Friedensethik

Ethics of peace

15 Aufgaben
EthikFriedensethikGerechter KriegSozial-bĂĽrgerliches Leben

Die Schülerin ordnet Sätze aus einer Konfliktmeldung den Kriterien der Lehre vom gerechten Krieg zu — gerechter Grund, legitime Autorität, letztes Mittel, Verhältnismäßigkeit, Aussicht auf Erfolg (in der modernen Fassung bei Walzer 1977) — ohne zu entscheiden, ob ein konkreter Krieg gerecht ist. Das schützt vor zwei Fehlbildern: dass die Lehre jeden Krieg rechtfertige (der Lehrplan nennt ausdrücklich ihre Instrumentalisierung) und dass Pazifismus bloß „nichts tun" heiße (Gandhi, King: gewaltfreier Widerstand ist Handeln). Im Nahbereich trennt sie mit Rosenberg (1999) Beobachtung von Bewertung und Gefühl von Vorwurf, und mit Galtung (1969) negativen Frieden (kein Krieg) von positivem Frieden (keine strukturelle Gewalt). Ob Gewalt je gerechtfertigt ist, bleibt offen und wird im Gespräch abgewogen. LehrplanPLUS Gymnasium Ethik 9, LB 3 „Friedensethik": bewerten die Vorstellungen zum gerechten Krieg und zum Pazifismus, um eine eigene, reflektierte Haltung zu entwickeln; wenden Techniken der Gewaltfreien Kommunikation und der Deeskalation an; erkennen Möglichkeiten und Grenzen eines Engagements für den Frieden. Bereitet vor: `ethik.politische-ethik` (Kant, Zum ewigen Frieden; UNO als Friedenssicherung, Ethik 11) und `ethik.gewissen-verantwortung` (Kriegsdienstverweigerung, Art. 4 Abs. 3 GG).

Leicht
Multiple Choice #1 15s â–¶ Testen

Welches Kriterium des gerechten Krieges spricht dieser Satz an? „Südland wurde ohne Vorwarnung von Nordland angegriffen."

  • â—Ź gerechter Grund
  • â—‹ letztes Mittel
  • â—‹ Verhältnismäßigkeit
Die Abwehr eines Angriffs ist der klassische gerechte Grund. Ob ein Krieg damit schon gerechtfertigt ist, entscheiden erst alle Kriterien zusammen — und darüber kann man streiten.
Multiple Choice #2 15s â–¶ Testen

Welches Kriterium des gerechten Krieges spricht dieser Satz an? „Alle Verhandlungen und Wirtschaftssanktionen sind gescheitert."

  • â—Ź letztes Mittel
  • â—‹ gerechter Grund
  • â—‹ legitime Autorität
Gewalt darf nach dieser Lehre erst eingesetzt werden, wenn alle friedlichen Wege ausgeschöpft sind.
Multiple Choice #3 12s â–¶ Testen

Welcher Satz ist eine Beobachtung ohne Bewertung?

  • â—Ź „Du bist diese Woche dreimal nach acht Uhr gekommen."
  • â—‹ „Du bist total unzuverlässig."
  • â—‹ „Du kommst immer zu spät."
Eine Beobachtung beschreibt, was man sehen und zählen kann. „Unzuverlässig" ist ein Urteil, „immer" eine Verallgemeinerung — beides lädt zum Gegenangriff ein (Rosenberg).
Multiple Choice #4 12s â–¶ Testen

Welcher Satz ist eine Beobachtung ohne Bewertung?

  • â—Ź „Du hast mein Heft aus der Tasche genommen, ohne zu fragen."
  • â—‹ „Du bist so rĂĽcksichtslos."
  • â—‹ „Du nimmst dir ständig einfach alles."
Nur der erste Satz sagt, was genau passiert ist. „Rücksichtslos" bewertet die Person, „ständig" und „alles" übertreiben.
Multiple Choice #5 12s â–¶ Testen

Welche Haltung ist pazifistisch?

  • â—Ź „Gewalt ist nie ein erlaubtes Mittel, auch nicht zur Verteidigung."
  • â—‹ „Ein Land darf sich gegen einen Angriff verteidigen."
  • â—‹ „Krieg ist ein ganz normales Mittel der Politik."
Der Pazifismus lehnt Gewalt grundsätzlich ab. Die zweite Haltung entspricht der Lehre vom gerechten Krieg. Welche Haltung richtig ist, entscheidet diese Aufgabe nicht.
Multiple Choice #6 15s â–¶ Testen

1930 zogen Gandhi und Tausende Anhänger zum Meer, um dort verbotenerweise Salz zu gewinnen, und ließen sich widerstandslos verhaften. Was war das?

  • â—Ź gewaltfreier Widerstand
  • â—‹ eine Mediation
  • â—‹ ein bewaffneter Aufstand
Der Salzmarsch brach offen ein Gesetz, ohne Gewalt anzuwenden — Vorbild für Martin Luther King. Pazifismus heißt also nicht, nichts zu tun.
Multiple Choice #7 15s â–¶ Testen

Im Streit um den Bolzplatz bringt eine Sozialarbeiterin beide Gruppen an einen Tisch. Sie entscheidet nichts, die Gruppen finden selbst eine Lösung. Was war das?

