Die Energiebilanz des Herds

The Hob's Energy Balance

Physik Klasse 12 8 Aufgaben
InduktionEnergieerhaltungEnergie

Die Wärme fließt vom Netz in das magnetische Wechselfeld der Spule, von dort über die Wirbelströme in die innere Energie des Topfbodens — die Kochplatte kommt in der Kette nicht vor und wird nur durch Rückstrahlung des heißen Topfbodens warm. Weil die Wärme direkt im Topf entsteht, entfallen die Verluste der glühenden Gussplatte und der vorbeiströmenden Gasflamme: Der Induktionsherd erreicht die höchste Effizienz der drei, heizt ohne Vorwärmzeit und entwickelt ohne Topf gar keine Wärme. Die Energieerhaltung schließt den Kreis zur Lenzschen Regel: Die elektrische Arbeit gegen die induzierten Gegenfelder ist genau die Energie, die im Boden ankommt.

Können & Üben

Induktions-Werkstatt — Spannung aus Bewegung

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90 min · once

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Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten – Beobachten – Erklären in Kleingruppen, Rotation nach etwa 20 Minuten. Roter Faden: Wann entsteht Induktionsspannung — und wogegen wehrt sie sich? Station 1 — Bewegung im Feld (Leiterschaukel und bewegte Spule). Vermuten: Was erhöht den Spannungsausschlag — schneller ziehen, mehr Windungen, stärkerer Magnet? Beobachten: Messreihen wie im Skript — bei halber Geschwindigkeit halbiert sich U, doppelte Windungszahl n verdoppelt es, schwächeres B senkt es. Ruht der Leiter, ist U null. Erklären: Auf die mitbewegten Ladungen wirkt die Lorentzkraft; U hängt von B, wirksamer Länge bzw. Fläche und Geschwindigkeit ab. Modellgrenze: Die Schaukel misst Momentwerte nur grob — deshalb gleich Station 2. Station 2 — Feld ändern statt bewegen (Feldspule). Vermuten: Es bewegt sich nichts — kann trotzdem Spannung entstehen, wenn der Strom in der Feldspule hochgeregelt wird? Beobachten: Während der Strom sich ändert, zeigt die eingelegte Induktionsspule Spannung; sie ist umso größer, je schneller geregelt wird, und verschwindet bei konstantem Strom. Erklären: Beide Fälle fasst der magnetische Fluss Φ = B·A zusammen — induziert wird bei jeder Flussänderung, U = -n·dΦ/dt. Modellgrenze: Die Handregelung macht dΦ/dt nur näherungsweise konstant; das Interface zeigt den echten Verlauf. Station 3 — Lenz-Parcours. An drei Teilaufbauten wird jeweils erst laut vermutet, dann geprüft: (a) Thomson-Ring — der geschlossene Ring springt beim Einschalten vom Elektromagneten, der geschlitzte bleibt liegen; (b) der Magnet fällt durchs Kupferrohr in Zeitlupe, durchs Plastikrohr normal (Stoppuhr!); (c) das Waltenhofen-Pendel wird mit massiver Scheibe im Feld abgebremst, mit geschlitzter kaum. Erklären: Der Induktionsstrom ist stets so gerichtet, dass er seiner Ursache entgegenwirkt — sonst bräche die Energieerhaltung (ein sich selbst beschleunigender Magnet wäre ein Perpetuum mobile). Modellgrenze: "Widersetzen" heißt hemmen, nicht verhindern — der Magnet fällt ja weiter. Vorbereitung oder Nachbereitung: der Induktionsherd-Artikel in der App — dort erhitzen dieselben Wirbelströme den Topfboden. Station 4 — Selbstinduktion (Ein-/Ausschaltversuch mit Glimmlampe). Vermuten: Die Glimmlampe zündet erst ab etwa 160 V — kann sie in einem Stromkreis mit kleiner Batteriespannung überhaupt aufleuchten? Beobachten: Beim Einschalten leuchtet die Lampe hinter der Spule verzögert auf; beim Öffnen des Schalters blitzt die Glimmlampe hell auf. Erklären: Die Spule induziert sich selbst — beim Einschalten bremst die Gegenspannung den Stromanstieg, beim Abschalten treibt die schnelle Flussänderung die Spannung weit über die Quellspannung. Sicherheitshinweis: Vorsicht Spannungsspitze — Spulenkontakte beim Abschalten nicht berühren und Spulen nie abrupt von Hand trennen; starke Neodymmagnete von Elektronik und Karten fernhalten, Quetschgefahr. Abschluss in der Runde: Alle vier Stationen in einem Satz — induziert wird bei Flussänderung, die Richtung bestimmt Lenz, und eine Spule tut das auch mit sich selbst.

