Pflege als Dialog — mitmachen lassen von Anfang an
Care as a dialogue — letting them take part from the start
Wickeln, anziehen, waschen: Ein Säugling erlebt das mehrere tausend Mal, bevor er sprechen kann — und ob es an ihm passiert oder mit ihm, macht einen Unterschied, den man Jahre später sieht. Die Kinderärztin Emmi Pikler hat daraus eine einfache Praxis gemacht: ankündigen, was kommt, kurz warten, die Bewegung des Kindes abwarten statt sie zu überholen. Das ist der früheste Ort, an dem ein Kind erfährt, dass es an seinem eigenen Leben beteiligt ist.
Ein Kind wird in seinem ersten Jahr ungefähr viertausendmal gewickelt. Diese Minuten sind keine Nebensache — sie sind der größte zusammenhängende Block Eins-zu-eins-Zeit, den ihr habt.
Emmi Pikler, Kinderärztin in Budapest, hat daraus eine Praxis gemacht, die sich in einem Satz sagen lässt: Sag, was kommt, und warte einen Moment. „Ich hebe jetzt dein Bein an." Kurze Pause. Dann heben. Nicht, weil ein Baby die Worte versteht, sondern weil es den Rhythmus versteht: Ankündigung, Pause, Handlung. Nach einigen Wochen fängt das Kind an, in diese Pause hineinzuarbeiten — es hebt das Bein selbst ein Stück, es dreht den Kopf, es streckt den Arm in den Ärmel.
Genau das ist der Punkt. Wer schnell und routiniert wickelt, ĂĽberholt diese
Bewegung jedes Mal. Wer eine Sekunde wartet, bekommt sie geschenkt — und aus
dem Wickeln wird eine Art Gespräch, dieselbe
Zwei Ehrlichkeiten dazu. Erstens: Das gilt nicht für jedes Wickeln. In der Eile, unterwegs, bei einem schreienden übermüdeten Kind wird schnell gewickelt, und das ist völlig in Ordnung. Es geht um die ruhigen Gelegenheiten, nicht um alle. Zweitens: Piklers Ansatz ist eine gut begründete Haltung mit langer Praxis, keine in Studien vermessene Methode. Was daran belegt ist, ist das Allgemeinere — dass Säuglinge auf feinfühlige, vorhersehbare Reaktionen anders reagieren als auf schnelle, unangekündigte.