KomplexitÀt und praktische Grenzen

Complexity and Practical Limits

Informatik Klasse 12 14 Aufgaben
InformatikKomplexitÀtWirkungsgradKerncurriculum

Manche Probleme sind lösbar, aber ihre besten bekannten Algorithmen wachsen exponentiell: Pro zusĂ€tzlichem Element verdoppelt sich die Arbeit (2ⁿ), und keine denkbare Hardware holt das ein — nachrechenbar an Rundreise- und Passwortbeispielen. Effizient lösbar (polynomiell, Klasse P) ist zu unterscheiden von „Lösung schnell prĂŒfbar" (Klasse NP); ob beide zusammenfallen, ist die offene P-NP-Frage. Die produktive Wendung: Moderne VerschlĂŒsselung funktioniert gerade deshalb, weil bestimmte Probleme praktisch unlösbar sind, und Heuristiken liefern gute statt perfekter Lösungen.

Leicht
Multiple Choice #1 18s ▶ Testen

Ein Algorithmus hat die Laufzeit O(2ⁿ). Was passiert mit der Rechenzeit, wenn die Eingabe um EIN Element wÀchst?

  • ● Sie verdoppelt sich ungefĂ€hr
  • ○ Sie wĂ€chst um einen festen Betrag
  • ○ Sie bleibt fast gleich
Exponentiell heißt multiplikativ — jedes weitere Element verdoppelt die Arbeit. Von n = 50 auf n = 60 wĂ€chst die Zeit um den Faktor 2Âč⁰ ≈ 1000.
Wahr / Falsch #2 18s ▶ Testen

Ein tausendmal schnellerer Computer macht einen exponentiellen Algorithmus fĂŒr deutlich grĂ¶ĂŸere Eingaben praktikabel.

✓ Falsch
Falsch — Faktor 1000 ≈ 2Âč⁰ schafft bei O(2ⁿ) nur etwa zehn zusĂ€tzliche Elemente. Gegen exponentielles Wachstum hilft bessere Hardware fast nichts; es braucht bessere Algorithmen oder Abstriche.
LĂŒckentext #3 20s ▶ Testen

Ein Passwort aus Kleinbuchstaben wird um EIN Zeichen verlÀngert. Um welchen Faktor wÀchst die Anzahl der Möglichkeiten beim Durchprobieren? (Alphabet: 26 Buchstaben)

✓ Antwort: 26
Jede zusĂ€tzliche Stelle multipliziert die Möglichkeiten mit 26 — deshalb macht LĂ€nge Passwörter so viel stĂ€rker als Sonderzeichen allein.
Multiple Choice #4 20s ▶ Testen

Das Rundreiseproblem (kĂŒrzeste Tour durch n StĂ€dte) per Durchprobieren aller Reihenfolgen: Warum scheitert das schon bei wenigen Dutzend StĂ€dten?

  • ● Die Anzahl der Touren wĂ€chst schneller als exponentiell — schon 25 StĂ€dte ergeben mehr Touren, als ein Rechner in Jahrmillionen prĂŒfen kann
  • ○ Die Entfernungen lassen sich nicht genau genug messen
  • ○ Computer können keine Landkarten verarbeiten
Die Tourenzahl wĂ€chst fakultĂ€tsartig: bei n StĂ€dten (n − 1)!/2 Touren. 25 StĂ€dte ergeben 24!/2 ≈ 3 · 10ÂČÂł Touren — bei einer Milliarde Touren pro Sekunde rund 10 Millionen Jahre. (Bei 20 StĂ€dten wĂ€ren es noch knapp 2 Jahre.) Das Problem ist lösbar, aber das vollstĂ€ndige Durchprobieren ist praktisch aussichtslos.
Multiple Choice #5 20s ▶ Testen

Ein SchlĂŒssel hat 128 Bit. Ein Angreifer probiert pro Sekunde 10ÂčÂČ SchlĂŒssel. Wie lange braucht er, um alle durchzuprobieren?

  • ○ Etwa 128 Sekunden
  • ● Etwa 10Âčâč Jahre
  • ○ Etwa ein Jahr
128 Bit ergeben 2ÂčÂČ⁞ ≈ 3,4 · 10³⁞ SchlĂŒssel. Bei 10ÂčÂČ pro Sekunde sind das ≈ 3,4 · 10ÂČ⁶ Sekunden, also rund 10Âčâč Jahre — weit mehr als das Alter des Universums. Darauf ruht die Sicherheit: Mit SchlĂŒssel ist die Rechnung leicht, ohne SchlĂŒssel kennt man nur Verfahren, deren Aufwand mit der SchlĂŒssellĂ€nge explodiert. Bewiesen ist diese Schwere nicht — die praktische Grenze wird zum Schutzschild.
Wahr / Falsch #6 15s ▶ Testen

Ein praktisch unlösbares Problem ist dasselbe wie ein prinzipiell unentscheidbares Problem.

