Nachlauf und Selbststabilität
Trail and Self-Stability
Das Kind beurteilt Versuche mit Rädern und Rollen: Die schräge Lenkachse trifft den Boden vor dem Reifenaufstandspunkt (Nachlauf), so wie bei der Einkaufswagenrolle — darum lenkt die Front beim Neigen von selbst in den Fall, und ein angeschobenes Rad ohne Fahrer fängt in einem mittleren Tempobereich (beim Messrad etwa 4,3–6,0 m/s) kleine Kipper selbst ab. Es widerlegt den Mythos „der Kreiseleffekt hält das Rad oben“: Jones (1970) fuhr ein Rad mit aufgehobenem Kreiseleffekt, und Kooijman u. a. (2011) bauten ein selbststabiles Rad ganz ohne Kreiseleffekt und Nachlauf (Meijaard u. a. 2007). Erklärt freihändiges Fahren und bereitet Kräfte und Gleichgewicht in Physik vor.
Schiebe ein Fahrrad zügig an und lass es allein losrollen: Es fährt ein erstaunliches Stück, fängt kleine Kipper selbst ab und fällt erst, wenn es langsam wird. Das Rad beherrscht den Trick aus den letzten Abschnitten — lenken ins Kippen — ohne Fahrer. Wie?
Der sichtbarste Helfer steckt in der Lenkgeometrie. Die Lenkachse
zeigt schräg nach vorn-unten und trifft den Boden ein Stück
vor dem Punkt, an dem der Reifen aufliegt. Dieses StĂĽck heiĂźt
Daneben wirken die drehenden Laufräder als kleine Kreisel, die Richtungsänderungen sanft dämpfen. Die berühmte Erklärung „das Rad bleibt durch den Kreiseleffekt oben" ist trotzdem falsch — als Alleinursache. Der Physiker David Jones baute 1970 ein Fahrrad mit einem gegenläufigen Zusatzrad, das den Kreiseleffekt aufhob: Es ließ sich problemlos fahren. 2011 zeigte ein Team um Andy Ruina und Arend Schwab in Science ein kufenartiges Versuchsrad ohne Kreiseleffekt und ohne Nachlauf, das trotzdem von selbst stabil fährt. Gemeinsam ist allen stabilen Bauformen nur eins: Kippt das Rad, lenkt die Front von selbst in den Fall.
Dieselbe Forschung hat das Verhalten vermessen: Das Standard-Messrad von Meijaard, Papadopoulos, Ruina und Schwab (2007) stabilisiert sich selbst etwa zwischen 4,3 und 6,0 m/s — und genau das erlebt das übende Kind. Ab flottem Tempo arbeitet das Rad mit ihm: Tempo plus Nachlauf fangen die kleinen Kipper ab, und nur die großen bleiben für den jungen Fahrer übrig.
Voraussetzungen (1)
Welche Rolle läuft nach demselben Prinzip wie der Nachlauf am Fahrrad?
Ein Forscher baut ein Fahrrad, bei dem ein gegenläufiges Zusatzrad den Kreiseleffekt aufhebt (Jones 1970). Was passiert beim Fahren?
Man schubst ein Fahrrad ohne Fahrer kräftig an. Was passiert meist?
Ein fĂĽhrerloses Rad, das immer langsamer rollt, bleibt bis zum Stillstand von selbst stabil.
Du schiebst dein Rad am Sattel und neigst es leicht nach rechts. Was macht der Lenker?
Lisa fährt freihändig und neigt die Hüfte leicht nach links. Ihr Rad fährt daraufhin eine Linkskurve.
Ein Bastler dreht die Vordergabel um 180°, sodass der Nachlauf negativ wird. Wie fährt sich das Rad?
Einen Einkaufswagen schiebt man mit den drehbaren Rollen voraus. Was tun die Rollen beim Losschieben?
Ein Messrad wird ohne Fahrer mit etwa 5 m/s angeschoben. Es fängt kleine Kipper von selbst ab.
Ein Versuchsrad hat so leichte Räder, dass sie fast keinen Kreiseleffekt erzeugen. Es kann trotzdem von selbst stabil rollen.
Ein führerloses Rad rollt zügig geradeaus. Jemand stößt das Vorderrad kurz zur Seite an. Was passiert meist?
Zwei Räder sind gleich, nur hat Rad A 6 cm Nachlauf und Rad B gar keinen. Welches lenkt beim Neigen stärker von selbst in den Fall?