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Ein Verdacht liegt nach drei Abschnitten noch immer in der Luft: Irgendwie muss die Wärme doch „von unten nach oben" fließen — von der Platte in den Topf, wie beim alten Herd. Die ehrliche Antwort der Energiebilanz lautet: Nein. Verfolgen wir die Energie Station für Station.

Der Energiefluss des Induktionsherds Stromnetz (elektrisch) Wechselfeld der Spule Wirbelströme im Topfboden innere Energie kleiner Rest: Rückstrahlung erwärmt die Platte
Die Energiekette des Induktionsherds. Die Platte ist keine Station — sie bekommt nur nachträglich einen kleinen Anteil ab, als Rückstrahlung des heißen Topfbodens.

Station 1 → 2: Das Netz treibt den hochfrequenten Strom durch die Spule; die elektrische Energie steckt nun im magnetischen Wechselfeld. Station 2 → 3: Die Flussänderung treibt die Wirbelströme in der Haut des Topfbodens. Hier steckt die Lenzsche Regel in der Bilanz: Die Gegenfelder der Wirbelströme wirken auf die Spule zurück, und genau die elektrische Arbeit, die das Netz gegen diese Rückwirkung verrichtet, wandert in den Boden — wie die Arbeit gegen die Kraft F am Metallring vor dem Magneten. Station 3 → 4: Der Widerstand des Stahls verwandelt die Wirbelströme in innere Energie — das Wasser kocht. Die warme Kochzone vom Anfang ist kein Glied der Kette, sondern ihr Nachzügler: Der heiße Topfboden gibt einen kleinen Teil seiner Wärme nach unten an das Glas ab.

Wie viel Energie ist das? Um 1 kg Wasser um 1 K zu erwärmen, braucht man 4,19 kJ; für einen Liter von 20 auf 100 °C also . Der Wirkungsgrad ist, wie bei jeder Maschine, Nutzen durch Aufwand: , mit der Energie aus dem Netz. Messungen für das US-Energieministerium und das ENERGY-STAR-Programm geben für Induktion rund 85 % an, für Glaskeramik- und Gussplatten 5 bis 10 Prozentpunkte weniger, für Gas rund 32 % — je nach Topf und Prüfverfahren streuen die Werte. Die Figur rechnet mit 85 % und 75 %.

Links die Energie E aus dem Netz, rechts dieselbe Energie aufgeteilt: unten Q im Wasser, oben der Verlust E − Q. Schalte zwischen Induktion und Glaskeramik um: Welche Säule ändert sich, welche nicht? Lies für einen Liter ab, wie lange es bei 3,0 kW bis zum Kochen dauert.

Für einen Liter zieht der Induktionsherd 394 kJ aus dem Netz; 335 kJ landen im Wasser, 59 kJ gehen verloren, und bei 3,0 kW dauert das 131 s — die gut zwei Minuten aus dem Einstieg. Die Glaskeramik braucht 447 kJ und verliert 112 kJ, fast doppelt so viel, und dazu kommt die Zeit, bis ihre Platte selbst heiß ist; der Gasherd bräuchte rund 1 050 kJ. Achte auf die gestrichelte Linie: Beide Säulen sind immer gleich hoch. Die Energie geht nicht verloren, sie landet nur an der falschen Stelle — in der Küchenluft, in der Platte, in den Abgasen. Gegenüber der Glaskeramik spart Induktion so rund ein Achtel des Stroms: spürbar, aber kein Wunder.

Die 59 kJ Verlust des Induktionsherds wärmen die Elektronik und die Spule selbst, die ebenfalls einen Widerstand hat (daher der Lüfter), und die Topfwand, die an die Luft abstrahlt. Ohne Topf entsteht dagegen gar keine Wärme: Wo kein Leiter ist, findet die Flussänderung keinen Abnehmer, wie beim Glastopf.

Damit ist der Herd erklärt — mit dem Induktionsgesetz, der Lenzschen Regel und der Energieerhaltung. Einige Zahlen dieses Artikels sind Modellwerte: die 10 mT im Boden, die Permeabilitätszahl 100 des Stahls, die runden Wirkungsgrade; Hystereseverluste im Stahl und die Elektronik des Herds haben wir weggelassen. Die Schlüsse hängen nicht an der dritten Stelle: Strom fließt nur im Leiter, das Feld bleibt in einer Haut von Zehntelmillimetern, Aluminium nimmt nur wenige Prozent der Leistung auf, und beide Seiten der Bilanz sind gleich groß. Dieselbe Rückwirkung des Magnetfelds auf seinen eigenen Stromkreis tritt auch ohne Topf auf — die Spule wirkt auf sich selbst zurück. Das ist die Selbstinduktion, das Thema des nächsten Kapitels.