✓ Falsch
Falsch — praktisch unlösbar heißt „lösbar, aber untragbar langsam"; unentscheidbar heißt „durch kein Programm lösbar, egal wie langsam". Zwei verschiedene Grenzen.
Multiple Choice #7 20s ▶ Testen

Ein Paketdienst muss tĂ€glich eine gute Route durch 80 Orte finden — optimal ist praktisch unerreichbar. Was tun Informatiker in solchen FĂ€llen?

  • ● Heuristiken einsetzen, die schnell eine gute (nicht beweisbar beste) Route liefern
  • ○ Das Problem fĂŒr unlösbar erklĂ€ren und wĂŒrfeln
  • ○ Auf schnellere Computer warten
Der Standard-Umgang mit harten Problemen — NĂ€herungsverfahren und Faustregeln liefern in Sekunden Lösungen, die nah am Optimum liegen.
LĂŒckentext #8 12s ▶ Testen

Laufzeiten wie n oder nÂČ heißen polynomiell, Laufzeiten wie 2ⁿ heißen ___.

✓ Antwort: exponentiell
Die Trennlinie der KomplexitĂ€tstheorie — polynomiell gilt als effizient, exponentiell als praktisch unbrauchbar fĂŒr große Eingaben.
Mittel
Multiple Choice #1 20s ▶ Testen

Was zeichnet die Problemklasse P aus?

  • ● Probleme, die ein Algorithmus in polynomieller Zeit lösen kann — sie gelten als effizient lösbar
  • ○ Probleme, die nur Profis lösen können
  • ○ Probleme, die parallel gelöst werden mĂŒssen
Polynomiell (n, nÂČ, nÂł 
) wĂ€chst zahm genug, dass grĂ¶ĂŸere Eingaben beherrschbar bleiben — die praktische Trennlinie zu exponentiell.
Multiple Choice #2 25s ▶ Testen

Was zeichnet die Klasse NP anschaulich aus?

  • ● Eine vorgelegte Lösung lĂ€sst sich schnell PRÜFEN — auch wenn das FINDEN einer Lösung womöglich sehr lange dauert
  • ○ Diese Probleme kann kein Computer lösen
  • ○ Die Probleme brauchen keinen Speicher
Beispiel Rundreise: Ob eine vorgelegte Tour kĂŒrzer als 500 km ist, prĂŒft man im Nu — eine solche Tour zu FINDEN ist das Schwere. PrĂŒfen leicht, Finden schwer: das ist NP.
Wahr / Falsch #3 15s ▶ Testen

Die Frage, ob P = NP gilt — ob also jedes schnell prĂŒfbare Problem auch schnell lösbar ist — ist bis heute unbeantwortet.

✓ Wahr
Richtig — sie ist das berĂŒhmteste offene Problem der Informatik, mit einem Millionenpreis dotiert. Die meisten Fachleute vermuten P ≠ NP, bewiesen ist es nicht.
Multiple Choice #4 25s ▶ Testen

Ein Verfahren prĂŒft alle Teilmengen einer n-elementigen Menge. Wie viele sind das — und was folgt daraus?

  • ● 2ⁿ — schon bei n = 80 mehr FĂ€lle, als ein Rechner in Jahrtausenden durchprobieren kann
  • ○ nÂČ â€” das ist gut machbar
  • ○ n! geteilt durch 2 — also die HĂ€lfte aller FĂ€lle
Jedes Element ist drin oder draußen — 2ⁿ Kombinationen. 2⁞⁰ ≈ 1,2 · 10ÂČ⁎: selbst bei einer Billion FĂ€llen pro Sekunde rund 38 000 Jahre. (2⁶⁰ dagegen schafft so ein Rechner in knapp zwei Wochen.) VollstĂ€ndiges Durchsuchen von Teilmengen ist der Prototyp exponentieller Verfahren.
Wahr / Falsch #5 15s ▶ Testen

FĂŒr ein Problem in NP gilt: Wer eine Lösungsidee (ein „Zertifikat") vorgelegt bekommt, kann sie in polynomieller Zeit auf Richtigkeit prĂŒfen.

✓ Wahr
Richtig — genau das ist die Definition von NP ĂŒber das schnelle PrĂŒfen vorgelegter Lösungen.
Multiple Choice #6 25s ▶ Testen

Sudoku in RiesengrĂ¶ĂŸe gilt als hartes Problem: Lösungen sind schnell zu prĂŒfen, aber kein bekannter Algorithmus findet sie fĂŒr alle FĂ€lle schnell. Zu welcher Klasse gehört es damit sicher?

  • ● NP — ob es auch in P liegt, weiß niemand
  • ○ P — Sudokus stehen ja in Zeitungen
  • ○ Weder P noch NP
Schnelle PrĂŒfbarkeit sichert NP-Mitgliedschaft. Ob ein schneller Lösungsalgorithmus existiert, ist gerade die offene P-NP-Frage.