Der Mythos vom Als-ob-Spiel

The pretend-play myth

EntwicklungSpielEvidenz

Die verbreitete Behauptung, Als-ob-Spiel mache Kinder klüger, kreativer und selbstbeherrschter, ist als Ursache nicht belegt: Die Studienlage besteht überwiegend aus Korrelationen, nicht aus Wirkungsnachweisen. Als-ob-Spiel ist wertvoll — aber nicht, weil es messbar schlauer macht.

Man liest es ĂĽberall: Als-ob-Spiel — Kaufladen, Drachen, Vatermutter­kind — baue Kreativität, Sprache, Selbstbeherrschung und Denkvermögen auf. Eine groĂźe Ăśbersichtsarbeit hat die Belege dafĂĽr systematisch geprĂĽft und kommt zu einem ernĂĽchternden Ergebnis: Die starke Behauptung, das Als-ob-Spiel sei die Ursache solcher Fortschritte, ist nicht belegt (Lillard u. a., 2013).

Das Problem ist nicht, dass die Studien nichts finden — sie finden Zusammenhänge. Kinder, die viel so spielen, sind oft auch in anderem weiter. Aber Zusammenhang ist nicht Ursache: Vielleicht macht nicht das Spiel die Kinder klüger, sondern klügere oder sprachlich weitere Kinder spielen mehr so — oder ein dritter Faktor, etwa viel zugewandte Zeit mit Erwachsenen, treibt beides. Die Autorinnen nennen sogar einen „Spiel-Glauben" im Feld, der positive Ergebnisse begünstigt.

Wichtig: Das ist kein Argument gegen das Spielen. Freies Als-ob-Spiel ist wertvoll für Freude, Fantasie und Miteinander — dafür braucht es keine Leistungsbegründung. Es heißt nur: Man muss es nicht zur Fördermaßnahme umdeuten. Und es führt zur eigentlich gut belegten Sache — dem geführten Spiel.

Keine Aufgaben fĂĽr dieses Thema.