Leicht
Wahr / Falsch #1 15s ▶ Testen

Beim Induktionsherd fließt die Wärme von der Kochplatte in den Topf.

✓ Falsch
Die Wärme entsteht durch Wirbelströme direkt im Topfboden. Wenn überhaupt, fließt sie andersherum — der heiße Topfboden erwärmt die Platte durch Rückstrahlung ein wenig. Die Platte ist kein Glied der Energiekette.
Multiple Choice #2 25s ▶ Testen

Welche Energiekette beschreibt den Induktionsherd korrekt?

  • ● Netz → Wechselfeld der Spule → Wirbelströme im Topfboden → innere Energie
  • ○ Netz → heiße Kochplatte → Wärmeleitung → Topf
  • ○ Netz → Lichtstrahlung der Spule → Absorption im Topf
  • ○ Netz → Magnetisierung des Topfes → Reibung der Elementarmagnete → Platte
Die elektrische Energie wird über das magnetische Wechselfeld an die Wirbelströme im Boden übertragen, deren Joulesche Wärme die innere Energie erhöht. Eine heiße Platte kommt in der Kette nicht vor.
Multiple Choice #3 20s ▶ Testen

Gleiche Töpfe mit je 1 L Wasser, gleiche elektrische Leistung aus dem Netz — einmal auf dem Induktionsherd, einmal auf einem Herd mit Gussplatte. Was beobachtest du?

  • ○ Beide Töpfe kochen gleichzeitig
  • ● Der Topf auf Induktion kocht zuerst
  • ○ Der Topf auf der Gussplatte kocht zuerst
Die Gussplatte muss selbst heiß werden, bevor sie den Topf heizt, und strahlt dabei viel Wärme an die Umgebung ab. Beim Induktionsherd entsteht die Wärme direkt im Topfboden — Platte und Umgebung werden nicht mitgeheizt. Deshalb die Energieersparnis und die kurze Vorwärmzeit.
Multiple Choice #4 25s ▶ Testen

Ein Blatt Papier liegt zwischen Kochfeld und Topf, das Wasser kocht. Warum verbrennt das Papier nicht?

  • ● Im nichtleitenden Papier entstehen keine Wirbelströme — es wird nur dort warm, wo der heiße Topfboden es berührt
  • ○ Das Papier reflektiert das Magnetfeld
  • ○ Das Glasfeld kühlt das Papier aktiv
  • ○ Der Topf schirmt die Hitze der Platte nach unten ab
Das Wechselfeld durchsetzt das Papier, kann darin aber keine Ströme treiben. Die einzige Wärmequelle in seiner Nähe ist der Topfboden selbst — dessen Kontaktwärme reicht nicht zum Entzünden.
Mittel
Zahleneingabe #1 25s ▶ Testen

Stelle in der Figur 1,0 L und „Induktion" ein. Wie viel Energie E zieht der Herd aus dem Netz (in kJ)?

✓ Antwort: 394
E = Q/η = 335 kJ / 0,85 ≈ 394 kJ. Davon landen 335 kJ im Wasser, 59 kJ gehen verloren — beide Säulen sind gleich hoch.
Zahleneingabe #2 15s ▶ Testen

Welchen Wirkungsgrad (in %) ergeben Messungen für Induktionsherde ungefähr?

✓ Antwort: 85
Rund 85 % (US-Energieministerium, ENERGY STAR); Glaskeramik- und Gussplatten liegen 5 bis 10 Prozentpunkte darunter, Gas bei rund 32 %.
Schwer
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Beim Bremsen mit der Wirbelstrombremse erwärmen sich die Schienen. Aus welcher Energieform stammt diese Wärme?

  • ● Aus der kinetischen Energie des Zuges
  • ○ Aus dem Stromnetz der Bahn
  • ○ Aus der inneren Energie der Bremsmagnete
  • ○ Aus der Lageenergie der Schiene
Die Wirbelströme wirken der Bewegung entgegen — die Arbeit gegen diese Bremskraft entzieht dem Zug Bewegungsenergie, die als Joulesche Wärme der Wirbelströme in der Schiene landet. Dieselbe Buchführung wie beim Herd, nur mit anderer Quelle.
Zahleneingabe #2 40s ▶ Testen

Ein Liter Wasser von 20 auf 100 °C braucht Q = 335 kJ. Wie viel Energie (in kJ) verbraucht ein Gasherd mit η = 32 % dafür?

✓ Antwort: 1047
E = Q/η = 335 kJ / 0,32 ≈ 1 047 kJ — gut zweieinhalbmal so viel wie der Induktionsherd mit 394 kJ. Wer Q · η rechnet (107 kJ), bekommt weniger als die Wärme im Wasser, was nicht sein kann.