Wenn das Leben an Grenzen kommt
When life reaches its limits
Der Igel unter dem Laub hält Winterschlaf, sein Herz schlägt ganz langsam; der Vogel unter dem Fenster atmet nicht mehr. Die Tulpenzwiebel ruht in der Erde, die Schnittblumen in der Vase sind vertrocknet. An solchen ruhigen Naturszenen unterscheiden die Kinder Ruhen von Totsein und üben, was Speece und Brent (1984, Child Development 55, 1671–1686) als die Bestandteile des Todesbegriffs beschrieben haben: Tot ist für immer (Unumkehrbarkeit), ein toter Körper spürt und braucht nichts mehr (Nicht-Funktionalität), und alles Lebendige stirbt irgendwann (Universalität). Dazu kommen Grenzen, die eine lange Krankheit oder ein Unglück setzen — und die Einsicht, dass sie ohne eigene Schuld kommen: Bibace und Walsh (1980, Pediatrics 66, 912–917) beschreiben, dass jüngere Kinder Krankheit oft als Strafe deuten, und Lerner (1980, *The Belief in a Just World*) den Glauben, jeder bekomme, was er verdient. Alle Szenen sind sanft: Tiere, Pflanzen, das hohe Alter, nie der Tod eines Elternteils. Eigene Vorstellungen davon, was nach dem Tod kommt, und ob Krankheit ungerecht ist, bleiben offen; jede Antwort zählt, die Begründung wird bewertet (Martens 1999). LehrplanPLUS GS Ethik 3/4, 3.3 Über Ursprung und Grenzen des Lebens nachdenken (verschiedene Grenzen im Leben: Krankheiten, Schicksalsschläge, Tod). Bereitet vor: `ethik.religionsphilosophie` (Ethik 10, die Frage nach dem Leid) und `ethik.medizinethik` (Ethik 11, Lebensende und Selbstbestimmung).
Der Igel liegt im Winter zusammengerollt unter dem Laub. Sein Herz schlägt ganz langsam. Was trifft zu?
Unter dem Fenster liegt ein Vogel. Er atmet nicht mehr, sein Herz schlägt nicht mehr. Was trifft zu?
In der Höhle hängt im Winter eine Fledermaus kopfüber und bewegt sich wochenlang nicht. Ihr Herz schlägt ganz langsam. Was trifft zu?
Opas Hund war sehr alt und ist gestorben. Ben fragt, ob er wiederkommt. Was trifft auf den Hund zu?
Jonas’ Oma hat eine Krankheit, die lange dauert. Sie kann nicht mehr mit in den Zoo, weil das Laufen zu anstrengend ist. Welcher Satz stimmt?
Der Vogel unter dem Fenster ist tot. Er spürt nichts mehr, auch keine Kälte.
Bäume, Katzen und Menschen: Alles, was lebt, stirbt irgendwann.
Milas Hamster ist gestorben. Wenn sie ihn ganz lieb streichelt, wird er wieder lebendig.
Ein Hagelsturm hat das ganze GemĂĽse von Bauer Huber kaputt gemacht. Bauer Huber ist selbst schuld daran.
Der alte Kater ist gestorben. Er kann nie ___ lebendig werden.
Die Tulpe im Garten ist im Sommer verwelkt. Ihre Zwiebel steckt noch in der Erde und treibt jedes FrĂĽhjahr neu aus. Was trifft auf die Zwiebel zu?
Die Schnittblumen in der Vase sind verwelkt und ganz vertrocknet. Was trifft zu?
Bei Familie Yilmaz ist ein Wasserrohr geplatzt. Sie mĂĽssen ein paar Wochen bei Verwandten wohnen. Welcher Satz stimmt?
Manche Kinder fragen: „Warum muss alles, was lebt, irgendwann sterben?“ Was denkst du darüber?
Ben sagt: „Wenn jemand schwer krank wird, ist das ungerecht.“ Elif sagt: „Ungerecht kann nur sein, was ein Mensch tut.“ Wem stimmst du eher zu? Begründe.