Public History und Erinnerungspolitik

Public History and Politics of Memory

Geschichte Klasse 12 8 Aufgaben
Public HistoryGeschichtskulturErinnerungspolitikInstrumentalisierungQuellenkritikAbiturKerncurriculum

Public History fragt, wie Geschichte außerhalb der Wissenschaft öffentlich genutzt wird — in Gedenktagen, Denkmälern, Museen, Filmen und Politik. Diese Geschichtskultur ist nie neutral: Wer an etwas erinnert, trifft eine Auswahl und verfolgt oft ein Interesse. Sie zu dekonstruieren heißt, die Instrumentalisierung von Vergangenheit für gegenwärtige Zwecke sichtbar zu machen. Das Werkzeug dafür ist eine vertiefte Quellenkritik, die auch Denkmäler und Filme als Quellen liest.

Mittel
Multiple Choice #1 30s â–¶ Testen

Was bezeichnet der Begriff "Public History"?

  • â—‹ Geschichtsunterricht an öffentlichen Schulen
  • â—Ź Die Darstellung, Vermittlung und Nutzung von Geschichte in der Ă–ffentlichkeit — in Museen, Gedenkstätten, Medien, Politik und Tourismus
  • â—‹ Nur die akademische Forschung an Universitäten
  • â—‹ Die Geschichte öffentlicher Gebäude
Public History fragt, wie Geschichte außerhalb der Wissenschaft präsent ist und wirkt: Welche Vergangenheit wird gezeigt, von wem, mit welchem Ziel? Sie macht Geschichtskultur selbst zum Untersuchungsgegenstand.
Wahr / Falsch #2 20s â–¶ Testen

Geschichte kann politisch instrumentalisiert werden, indem sie selektiv erzählt wird, um eine Gruppe zu legitimieren oder eine andere abzuwerten.

âś“ Wahr
Richtig. Erinnerungspolitik wählt aus, betont und verschweigt. Staaten und Bewegungen nutzen Gedenktage, Mythen und Denkmäler, um Identität und Anspruch zu begründen. Diese Instrumentalisierung zu erkennen ist Kern der Public-History-Kompetenz.
Multiple Choice #3 30s â–¶ Testen

Was ist mit "Instrumentalisierung von Geschichte" gemeint?

  • â—‹ Geschichte mit historischen Instrumenten zu erforschen
  • â—Ź Vergangenheit gezielt und einseitig zu benutzen, um gegenwärtige politische Ziele zu rechtfertigen
  • â—‹ Geschichte in Museen auszustellen
  • â—‹ Quellen zu digitalisieren
Instrumentalisierung heiĂźt: Die Vergangenheit wird zum Werkzeug der Gegenwart. Beispiele sind nationale GrĂĽndungsmythen, das Berufen auf "1000 Jahre Tradition" oder das Umdeuten von Niederlagen zu Heldenopfern.
LĂĽckentext #4 20s â–¶ Testen

Die Gesamtheit der Formen, in denen eine Gesellschaft sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt — Denkmäler, Gedenktage, Filme, Museen —, nennt man ___-kultur.

âś“ Antwort: Geschichts
Geschichtskultur umfasst alle öffentlichen Umgangsweisen mit Geschichte. Public History analysiert sie und unterscheidet zwischen wissenschaftlicher Rekonstruktion und gesellschaftlicher Aneignung der Vergangenheit.
Multiple Choice #5 15s â–¶ Testen

Ein Social-Media-Post zeigt ein Foto mit der Unterschrift „Berlin, Mai 1945“. Welcher Befund zeigt, dass diese Angabe falsch ist?

  • â—‹ Das Foto ist schwarz-weiĂź und stark körnig
  • â—Ź Im Hintergrund parkt ein VW Golf (erst ab 1974)
  • â—‹ Das Foto wurde schon 50 000-mal geteilt
Ein Auto, das es erst seit 1974 gibt, kann auf einem Foto von 1945 nicht vorkommen – ein solcher Anachronismus entlarvt die Bildunterschrift. Schwarz-Weiß und Körnigkeit lassen sich leicht nachahmen, und viele Shares sagen nichts über die Echtheit. Wer Geschichtsbilder in Medien, Werbung und Politik prüfen kann, durchschaut, wann Vergangenheit falsch oder gezielt benutzt wird.
Schwer
Multiple Choice #1 35s â–¶ Testen

Ein Denkmal stellt eine historische Figur heldenhaft dar. Als Quelle betrachtet, worĂĽber gibt es am sichersten Auskunft?

  • â—‹ Ăśber die objektive Bedeutung der Figur
  • â—Ź Ăśber die Werte und Absichten derjenigen, die das Denkmal errichtet haben, und ihrer Zeit
  • â—‹ Ăśber das tatsächliche Aussehen der Figur
  • â—‹ Ăśber nichts, Denkmäler sind keine Quellen
Ein Denkmal ist eine Quelle für die Erinnerungspolitik seiner Entstehungszeit, nicht ein neutrales Abbild des Dargestellten. Erinnerung ≠ Ereignis: Wer wann wen ehrt, verrät die Werte der Errichter.
Multiple Choice #2 35s â–¶ Testen

Ein Historienfilm zeigt das Mittelalter dramatisch und detailreich. Welche quellenkritische Haltung ist angemessen?

  • â—‹ Der Film ist eine zuverlässige Quelle, weil er detailreich ist
  • â—Ź Der Film ist eine Quelle fĂĽr die Geschichtskultur der Gegenwart und muss gegen die historischen Quellen geprĂĽft werden
  • â—‹ Filme sind fĂĽr die Geschichtswissenschaft irrelevant
  • â—‹ Detailreichtum garantiert historische Genauigkeit
Ein Film erzählt mehr über die Gegenwart, die ihn produziert, als über die dargestellte Epoche. Public History prüft solche Darstellungen gegen die Überlieferung und fragt nach Auslassungen, Anachronismen und Wirkungsabsicht.
Wahr / Falsch #3 25s â–¶ Testen

Weil zwei Länder dasselbe Ereignis unterschiedlich erinnern, ist eines der beiden Geschichtsbilder automatisch "richtig" und das andere "falsch".

âś“ Falsch
Falsch. Erinnerung ist immer perspektivisch und gegenwartsgeprägt. Statt vorschnell zu werten, fragt Public History, warum jede Seite so erinnert — welche Funktion die jeweilige Erzählung erfüllt — und prüft beide an den Quellen.