Die Energiebilanz des Herds
The Hob's Energy Balance
Die Wärme fließt vom Netz in das magnetische Wechselfeld der Spule, von dort über die Wirbelströme in die innere Energie des Topfbodens — die Kochplatte kommt in der Kette nicht vor und wird nur durch Rückstrahlung des heißen Topfbodens warm. Weil die Wärme direkt im Topf entsteht, entfallen die Verluste der glühenden Gussplatte und der vorbeiströmenden Gasflamme: Der Induktionsherd erreicht die höchste Effizienz der drei, heizt ohne Vorwärmzeit und entwickelt ohne Topf gar keine Wärme. Die Energieerhaltung schließt den Kreis zur Lenzschen Regel: Die elektrische Arbeit gegen die induzierten Gegenfelder ist genau die Energie, die im Boden ankommt.
Können & Üben
Induktions-Werkstatt — Spannung aus Bewegung
workshop90 min · once
physiksaal
Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten – Beobachten – Erklären in Kleingruppen, Rotation nach etwa 20 Minuten. Roter Faden: Wann entsteht Induktionsspannung — und wogegen wehrt sie sich? Station 1 — Bewegung im Feld (Leiterschaukel und bewegte Spule). Vermuten: Was erhöht den Spannungsausschlag — schneller ziehen, mehr Windungen, stärkerer Magnet? Beobachten: Messreihen wie im Skript — bei halber Geschwindigkeit halbiert sich U, doppelte Windungszahl n verdoppelt es, schwächeres B senkt es. Ruht der Leiter, ist U null. Erklären: Auf die mitbewegten Ladungen wirkt die Lorentzkraft; U hängt von B, wirksamer Länge bzw. Fläche und Geschwindigkeit ab. Modellgrenze: Die Schaukel misst Momentwerte nur grob — deshalb gleich Station 2. Station 2 — Feld ändern statt bewegen (Feldspule). Vermuten: Es bewegt sich nichts — kann trotzdem Spannung entstehen, wenn der Strom in der Feldspule hochgeregelt wird? Beobachten: Während der Strom sich ändert, zeigt die eingelegte Induktionsspule Spannung; sie ist umso größer, je schneller geregelt wird, und verschwindet bei konstantem Strom. Erklären: Beide Fälle fasst der magnetische Fluss Φ = B·A zusammen — induziert wird bei jeder Flussänderung, U = -n·dΦ/dt. Modellgrenze: Die Handregelung macht dΦ/dt nur näherungsweise konstant; das Interface zeigt den echten Verlauf. Station 3 — Lenz-Parcours. An drei Teilaufbauten wird jeweils erst laut vermutet, dann geprüft: (a) Thomson-Ring — der geschlossene Ring springt beim Einschalten vom Elektromagneten, der geschlitzte bleibt liegen; (b) der Magnet fällt durchs Kupferrohr in Zeitlupe, durchs Plastikrohr normal (Stoppuhr!); (c) das Waltenhofen-Pendel wird mit massiver Scheibe im Feld abgebremst, mit geschlitzter kaum. Erklären: Der Induktionsstrom ist stets so gerichtet, dass er seiner Ursache entgegenwirkt — sonst bräche die Energieerhaltung (ein sich selbst beschleunigender Magnet wäre ein Perpetuum mobile). Modellgrenze: "Widersetzen" heißt hemmen, nicht verhindern — der Magnet fällt ja weiter. Vorbereitung oder Nachbereitung: der Induktionsherd-Artikel in der App — dort erhitzen dieselben Wirbelströme den Topfboden. Station 4 — Selbstinduktion (Ein-/Ausschaltversuch mit Glimmlampe). Vermuten: Die Glimmlampe zündet erst ab etwa 160 V — kann sie in einem Stromkreis mit kleiner Batteriespannung überhaupt aufleuchten? Beobachten: Beim Einschalten leuchtet die Lampe hinter der Spule verzögert auf; beim Öffnen des Schalters blitzt die Glimmlampe hell auf. Erklären: Die Spule induziert sich selbst — beim Einschalten bremst die Gegenspannung den Stromanstieg, beim Abschalten treibt die schnelle Flussänderung die Spannung weit über die Quellspannung. Sicherheitshinweis: Vorsicht Spannungsspitze — Spulenkontakte beim Abschalten nicht berühren und Spulen nie abrupt von Hand trennen; starke Neodymmagnete von Elektronik und Karten fernhalten, Quetschgefahr. Abschluss in der Runde: Alle vier Stationen in einem Satz — induziert wird bei Flussänderung, die Richtung bestimmt Lenz, und eine Spule tut das auch mit sich selbst.
