Die Schülerin ordnet Begründungen für Natur- und Tierschutz ihrem Ansatz zu: anthropozentrisch (zählt, weil es Menschen nützt), pathozentrisch (zählt, weil es leiden kann) oder biozentrisch (alles Lebendige hat Eigenwert) — und benennt das Kriterium, an dem ein Satz den moralischen Status festmacht: Vernunft, Sprache oder Empfindungsfähigkeit. Singer (1975) stellt mit Bentham die Frage „Können sie leiden?" und nennt es Speziesismus, gleiches Leiden je nach Art verschieden zu gewichten; die Schülerin erkennt einen speziesistischen Satz, ohne dass damit entschieden wäre, ob Speziesismus falsch ist. Abgebaut wird das Fehlbild, Tierethik sei reine Gefühlssache: Die Ansätze geben prüfbare Gründe, und Bilder in Dokumentarfilmen setzen gezielt Mittel ein, um Gefühle auszulösen. Ob man Fleisch essen oder Tierversuche erlauben soll, bleibt offen und wird in der Fallanalyse begründet. LehrplanPLUS Gymnasium Ethik 8, LB 4 „Umwelt- und Tierethik": berücksichtigen Begründungsansätze für den Umweltschutz und das Konzept der Nachhaltigkeit; berücksichtigen Kriterien für den moralischen Status von Tieren (Vernunftbegabtheit, Empfindungsfähigkeit, Singer: Speziesismus); erkennen Mittel in Bildern und Dokumentarfilmen. Bereitet vor: `ethik.medizinethik` (moralischer Status und Person, Tierversuche, Ethik 11) und `ethik.medienethik` (Inszenierung von Wirklichkeit).
Welcher Ansatz steckt in dieser Begründung? „Auch eine alte Eiche hat ein eigenes Recht zu leben."
â—Ź biozentrisch
â—‹ pathozentrisch
â—‹ anthropozentrisch
Ein Baum empfindet keinen Schmerz — trotzdem wird ihm hier ein Eigenwert zugesprochen. Das ist biozentrisch, wie Albert Schweitzers „Ehrfurcht vor dem Leben".
Ein Dokumentarfilm über Massentierhaltung zeigt ein einzelnes Ferkel in Großaufnahme, dazu leise, traurige Klaviermusik. Welches Mittel soll hier vor allem Gefühle auslösen?
â—Ź die GroĂźaufnahme eines einzelnen Tieres mit trauriger Musik
â—‹ die eingeblendete Zahl der Schweine in Deutschland
â—‹ die Angabe, in welchem Bundesland gedreht wurde
Ein einzelnes Gesicht und Musik wecken Mitgefühl stärker als Zahlen. Das macht den Film nicht falsch — aber man sollte merken, wie er wirkt.
Welcher Ansatz steckt in dieser Begründung? „Man darf Hunde nicht quälen, weil Menschen, die Tiere quälen, auch gegenüber Menschen hart werden."
â—Ź anthropozentrisch
â—‹ pathozentrisch
â—‹ biozentrisch
Es geht um Hunde, aber der Grund ist die Wirkung auf Menschen — so argumentierte schon Kant. Pathozentrisch wäre der Grund, dass der Hund selbst leidet.
Auf welches Kriterium stützt dieser Satz den moralischen Status? „Rechte hat nur, wer über sein eigenes Handeln nachdenken kann."
â—Ź Vernunft
○ Empfindungsfähigkeit
â—‹ Sprache
Über das eigene Handeln nachdenken heißt vernunftbegabt sein. Nach diesem Kriterium fielen die meisten Tiere heraus, nach Empfindungsfähigkeit nicht.
Welcher Satz gewichtet gleiches Leiden je nach Tierart verschieden — ist also im Sinne Singers speziesistisch?
● „Einen Hund darf man nicht quälen, ein Schwein im Stall schon, weil es ein Nutztier ist."
○ „Ein Schwein kann ungefähr so stark leiden wie ein Hund."
○ „Ein Hund lebt meistens im Haus, ein Schwein meistens im Stall."
Speziesismus nennt Singer, gleiches Leiden nur wegen der Art verschieden zu behandeln. Ob dieser Vorwurf trifft, ist umstritten — erkennen kann man das Muster trotzdem.
„Aus dem Wald darf jedes Jahr nur so viel Holz geschlagen werden, wie nachwächst." Welche Säule der Nachhaltigkeit spricht diese Regel an?
● die ökologische
â—‹ die soziale
○ die ökonomische
Die Regel schĂĽtzt den Bestand des Waldes selbst. Der Begriff Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft; heute kommen soziale und wirtschaftliche Ziele dazu.
â—Ź einen Flug nach Mallorca durch eine Bahnreise an die Ostsee ersetzen
â—‹ das Handy jeden Abend eine Stunde frĂĽher ausschalten
â—‹ eine ZahnbĂĽrste aus Bambus statt aus Plastik kaufen
Ein Hin- und Rückflug verursacht mehrere Hundert Kilogramm CO₂ — mehr als die beiden anderen Handlungen in vielen Jahren. Gefühlt große Gesten sind nicht immer die wirksamsten.
Haben Tiere einen eigenen moralischen Wert, oder zählen sie nur, soweit sie Menschen nützen? Stelle beide Sichtweisen mit je einem Grund dar, nenne das Kriterium, an dem du den Wert festmachst, und begründe, welche Sichtweise dich mehr überzeugt.
✓ Antwort: Anthropozentrisch: Tiere zählen, weil Menschen sie brauchen oder sie lieben. Pathozentrisch: Tiere können leiden und haben Interessen, also zählen sie um ihrer selbst willen. Mich überzeugt das Empfindungsfähigkeits-Kriterium mehr, weil Leiden auch dann schlimm ist, wenn kein Mensch davon weiß — aber die Grenze ist schwer zu ziehen, etwa bei Insekten.
Der Schülerrat schlägt vor, dass es in der Schulmensa nur noch an zwei Tagen pro Woche Fleisch gibt. Untersuche den Fall: Wer ist von der Entscheidung betroffen, welche Gründe sprechen dafür und dagegen, und wie würdest du entscheiden?
✓ Antwort: Betroffen sind die Schülerinnen und Schüler, die Küche, die Bauern, die liefern, und die Tiere. Dafür spricht, dass weniger Tiere in Massentierhaltung leben müssten und weniger CO₂ entsteht. Dagegen spricht, dass manche gern Fleisch essen und sich bevormundet fühlen, und dass die Küche umplanen muss. Ich wäre für drei Fleischtage als Kompromiss, damit es nicht wie ein Verbot wirkt.