Wie weit Mitbestimmung reicht

How Far Codetermination Reaches

Das Fido-Curriculum Klasse 1
Fido MetaCurriculum Structure

Mitbestimmung an Fido ist viel und echt, aber bewusst diesseits der Selbstverwaltung – beide Ränder, Beteiligungs-Theater und Voll-Selbstregierung, sind Fehlformen. Sortiert nach den Regelklassen: das Fundament steht nie auf dem Stimmzettel, Klasse-B-Regeln werden gemeinsam entschieden, der Kinder-Bereich wird verteidigt. Fünf feste Orte tragen sie – vom Stammgruppenrat bis zum Schulrat mit der Regel Ja-oder-öffentlich-begründen. Mit den Jahren wächst der Spielraum von der Grundstufe zur Oberstufe.

Wer macht die Regeln? Die Debatte hat zwei Ränder, und an beiden steht ein Fehler. Am einen Rand steht das Beteiligungs-Theater: ein Schülerparlament ohne Budget, ein Briefkasten, den nie jemand leert, eine Anhörung nach der Entscheidung. Kinder durchschauen das. Es lehrt sie Zynismus gegenüber Beteiligung gründlicher, als gar keine Beteiligung es könnte. Am anderen Rand steht die volle Selbstverwaltung der demokratischen Schulen: ein Kind, eine Stimme, auch über das Ob des Lernens. Vor dieser Konsequenz im Denken hat Fido Respekt, aber eine Schule, die jedem Kind ein Fundament garantiert, kann das Fundament nicht zur Abstimmung stellen.

Fido steht dazwischen: viel echte Mitbestimmung, bewusst unterhalb der vollen Selbstverwaltung, sortiert nach den drei Regel-Klassen. Ăśber Klasse A wird nicht abgestimmt, in keinem Alter. Offen sind die GrĂĽnde, nicht die Regel. Klasse B umfasst den Zuschnitt des Stundenplans, die Campus-Regeln und das Werkstatt-Angebot. Sie wird geteilt entschieden: Erwachsene sichern Rahmen und Fundament, Kinder entscheiden substanziell mit, mit wachsendem Gewicht.

Klasse C ist Selbstverwaltung im Kleinen. Was den Kindern gehört, gehört ihnen ganz, und Fido verteidigt das ausdrücklich gegen stilles Hineinregieren der Erwachsenen. Will eine Erwachsene dort eine Entscheidung der Kinder aufheben, muss sie es offen und mit Begründung tun.

Damit das nicht bei schönen Worten bleibt, hat die Mitbestimmung feste Orte:

FĂĽnf feste Orte der Mitbestimmung, vom kleinsten Kreis bis zum Schulrat.

Das meiste davon geschieht nicht in der großen Versammlung, sondern im kleinsten Kreis. Im Stammgruppenrat übt jedes Kind, auch das leiseste, regelmäßig das Entscheiden über Dinge, die der Gruppe gehören: den gemeinsamen Raum, die freie Zeit, die kleinen Konflikte der Woche. Kleiner Umfang, ernster Einsatz, hohe Frequenz. Die auffälligste Regel gilt oben. Der Schulrat aus gewählten Oberstufen-Schüler:innen und wechselnden Vertreter:innen der Mittelstufe empfiehlt der Schulleitung Änderungen an Klasse-B-Regeln. Die Leitung sagt Ja oder begründet öffentlich, warum nicht, und kein Vorschlag versandet unbeantwortet. Das Verhältnis von Ja zu begründetem Nein ist über ein Halbjahr gerechnet selbst ein Gradmesser für die Gesundheit der Schule.

Zwei Dynamiken werden dabei bewusst gebändigt. In jeder offenen Runde dominieren die Ältesten und Redegewandtesten. Gegen diese Macht der Wortgewandten setzt Fido auf den kleinen, häufigen Rat statt auf die große Versammlung, auf strukturierte Reihum-Beiträge und schriftliche Eingaben und auf Rollen und Rotation statt reiner Abstimmungen. Über den Garten stimmt man nicht ab, man führt ihn. Gegen die Grausamkeit der Momentmehrheit (sechzig Prozent können gegen vierzig beschließen, dass „keiner mit X spielt“) steht Klasse A als Grenze, die keine Mehrheit verschieben kann. Zuhören, den eigenen Einwand zurückstellen und eine Abstimmung akzeptieren, die gegen einen ausgeht: Das lernt man nur, indem man es tut.

Der Umfang wächst mit den Jahren. In der Grundschule ist Mitbestimmung klein, konkret und unmittelbar: wie wir aufräumen, wer zuerst darf. In der Mittelstufe bekommt Verhandeln Gewicht. Wer ein gutes Argument vor das richtige Gremium bringt, kann eine Campus-Regel ändern, und gewählte Kinder wirken an der jährlichen Codex-Überarbeitung mit. In der Oberstufe schreiben Schüler:innen die Klasse-B-Regeln substanziell mit und führen ganze Teile der Schule.

Mit einer kleinen ersten Gruppe fällt all das anfangs kleiner aus. Den Schulrat bilden Mittel- und Oberstufe; solange es sie an Fido noch nicht gibt, tragen Stammgruppenrat, Klärungskreis und Freitagsversammlung die Mitbestimmung. Fido füllt die Lücke nicht mit Theater. Ob diese Ordnung trägt, muss sich im Alltag mit Kindern zeigen. Woran Fido erkennt, ob ein Kind vorankommt, zeigt der nächste Artikel: Woran wir Fortschritt erkennen.

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