physik-experimente-lead
4–16
Ein Verdacht liegt nach drei Abschnitten noch immer in der Luft:
Irgendwie muss die Wärme doch „von unten nach oben" fließen — von der
Platte in den Topf, wie beim alten Herd. Die ehrliche Antwort der
Energiebilanz lautet: Nein. Verfolgen wir die
Station 1 → 2: Das Netz treibt den hochfrequenten
Strom durch die Spule; die elektrische Energie steckt nun im
magnetischen
Wie viel Energie ist das? Um 1 kg Wasser um 1 K zu erwärmen, braucht
man 4,19 kJ; für einen Liter von 20 auf 100 °C also
Für einen Liter zieht der Induktionsherd 394 kJ aus dem Netz; 335 kJ landen im Wasser, 59 kJ gehen verloren, und bei 3,0 kW dauert das 131 s — die gut zwei Minuten aus dem Einstieg. Die Glaskeramik braucht 447 kJ und verliert 112 kJ, fast doppelt so viel, und dazu kommt die Zeit, bis ihre Platte selbst heiß ist; der Gasherd bräuchte rund 1 050 kJ. Achte auf die gestrichelte Linie: Beide Säulen sind immer gleich hoch. Die Energie geht nicht verloren, sie landet nur an der falschen Stelle — in der Küchenluft, in der Platte, in den Abgasen. Gegenüber der Glaskeramik spart Induktion so rund ein Achtel des Stroms: spürbar, aber kein Wunder.
Die 59 kJ Verlust des Induktionsherds wärmen die Elektronik und die Spule selbst, die ebenfalls einen Widerstand hat (daher der Lüfter), und die Topfwand, die an die Luft abstrahlt. Ohne Topf entsteht dagegen gar keine Wärme: Wo kein Leiter ist, findet die Flussänderung keinen Abnehmer, wie beim Glastopf.
Damit ist der Herd erklärt — mit dem Induktionsgesetz, der Lenzschen Regel und der Energieerhaltung. Einige Zahlen dieses Artikels sind Modellwerte: die 10 mT im Boden, die Permeabilitätszahl 100 des Stahls, die runden Wirkungsgrade; Hystereseverluste im Stahl und die Elektronik des Herds haben wir weggelassen. Die Schlüsse hängen nicht an der dritten Stelle: Strom fließt nur im Leiter, das Feld bleibt in einer Haut von Zehntelmillimetern, Aluminium nimmt nur wenige Prozent der Leistung auf, und beide Seiten der Bilanz sind gleich groß. Dieselbe Rückwirkung des Magnetfelds auf seinen eigenen Stromkreis tritt auch ohne Topf auf — die Spule wirkt auf sich selbst zurück. Das ist die Selbstinduktion, das Thema des nächsten Kapitels.
Voraussetzungen (2)
Beim Induktionsherd fließt die Wärme von der Kochplatte in den Topf.
Welche Energiekette beschreibt den Induktionsherd korrekt?
Gleiche Töpfe mit je 1 L Wasser, gleiche elektrische Leistung aus dem Netz — einmal auf dem Induktionsherd, einmal auf einem Herd mit Gussplatte. Was beobachtest du?
Ein Blatt Papier liegt zwischen Kochfeld und Topf, das Wasser kocht. Warum verbrennt das Papier nicht?
Stelle in der Figur 1,0 L und „Induktion" ein. Wie viel Energie E zieht der Herd aus dem Netz (in kJ)?
Welchen Wirkungsgrad (in %) ergeben Messungen für Induktionsherde ungefähr?
Beim Bremsen mit der Wirbelstrombremse erwärmen sich die Schienen. Aus welcher Energieform stammt diese Wärme?
Ein Liter Wasser von 20 auf 100 °C braucht Q = 335 kJ. Wie viel Energie (in kJ) verbraucht ein Gasherd mit η = 32 % dafür?