Die Schülerin unterscheidet in Posts und Meldungen Information von Meinung und ordnet Falsches nach Wardle & Derakhshan (2017) ein: Fehlinformation (falsch, ohne Schadensabsicht geteilt), Desinformation (falsch und absichtlich) und Malinformation (wahr, aber geteilt, um zu schaden — etwa ein privates Foto). Die dritte Kategorie baut das Fehlbild ab, nur Falsches könne Unrecht sein; die zweite das Fehlbild, wer etwas nur weiterleite, sei unbeteiligt. Dazu erkennt sie gestaltete Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie (endloser Feed), Warnzeichen für Fälschungen und Deepfakes, die Arten inszenierter Wirklichkeit (Scripted Reality) und das Recht am eigenen Bild. Dass Häufigkeit kein Wahrheitsbeweis ist, belegt die Twitter-Studie von Vosoughi, Roy & Aral (2018): Falschmeldungen verbreiteten sich weiter und schneller als wahre. Wer wie viel Verantwortung trägt — Erstellerin, Plattform, Weiterleitende —, bleibt offen und wird begründet. LehrplanPLUS Gymnasium Ethik 10, LB 4 „Medienethik": unterscheiden Informationen von Meinungen und beurteilen die Glaubwürdigkeit von Veröffentlichungen; erkennen Instrumente gezielter Beeinflussung in sozialen Netzwerken; erörtern die Verantwortung von Produzenten, Konsumenten und weiteren Beteiligten; gehen verantwortungsvoll mit eigenen und fremden Daten um. Bereitet vor: `ethik.politische-ethik` (Manipulation in sozialen Medien, populistische Rhetorik, Ethik 11), `pug.grade11.teilhabe-und-medien` und `geschichte.grade11.digitale-revolution-gesellschaft`.
Welcher Satz ist eine Information und keine Meinung?
● „Der Stadtrat hat am Dienstag beschlossen, die Bibliothek auch sonntags zu öffnen."
○ „Endlich hat der Stadtrat mal etwas Vernünftiges beschlossen."
○ „Die Sonntagsöffnung ist reine Geldverschwendung."
Eine Information lässt sich überprüfen, etwa im Protokoll der Sitzung. „Vernünftig" und „Geldverschwendung" sind Bewertungen — einmal dafür, einmal dagegen.
Welche Meldung zeigt die meisten Warnzeichen einer Fälschung?
● ein Video, in dem eine Ministerin etwas völlig Untypisches sagt, ohne Quelle und ohne Datum
â—‹ ein Zeitungsbericht mit Namen der Autorin, Datum und Belegen
â—‹ eine Pressemitteilung auf der offiziellen Seite des Ministeriums
Untypischer Inhalt und fehlende Quelle sind Warnzeichen. Prüfen lässt sich das, indem man bei seriösen Medien nachliest, ob jemand anderes darüber berichtet.
Oma leitet in der Familiengruppe eine Warnung vor „vergifteten Gummibärchen" weiter, weil sie die Enkel schützen will. Die Warnung ist erfunden. Welche Art Informationsstörung ist das?
â—Ź Fehlinformation
â—‹ Desinformation
â—‹ Malinformation
Falsch, aber ohne Absicht zu schaden geteilt — das nennen Wardle und Derakhshan Fehlinformation. Wer die Warnung erfunden hat, betrieb dagegen womöglich Desinformation.
Nach einem Streit stellt Kim ein echtes, peinliches Urlaubsfoto ihrer früheren Freundin in die Klassengruppe. Welche Art Informationsstörung ist das?
â—Ź Malinformation
â—‹ Desinformation
â—‹ Fehlinformation
Das Foto ist echt — trotzdem wird es geteilt, um zu schaden. Malinformation zeigt: Auch Wahres kann Unrecht tun, wenn es Privates öffentlich macht.
In einer groĂźen Studie ĂĽber zehn Jahre Twitter verbreiteten sich wahre Meldungen weiter und schneller als falsche.
âś“ Falsch
Umgekehrt: Falschmeldungen verbreiteten sich weiter und schneller, vor allem weil Menschen Neues und Empörendes teilen (Vosoughi, Roy & Aral 2018). Oft geteilt heißt nicht wahr.
Jemand erstellt mit KI ein täuschend echtes Video, in dem eine Lehrerin etwas sagt, das sie nie gesagt hat — „nur zum Spaß". Andere leiten es weiter. Wer trägt hier welche Verantwortung? Nimm auch Stellung zu „Es war doch nur Spaß".
✓ Antwort: Die Erstellerin trägt die meiste Verantwortung, weil sie bewusst täuscht. Wer weiterleitet, trägt einen Teil, weil er den Schaden vergrößert — auch wenn er nicht wusste, dass es gefälscht ist, hätte er nachfragen können. Die Plattform trägt Verantwortung, wenn sie gemeldete Fälschungen nicht entfernt. „Nur Spaß" ändert nichts daran, dass der Ruf der Lehrerin leidet. Man könnte aber sagen, dass eine offensichtliche Parodie etwas anderes ist.
Viele Apps sind so gebaut, dass man möglichst lange dranbleibt. Ist es Sache der Nutzer, sich zu beherrschen, oder tragen auch die Firmen Verantwortung? Begründe und nenne ein Gegenargument zu deiner Sicht.
✓ Antwort: Ich finde, beide tragen Verantwortung. Nutzer können sich Grenzen setzen, aber die Firmen bauen gezielt Mechanismen wie endloses Scrollen und Belohnungen ein, die das schwer machen — vor allem für Kinder. Wer Schwächen absichtlich ausnutzt, kann die Verantwortung nicht ganz auf die Nutzer schieben. Gegenargument: Niemand wird gezwungen, die App zu öffnen, und Erwachsene sollen selbst entscheiden dürfen.