Die Kinder vergleichen die ältesten Bilder der Menschheit — Tiere an Höhlendecken wie in Lascaux (vor rund 17 000 Jahren) und Altamira — mit ägyptischen Grab- und Tempelbildern. Sie entdecken, dass die Ägypter jeden Körperteil von seiner kennzeichnendsten Seite zeigen: Kopf und Beine im Profil, Auge und Schultern von vorn (die „Aspektive" nach Brunner-Traut), wichtige Personen größer als Diener (Bedeutungsgröße). So wird die Fehlvorstellung „die konnten noch nicht richtig zeichnen" abgebaut: Die Bilder folgen festen Regeln, weil sie für die Ewigkeit eindeutig sein sollten. Der Vergleich bereitet die Bedeutungsperspektive der Romanik und die Zentralperspektive der Renaissance vor — zwei andere Antworten auf dieselbe Frage, wie man Welt auf eine Fläche bringt.
â—Ź Kopf im Profil, Auge von vorn, Schultern von vorn, Beine im Profil
â—‹ Kopf, Schultern und Beine alle im Profil, Auge im Profil
â—‹ Kopf, Schultern und Beine alle von vorn
Jeder Körperteil wird von der Seite gezeigt, an der man ihn am besten erkennt: das Auge von vorn, die Nase im Profil, die Schultern in voller Breite. Man nennt das Aspektive — eine Regel, kein Fehler.
Ein ägyptisches Wandbild zeigt einen Schreiber mit Auge von vorn und Gesicht im Profil. Der Maler konnte also noch nicht richtig zeichnen.
âś“ Falsch
Dieselben Werkstätten schufen Tierfiguren und Statuen von großer Naturtreue. Die Mischansicht ist Absicht: Das Bild sollte jeden Teil eindeutig und vollständig zeigen, weil es für das Leben nach dem Tod gedacht war.
Welches Motiv findet man an den Wänden von Lascaux am häufigsten?
â—Ź Pferde, Wisente und Hirsche
○ Häuser und Felder
○ Könige mit Kronen
Die Höhlenbilder zeigen vor allem große Tiere der Eiszeit. Menschen erscheinen selten, Häuser und Herrscher gar nicht — beides gab es in dieser Jäger-und-Sammler-Zeit noch nicht.
Woraus mischten die Höhlenmaler ihr Rot und Gelb?
â—Ź aus Ocker, also farbiger Erde
â—‹ aus Tubenfarbe
â—‹ aus Buntstiften
Rot und Gelb kamen aus eisenhaltiger Erde (Ocker), Schwarz aus Holzkohle oder Manganerz. Gemahlen und mit Wasser oder Fett vermischt, entstand Farbe, die 17 000 Jahre hält.
Ein ägyptischer Maler malt einen Teich mit Bäumen ringsum. Wie sieht das Bild aus?
● Der Teich von oben als Rechteck, die Bäume von der Seite, rundherum umgeklappt
○ Der Teich als schmales Oval, die hinteren Bäume kleiner
○ Nur die vorderen Bäume, der Teich ist verdeckt
Das berühmte Teichbild aus dem Grab des Nebamun zeigt genau das: Jeder Gegenstand in seiner klarsten Ansicht. Ein kleiner werdender Hintergrund (Perspektive) wäre für die Ägypter unklar gewesen.
In Altamira malten die KĂĽnstler einen Wisent genau ĂĽber eine Beule in der Felsdecke. Was erreichten sie damit?
● Der Bauch des Tieres wölbt sich wirklich nach vorn
â—‹ Die Farbe trocknet schneller
â—‹ Das Bild bleibt im Dunkeln unsichtbar
Die Maler nutzten Wölbungen des Felsens für den Körper der Tiere. Im flackernden Fackellicht scheinen sie sich zu bewegen — ein Zeichen für genaues Beobachten und Planen.