auftrag fällig wird.
„Geh bitte ins Bad, hol das Handtuch und bring es in die Küche." Ein Vierjähriger kommt aus dem Bad zurück — ohne Handtuch, mit einem Auto in der Hand. Das ist kein Ungehorsam und keine Unaufmerksamkeit. Es ist ein ganz bestimmter Teil des Gedächtnisses, der noch klein ist: das Erinnern an eine Absicht, während man etwas anderes tut.
Diese Fähigkeit macht zwischen sieben und acht einen deutlichen Sprung und entwickelt sich danach jahrelang weiter — sie ist bei Erwachsenen auch nicht fertig. Und sie ist genau die, an der später der Turnbeutel, das Büchereibuch und der Elternbrief hängen. Man kann sie schon jetzt üben, wenn man sie richtig dosiert.
Ein Auftrag, nicht drei. Bei zwei Schritten kommt oft nur der erste an; bei drei geht das Ziel unterwegs verloren. Zwei Aufträge sind ab etwa fünf realistisch — aber nur, wenn sie zusammengehören.
Etwas Sichtbares statt einer Wiederholung. Gib das Handtuch in die Hand, stell den leeren Korb vor die Tür, leg den Zettel für die Erzieherin oben auf den Rucksack. Sichtbare Hinweise wirken in diesem Alter zuverlässig; das dritte „Denk dran!" wirkt nicht — bei den Jüngsten stört es sogar eher.
Und einmal vorstellen lassen. „Wenn du im Bad bist — was machst du dann?" Diese eine Frage lässt das Kind die Situation kurz vor Augen haben, in der der Auftrag fällig wird. In Untersuchungen mit Kindern ist das eines der wirksamsten Mittel gegen vergessene Absichten — und es ist derselbe Zehn-Sekunden-Trick, der später abends vor dem Ranzenpacken steht.
Wenn der Auftrag trotzdem verlorengeht, ist die nützlichste Reaktion keine Ermahnung, sondern eine Frage: „Was war noch mal dein Auftrag?" — und beim nächsten Mal ein Hinweis mehr in der Hand.