Ladung und Influenz

Charge and Influence

Physik Klasse 12 16 Aufgaben
Elektrische LadungElektrisches FeldKerncurriculum

Es gibt zwei Ladungsarten; gleichnamige stoßen sich ab, ungleichnamige ziehen sich an. „Geladen" heißt Überschuss einer Ladungsart — Elektronenmangel oder -ĂŒberschuss —, und jede Ladung ist ein Vielfaches der Elementarladung e als kleinster Portion. Ladung wird dynamisch ĂŒber Q = I·Δt gemessen, denn Strom ist bewegte Ladung. Influenz (Ladungstrennung im Leiter) ist von Polarisation (Ausrichten von Dipolen im Isolator) zu unterscheiden — sichtbar am Elektroskop und am abgelenkten Wasserstrahl. TrĂ€gt Feldbegriff, FeldstĂ€rkemessung und den Cavendish-Influenzversuch.

Können & Üben

Elektrostatik-Werkstatt — Ladung sichtbar machen

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90 min · once

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Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten – Beobachten – ErklĂ€ren; die Lernenden arbeiten in Kleingruppen und rotieren nach etwa 20 Minuten. An jeder Station wird die Vermutung vor dem Ausprobieren notiert. Station 1 — ReibungselektrizitĂ€t und Influenz (Elektroskop). Vermuten: Was zeigt das Elektroskop, wenn der geriebene PVC-Stab den Teller nur ohne BerĂŒhrung erreicht — und was, wenn er ihn berĂŒhrt? Beobachten: Schon in TellernĂ€he schlĂ€gt der Zeiger aus und geht beim Entfernen zurĂŒck; nach BerĂŒhrung bleibt der Ausschlag. Mit Glas- und PVC-Stab zeigen sich zwei Ladungsarten (Abstoßung/Anziehung drehbar gelagerter StĂ€be). ErklĂ€ren: Ohne BerĂŒhrung verschiebt der Stab nur Ladungen im Leiter — Influenz; mit BerĂŒhrung wird Ladung ĂŒbertragen. Modellgrenze: Der Zeiger zeigt Ladungstrennung an, nicht das Vorzeichen der Ladung. Station 2 — Wasserstrahl und Konfetti (Polarisation). Vermuten: Lenkt der geriebene Stab einen dĂŒnnen Wasserstrahl ab, obwohl Wasser neutral ist? Beobachten: Der Strahl biegt sich deutlich zum Stab hin; trockene Papierschnipsel springen an den Stab und teils wieder ab. ErklĂ€ren: WassermolekĂŒle sind Dipole und richten sich im Feld aus — Polarisation; die Anziehung wirkt auf den nĂ€heren, ungleichnamigen Pol stĂ€rker. Modellgrenze: Die Ablenkung beweist Dipole, misst aber keine FeldstĂ€rke. Station 3 — Feldlinienbilder (Grießkörner am Projektor). Vermuten: Wie ordnen sich Grießkörner in Rizinusöl zwischen Spitze und Platte, zwischen zwei Punktladungen, zwischen zwei Platten? Skizze vorab! Beobachten: Die Körnchen richten sich zu Ketten aus — radial um die Spitze, gebogen zwischen ungleichnamigen Elektroden, parallel zwischen den Platten. ErklĂ€ren: Die Ketten folgen der Kraftrichtung auf Probeladungen; dichte Linien bedeuten starkes Feld, Feldlinien starten und enden senkrecht auf den LeiteroberflĂ€chen und schneiden sich nie. Modellgrenze: Feldlinien sind ein Zeichenmodell — das Feld existiert auch zwischen den Linien. Sicherheitshinweis: Bandgenerator vor dem Umbauen mit dem Entladestab erden; Funken sind harmlos, aber schreckhaft. Vorbereitung oder Nachbereitung: der Gewitter-Artikel in der App — dort werden dieselbe Ladungstrennung und derselbe Funke zum Blitz hochskaliert. Station 4 — Löffel-Versuch (Kraft pro Ladung). Vermuten: Halbiert sich die Kraft auf den Ladungslöffel im Plattenfeld, wenn man seine Ladung durch BerĂŒhren mit dem identischen zweiten Löffel halbiert? Beobachten: Der Lichtzeiger-Ausschlag des MessverstĂ€rkers geht bei q, q/2, q/4 jeweils auf die HĂ€lfte zurĂŒck. ErklĂ€ren: F/q ist an einem Feldpunkt konstant — genau diese GrĂ¶ĂŸe definiert die elektrische FeldstĂ€rke E. Sicherheitshinweis: Hochspannung! Nur die strombegrenzte Quelle verwenden, Umbauten nur spannungsfrei, Platten nach dem Versuch entladen. Abschluss in der Runde: Welche Station zeigt Ladungstrennung, welche Ausrichtung, welche misst das Feld? Der Bogen von "es knistert" zur messbaren GrĂ¶ĂŸe E = F/q wird gemeinsam formuliert.

