Verfasser und Absicht — eine Quelle befragen
Author and intent — interrogating a source
Die Sourcing-Heuristik der Historiker (Wineburg 1991/2001), als Handwerkszeug eingeübt: Vor dem Lesen einer Quelle erst fragen, wer sie verfasst hat, wann, für wen und mit welcher Absicht. Jede Quelle ist standortgebunden — ein Siegerbericht, eine Klosterchronik und ein Kaufmannsbrief erzählen dasselbe Ereignis verschieden, ohne dass einer „lügen" muss. Das räumt mit der Vorstellung auf, was in einer alten Quelle stehe, sei automatisch wahr (oder automatisch falsch), und bereitet Propaganda-Analyse und den Vergleich mehrerer Quellen vor (FUER-Modell: Methodenkompetenz, De-Konstruktion).
Voraussetzungen (1)
Ermöglicht (2)
Du bekommst eine mittelalterliche Urkunde vorgelegt. Was fragt ein Historiker als Erstes?
Was ein Augenzeuge berichtet, ist immer zuverlässig — er war ja dabei.
Zwei Quellen können dasselbe Ereignis verschieden schildern, ohne dass eine davon lügt.
Welche Frage gehört NICHT zu den Sourcing-Fragen an eine Quelle?
Wer könnte über denselben Bauernaufstand am günstigsten für die Bauern berichten?
Die Frage „Wem nützt diese Darstellung?" hilft, die Absicht einer Quelle zu erkennen.
Über eine Schlacht im Jahr 955 gibt es zwei Berichte: A schrieb ein Mönch 15 Jahre danach, B ein Chronist 300 Jahre später. Wer konnte noch mit Augenzeugen sprechen?
Ein Feldherr beschreibt in seinem Bericht die eigene Schlacht als glänzenden Sieg. Was folgt daraus für die Quelle?
Eine Klosterchronik lobt den Stifter des Klosters in höchsten Tönen. Welche Absicht steckt am ehesten dahinter?
Jede Quelle zeigt das Geschehen aus der Sicht ihres Verfassers — sie ist ___gebunden.
Ein Flugblatt aus der Reformationszeit verspottet den Papst mit einer Karikatur. Wozu wurde es am ehesten gedruckt?
Wenn eine Quelle sehr alt ist, ist sie automatisch glaubwĂĽrdiger als eine jĂĽngere Quelle.
Ein Grabstein rühmt einen Kaufmann als „großzügigsten Bürger der Stadt". Was kannst du daraus sicher schließen?