Die Erlanger Neustadt mit ihren schnurgeraden Straßen wurde 1686 für französische Glaubensflüchtlinge gebaut — Migration ist in Bayern so alt wie die Neuzeit. Das Kind ordnet Wanderungen nach Motiv und Form (Glaubensflucht, Arbeitsmigration, Gewaltmigration, Flucht und Vertreibung, Anwerbung), wertet Briefe, Anwerbeverträge und Statistiken quellenkritisch aus und prüft an Vertriebenenstädten wie Waldkraiburg, unter welchen Bedingungen Integration gelingt. Es baut das Bild „Migration ist neu“ ab und verbindet Geschichte mit Humangeographie (Push/Pull) und PuG (Teilhabe).
Aufgaben (12) Details
Die „Gastarbeiter“ sollten nach dem Plan der Politik nur vorübergehend bleiben — viele blieben dauerhaft.
âś“ Wahr
Das Wort „Gast“ verrät den Plan. Familien zogen nach, Kinder wuchsen hier auf — der Plan und die Wirklichkeit gingen auseinander.
Welche Gruppe kam vor allem zwischen 1945 und 1950 nach Bayern?
● Heimatvertriebene aus Schlesien und dem Sudetenland○ Angeworbene Arbeitskräfte aus der Türkei○ Hugenotten aus Frankreich Fast zwei Millionen Menschen — rund jeder fünfte Einwohner Bayerns um 1950.
Migration ist eine Erscheinung erst des 20. Jahrhunderts.
âś“ Falsch
Menschen wandern, seit es Menschen gibt — in Bayern belegt seit Römern, Hugenotten und Exulanten.
Ein polnischer Jugendlicher wird 1942 nach Bayern verschleppt und muss auf einem Bauernhof arbeiten. Zu welcher Gruppe gehört er?
● Zwangsarbeiter○ Gastarbeiter○ Spätaussiedler Im NS-Staat wurden Millionen Menschen aus besetzten Ländern zur Arbeit gezwungen — Gewaltmigration, keine freie Entscheidung.
Die Hugenotten flohen nach 1685 aus ___.
âś“ Antwort: Frankreich
Ludwig XIV. hob ihre Glaubensfreiheit auf — Bayreuth, Erlangen und Preußen gewannen Fachleute.
1686 entsteht in Erlangen eine Neustadt fĂĽr GlaubensflĂĽchtlinge aus Frankreich. Wer sind sie?
● Hugenotten○ Salzburger Exulanten○ Heimatvertriebene Nach dem Edikt von Fontainebleau (1685) flohen französische Protestanten. Der Markgraf von Brandenburg-Bayreuth nahm sie auf — als willkommene Handwerker.
Die Salzburger Exulanten mussten 1731/32 ihre Heimat verlassen, weil sie evangelisch waren.
âś“ Wahr
Der Salzburger Erzbischof wies rund 20 000 Protestanten aus. Viele zogen durch fränkische und schwäbische Städte bis nach Ostpreußen.
Ein Bauer aus Unterfranken wandert 1850 nach Amerika aus, weil Missernten ihn ruinieren und Land dort billig ist. Welche Form von Migration ist das?
â—Ź Wirtschaftlich motivierte Auswanderungâ—‹ Glaubensfluchtâ—‹ Gewaltmigration Not zu Hause (Push) und Chancen in der Ferne (Pull) wirken zusammen. Niemand zwingt ihn mit Gewalt, und es geht nicht um seinen Glauben.
Mit welchem Land schloss die Bundesrepublik 1955 das erste Anwerbeabkommen?
● Italien○ Türkei○ Griechenland Es folgten Spanien und Griechenland (1960), die Türkei (1961) und weitere Länder bis zum Anwerbestopp 1973.
Eine Auswanderin schreibt 1868 aus Ohio, wie gut es ihr geht. Was muss man bei der Auswertung bedenken?
● Briefe nach Hause beschönigen oft, etwa um Verwandte nachzuholen○ Der Brief ist objektiv, weil er aus der Zeit stammt○ Briefe einfacher Leute sind keine Quellen Jede Quelle hat eine Absicht. Wer schrieb an wen, wozu? Erst diese Fragen machen aus dem Brief ein Indiz.
Welche Gruppe kam ab den späten 1980er-Jahren aus Osteuropa und hatte deutsche Vorfahren?
● Spätaussiedler○ Jüdische Kontingentflüchtlinge○ Hugenotten Kontingentflüchtlinge kamen ab 1991 ebenfalls aus der früheren Sowjetunion — aber als Juden, nicht über deutsche Abstammung.
Welcher Befund spricht am stärksten dafür, dass die Integration der Vertriebenen in Bayern gelang?
● In Waldkraiburg und Geretsried gründen Vertriebene Betriebe und neue Städte○ 1950 leben noch viele Vertriebene in Lagern○ Die Zahl der Vertriebenen ist sehr hoch Integration zeigt sich an Teilhabe — Arbeit, Wohnen, Mitgestalten. Eine hohe Zahl allein sagt darüber nichts.