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4–16

Alles beginnt mit einem Versuch, den du in einer Minute selbst machen kannst: Reibe einen Kunststoffstab an Wolle und halte ihn ĂŒber Papierschnipsel. Sie springen hoch. Glas- und KunststoffstĂ€be, drehbar gelagert, verraten mehr: Zwei geriebene GlasstĂ€be stoßen einander ab, Glas- und Kunststoffstab ziehen sich an. Es gibt also zwei Arten von Ladung — positiv und negativ. Gleichnamige stoßen sich ab, ungleichnamige ziehen sich an.

„Geladen" heißt dabei nie, dass Ladung aus dem Nichts entsteht: Ein Körper hat zu viele Elektronen (negativ) oder zu wenige (positiv). Die kleinste frei vorkommende Portion ist die Elementarladung — erst davon ergeben ein ganzes Coulomb.

Zum Nachweis dient das Elektroskop: ein Metallkopf auf einem Stab, an dem ein drehbarer Zeiger hĂ€ngt. BerĂŒhrst du den Kopf mit einem geladenen Stab, verteilt sich die Ladung ĂŒber Stab und Zeiger — gleichnamig geladen stoßen sie sich ab, der Zeiger schlĂ€gt aus.

Jetzt die entscheidende Frage. Sage voraus: Was zeigt das Elektroskop, wenn der geladene Stab dem Kopf nur nahekommt — ohne jede BerĂŒhrung?

Schiebe den negativ geriebenen Stab mit dem Regler d an den Kopf des Elektroskops heran. Beobachte den Zeigerausschlag α — und die Ladungen, die sich ab d < 4 zeigen: + am Kopf (dem Stab zugewandt), − auf Stab und Zeiger.

Der Zeiger schlĂ€gt aus, obwohl keine Ladung ĂŒbertragen wurde. Der negative Stab drĂŒckt die frei beweglichen Elektronen im Metall von sich weg: Am Kopf sammelt sich die entgegengesetzte (positive) Ladung, unten an Stab und Zeiger die gleichnamige (negative) — und die stĂ¶ĂŸt sich ab wie zuvor. Diese rĂ€umliche Ladungstrennung in einem Leiter unter dem Einfluss eines geladenen Körpers heißt Influenz. Ziehst du den Stab zurĂŒck, verteilen sich die Elektronen wieder, der Ausschlag verschwindet: Es wurde nur verschoben, nicht aufgeladen.

Und in einem Nichtleiter, in dem keine Elektronen frei wandern können — passiert da nichts? Halte den geriebenen Stab an einen dĂŒnnen Wasserstrahl:

Polarisation: abgelenkter Wasserstrahl − − − O − H H + +
Der Strahl knickt zum Stab hin. Links vergrĂ¶ĂŸert: Im WassermolekĂŒl sitzt die Ladung unsymmetrisch — es ist ein Dipol.

Der Strahl knickt zum Stab hin. Im WassermolekĂŒl ist die Ladung von Natur aus ungleich verteilt — die Sauerstoffseite leicht negativ, die Wasserstoffseite leicht positiv. Solche Dipole kann das Feld des Stabes nicht verschieben, aber ausrichten: Die positiven Seiten drehen sich zum negativen Stab, und netto wird der Strahl angezogen. Dieses Ausrichten von Dipolen im Isolator heißt Polarisation — der Grund, warum der geriebene Stab auch neutrale Papierschnipsel hebt.

Merke die Unterscheidung, sie trĂ€gt das ganze Kapitel: Influenz = Ladungstrennung frei beweglicher Ladungen im Leiter; Polarisation = Ausrichten gebundener Dipole im Isolator. Beim Gewitter wirst du die Influenz im Kilometermaßstab wiedersehen — und beim Cavendish-Versuch wird sie zum Messinstrument.

Materialien (1)

Physische Manipulativa, die dieses Konzept konkret verankern — optional, gebrĂŒckt zum Symbol.

Leicht
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Ein geriebener Glasstab und ein geriebener Kunststoffstab ziehen sich gegenseitig an. Zwei geriebene KunststoffstĂ€be stoßen sich ab. Was folgt daraus?