  • â—Ź eine Mediation
  • â—‹ gewaltfreier Widerstand
  • â—‹ ein Schiedsspruch
Bei der Mediation vermittelt eine dritte Person, die Lösung finden die Beteiligten selbst. Bei einem Schiedsspruch entscheidet die dritte Person.
Mittel
Multiple Choice #1 15s â–¶ Testen

Welches Kriterium des gerechten Krieges spricht dieser Satz an? „Der Einsatz darf nicht mehr Leid anrichten, als er verhindern soll."

  • â—Ź Verhältnismäßigkeit
  • â—‹ Aussicht auf Erfolg
  • â—‹ letztes Mittel
Verhältnismäßigkeit wägt den erwarteten Schaden gegen das Übel ab, das abgewendet werden soll.
Multiple Choice #2 15s â–¶ Testen

Welches Kriterium des gerechten Krieges spricht dieser Satz an? „Der UN-Sicherheitsrat hat den Einsatz beschlossen."

  • â—Ź legitime Autorität
  • â—‹ gerechter Grund
  • â—‹ Verhältnismäßigkeit
Es geht darum, wer den Einsatz anordnen darf. Heute verweist das Völkerrecht dafür auf den Sicherheitsrat oder das Recht auf Selbstverteidigung.
Multiple Choice #3 18s â–¶ Testen

Welches Kriterium des gerechten Krieges spricht dieser Satz an? „Fachleute halten es für fast ausgeschlossen, dass der Einsatz die Bevölkerung wirklich schützen kann."

  • â—Ź Aussicht auf Erfolg
  • â—‹ Verhältnismäßigkeit
  • â—‹ gerechter Grund
Ein Einsatz ohne realistische Chance, sein Ziel zu erreichen, verfehlt dieses Kriterium — selbst wenn der Grund gerecht wäre.
Multiple Choice #4 15s â–¶ Testen

Welcher Satz nennt ein GefĂĽhl und kein Urteil ĂĽber den anderen?

  • â—Ź „Ich bin enttäuscht."
  • â—‹ „Ich fĂĽhle mich von dir ausgenutzt."
  • â—‹ „Du nervst mich."
„Ausgenutzt" klingt wie ein Gefühl, ist aber ein Vorwurf: Es sagt, was der andere getan haben soll. Rosenberg nennt solche Wörter Interpretationen, nicht Gefühle.
Multiple Choice #5 18s â–¶ Testen

In einem Land wird seit zwanzig Jahren nicht mehr geschossen, aber Kinder einer Volksgruppe dĂĽrfen keine Schule besuchen. Welche Art Frieden herrscht dort nach Galtung?

  • â—Ź nur negativer Frieden
  • â—‹ positiver Frieden
  • â—‹ gar kein Frieden
Galtung nennt die Abwesenheit von Krieg negativen Frieden. Positiver Frieden verlangt auch, dass strukturelle Gewalt wie Ausgrenzung verschwindet.
Wahr / Falsch #6 12s â–¶ Testen

Die Charta der Vereinten Nationen verbietet Staaten grundsätzlich, Gewalt gegen andere Staaten anzuwenden.

âś“ Wahr
Artikel 2 Absatz 4. Ausnahmen sind die Selbstverteidigung und MaĂźnahmen, die der Sicherheitsrat beschlieĂźt.
Schwer
KI-bewertete Frage #1 200s â–¶ Testen

Darf ein Land Gewalt anwenden, um Menschen in einem anderen Land vor schwerem Unrecht zu schützen, oder ist Gewaltverzicht immer besser? Nenne Gründe für beide Seiten und prüfe, welche Bedingungen Gewalt — wenn überhaupt — erfüllen müsste.

✓ Antwort: Für Gewaltverzicht spricht, dass Gewalt fast immer neues Leid schafft und oft auch Unbeteiligte trifft. Für ein Eingreifen spricht, dass Wegsehen die Opfer schutzlos lässt. Wenn überhaupt, müsste Gewalt das letzte Mittel sein, verhältnismäßig bleiben und eine echte Aussicht haben, die Menschen zu schützen. Ich neige zum Gewaltverzicht, weil diese Bedingungen selten erfüllt sind — aber ich verstehe, warum andere das anders sehen.
KI-bewertete Frage #2 160s â–¶ Testen

Auf dem Pausenhof wird Mehmet von einem älteren Schüler geschubst. Seine Freunde sagen: „Schubs zurück, sonst macht er das immer wieder." Was spricht für Zurückschubsen, was dagegen, und welche anderen Wege gäbe es?

✓ Antwort: Für Zurückschubsen spricht, dass Mehmet zeigt, dass er sich wehrt, und der Ältere es vielleicht lässt. Dagegen spricht, dass der Streit eskalieren kann und Mehmet selbst Ärger bekommt. Andere Wege: laut „Stopp" sagen, eine Aufsicht holen oder später mit Streitschlichtern reden. Ich würde erst „Stopp" sagen und Hilfe holen, aber ich verstehe, dass man sich wehren will.