  • ● Es gibt zwei Arten von Ladung; ungleichnamige ziehen sich an, gleichnamige stoßen sich ab
  • ○ Es gibt nur eine Art von Ladung in verschiedenen Mengen
  • ○ Glas ist immer negativ, Kunststoff immer positiv geladen
  • ○ Die StĂ€be sind magnetisch geworden
Abstoßung gleichartig geriebener und Anziehung verschieden geriebener StĂ€be erzwingt genau zwei Ladungsarten mit den bekannten Kraftregeln. Eine einzige Ladungsart könnte keine Abstoßung und Anziehung zugleich erklĂ€ren; Magnetismus spielt hier keine Rolle.
Multiple Choice #2 20s ▶ Testen

Was bedeutet es, dass ein Körper elektrisch neutral ist?

  • ● Er enthĂ€lt gleich viele positive wie negative Ladungen
  • ○ Er enthĂ€lt ĂŒberhaupt keine Ladungen
  • ○ Er enthĂ€lt nur neutrale Teilchen wie Neutronen
  • ○ Seine Ladungen sind alle im Kern gebunden
Neutral heißt nicht ladungsfrei, sondern ausgeglichen — Protonen und Elektronen sind in gleicher Anzahl vorhanden. Deshalb kann ein neutraler Körper durch Reiben geladen werden, indem Elektronen ĂŒbertragen werden.
Wahr / Falsch #3 20s ▶ Testen

Am Ausschlag eines Elektroskops kann man ablesen, ob der untersuchte Körper positiv oder negativ geladen ist.

✓ Falsch
Das Elektroskop zeigt nur, dass und wie stark ein Körper geladen ist — der Zeiger schlĂ€gt bei beiden Ladungsarten gleich aus. Das Vorzeichen lĂ€sst sich nur durch Vergleich mit einer bekannten Ladung ermitteln.
Wahr / Falsch #4 25s ▶ Testen

Der Wasserstrahl wird nur von einem negativ geladenen Stab abgelenkt — ein positiv geladener Stab stĂ¶ĂŸt ihn ab.

✓ Falsch
Beide Ladungsarten lenken den Strahl zum Stab hin ab, denn die Dipole drehen jeweils ihre ungleichnamige Seite zum Stab. Genauso zieht ein geladener Stab neutrales Konfetti unabhÀngig vom Vorzeichen an.
Multiple Choice #5 30s ▶ Testen

Worin unterscheiden sich Influenz und Polarisation?

  • ● Influenz trennt freie Ladungen im Leiter, Polarisation richtet Dipole im Isolator aus
  • ○ Influenz tritt nur bei negativen, Polarisation nur bei positiven Ladungen auf
  • ○ Polarisation ĂŒbertrĂ€gt Ladung, Influenz nicht
  • ○ Es sind zwei Namen fĂŒr denselben Vorgang
Entscheidend ist die Beweglichkeit der Ladungen. Im Leiter wandern freie Elektronen ĂŒber den ganzen Körper (Influenz); im Isolator verschieben sich nur die Ladungsschwerpunkte innerhalb der MolekĂŒle (Polarisation). Ladung wird bei beiden VorgĂ€ngen nicht ĂŒbertragen.
Wahr / Falsch #6 20s ▶ Testen

Rund 6,25·10Âč⁞ Elementarladungen ergeben zusammen die Ladung 1 C.

✓ Wahr
Aus e = 1,6·10⁻Âčâč C folgt 1 C / 1,6·10⁻Âčâč C = 6,25·10Âč⁞. Die Einheit Coulomb ist ĂŒber die StromstĂ€rke definiert: 1 C = 1 As.
Wahr / Falsch #7 15s ▶ Testen

Die StromstĂ€rke gibt an, wie viel Ladung pro Sekunde durch den Querschnitt eines Leiters fließt.

✓ Wahr
I = Q/t — ein Ampere ist ein Coulomb pro Sekunde. Deshalb ergibt StromstĂ€rke mal Zeit die transportierte Ladung.
Mittel
LĂŒckentext #1 15s ▶ Testen

Ein positiv geladener Körper hat einen Überschuss an positiver Ladung, weil ihm Teilchen fehlen. Diese Teilchen heißen ___.

✓ Antwort: Elektronen
Beim Laden werden nur die beweglichen Elektronen ĂŒbertragen; die Protonen bleiben im Kern gebunden. Positiv geladen bedeutet daher Elektronenmangel, negativ geladen ElektronenĂŒberschuss.
Zahleneingabe #2 25s ▶ Testen

Ein Körper trĂ€gt die Ladung Q = 4,8·10⁻Âčâč C. Aus wie vielen Elementarladungen besteht diese Ladung? (e = 1,6·10⁻Âčâč C)

✓ Antwort: 3
Ladung tritt nur in Vielfachen der Elementarladung auf: N = Q/e = 4,8·10⁻Âčâč/1,6·10⁻Âčâč = 3. Die Elementarladung ist die kleinste in der Natur vorkommende Ladungsportion.
Zahleneingabe #3 25s ▶ Testen

Durch einen Leiter fließt 40 s lang der Strom I = 0,5 A. Berechne die transportierte Ladung. (Antwort in C)

✓ Antwort: 20
Dynamische Ladungsmessung ĂŒber Q = I·Δt = 0,5 A · 40 s = 20 C. Die StromstĂ€rke gibt an, welche Ladungsmenge pro Zeit den Leiterquerschnitt passiert.
Zahleneingabe #4 30s ▶ Testen

Beim Entladen eines Körpers fließt in 60 s die Ladung Q = 12 C gleichmĂ€ĂŸig ab. Berechne die StromstĂ€rke. (Antwort in A)

✓ Antwort: 0.2
Aus Q = I·Δt folgt I = Q/Δt = 12 C / 60 s = 0,2 A. Strom und Ladung hĂ€ngen ĂŒber die Zeit zusammen — wer Q kennt, kann I berechnen und umgekehrt.
LĂŒckentext #5 15s ▶ Testen

Die rÀumliche Ladungstrennung in einem leitenden Körper durch einen genÀherten geladenen Körper bezeichnet man als elektrische ___.

✓ Antwort: Influenz
Influenz setzt frei bewegliche Ladungen voraus und tritt deshalb nur in Leitern auf. Im Isolator gibt es stattdessen Polarisation, das Ausrichten von Dipolen.
Schwer
Zahleneingabe #1 35s ▶ Testen

Eine Glimmlampenschaltung registriert 2 Minuten lang einen mittleren Strom von 50 mA. Berechne die geflossene Ladung. (Antwort in C)

✓ Antwort: 6
Erst Einheiten umrechnen (50 mA = 0,05 A; 2 min = 120 s), dann Q = I·Δt = 0,05 · 120 = 6 C. Wer die Minuten nicht in Sekunden umrechnet, erhĂ€lt den falschen Wert 0,1 C.
Multiple Choice #2 30s ▶ Testen

Ein geladener Kunststoffstab wird einem Elektroskop genĂ€hert, ohne es zu berĂŒhren. Der Zeiger schlĂ€gt aus. ErklĂ€re die Beobachtung.

  • ● Der Stab verschiebt durch Influenz die beweglichen Ladungen auf dem Elektroskop
  • ○ Ladung springt durch die Luft vom Stab auf das Elektroskop ĂŒber
  • ○ Der Stab magnetisiert den Zeiger des Elektroskops
  • ○ Das Elektroskop erzeugt selbst neue Ladungen
Ohne BerĂŒhrung wird keine Ladung ĂŒbertragen — der geladene Stab trennt lediglich die Ladungen im Leiter rĂ€umlich (elektrische Influenz), sodass Zeiger und GehĂ€use gleichnamig geladen sind und sich abstoßen. Ein LadungsĂŒbersprung wĂŒrde einen Funken erfordern.
Multiple Choice #3 30s ▶ Testen

Ein geladener Kunststoffstab lenkt einen dĂŒnnen Wasserstrahl ab. Warum wirkt eine Kraft auf das ungeladene Wasser?

  • ● Die WassermolekĂŒle sind Dipole und richten sich im Feld des Stabes aus
  • ○ Das Wasser wird durch den Stab elektrisch aufgeladen
  • ○ Im Wasser fließen freie Elektronen wie in einem Metall zum Stab
  • ○ Der Stab zieht nur die positiven Ionen des Wassers an
In WassermolekĂŒlen ist die Ladung unsymmetrisch verteilt (Dipole); der Stab richtet sie aus, sodass die nĂ€her liegende, ungleichnamige Seite stĂ€rker angezogen wird — elektrische Polarisation. Der Strahl bleibt dabei insgesamt neutral, es wird keine Ladung ĂŒbertragen.
Zahleneingabe #4 40s ▶ Testen

Ein Kunststoffstab trĂ€gt nach dem Reiben die Ladung Q = −8·10⁻âč C. Wie viele Elektronen hat er beim Reiben aufgenommen? (e = 1,6·10⁻Âčâč C; Antwort in Milliarden)

✓ Antwort: 50
N = |Q|/e = 8·10⁻âč C / 1,6·10⁻Âčâč C = 5·10Âč⁰ = 50 Milliarden Elektronen. Das negative Vorzeichen heißt ElektronenĂŒberschuss — der Stab hat Elektronen aufgenommen, keine positiven Ladungen verloren.