Was du dafĂĽr nicht bekommst
What you give up for it
Wer sich entscheidet, gibt etwas auf. Das Geld ist knapp, die Zeit ist knapp, und beides lässt sich nur einmal ausgeben — also kostet jede Wahl nicht nur ihren Preis, sondern auch die beste Möglichkeit, die dadurch wegfällt. Die Schülerin bekommt eine konkrete Situation mit einem festen Budget oder einem festen Nachmittag und einer Rangfolge der Wünsche, und benennt, was die getroffene Entscheidung sie an entgangener Möglichkeit kostet. Verdrängt werden dabei drei belegte Fehlantworten: „gar nichts, das war ja geschenkt“ und „das ausgegebene Geld“ und „alle anderen Möglichkeiten zusammen“ — genau die Alternativen, an denen bei Ferraro & Taylor (2005) selbst Fachökonomen auf Zufallsniveau scheitern (21,6 % richtig) und die in der TEL-4-Normierung (Walstad, Rebeck & Butters 2013) nur eine Minderheit der Jugendlichen richtig als „die aufgegebenen Güter und Leistungen“ identifiziert. Vorbereitet wird damit wirtschaft-und-recht.grade8.kosten-nutzen-entscheidung, wo dieselbe Rangfolge zur gewichteten Entscheidungsmatrix ausgebaut wird.
Können & Üben
Das Marktspiel — 20 Minuten, in denen ein Preis entsteht
workshop60 min · once
klassenraum
Ein Doppelauktions-Marktspiel nach dem klassischen Schulversuch. Die Hälfte der Klasse sind Käufer, die andere Verkäufer; jedes Kind kennt nur die eigene Zahl und darf sie niemandem zeigen. Wer sich einig wird, meldet den Preis, setzt sich hin und ist für die Runde fertig. Vier Runden à etwa fünf Minuten, dazwischen jeweils zwei Minuten für die Tafel. Vor Runde 1 vermuten lassen und an die Tafel schreiben — die Vermutung bleibt die ganze Stunde stehen. Zwei Fragen: Bei welchem Preis werden die meisten Handel zustande kommen? Und: Wer gewinnt bei einem Handel? Runde 1 — freies Handeln. Alle laufen herum und verhandeln. Jeder abgeschlossene Handel wird sofort an die Tafel geschrieben. Die Begleitperson schreibt nur mit und kommentiert nicht. Am Ende der Runde stehen zehn bis fünfzehn Preise da, weit gestreut. Runde 2 — dieselben Karten noch einmal. Jetzt kennen die Kinder die Preise der ersten Runde. Beobachten und an der Tafel markieren: Die Preise rücken zusammen. Niemand hat das angeordnet, niemand hat einen Preis ausgerechnet — er entsteht daraus, dass alle die vorherigen Abschlüsse gesehen haben. Das ist der Moment, für den die Stunde da ist. Runde 3 — wer hat wie viel gewonnen? Ausrechnen lassen: Käufer notieren „meine Zahl minus Preis“, Verkäufer „Preis minus meine Zahl“. Alle Werte an die Tafel, addieren. Zwei Feststellungen, die die Kinder selbst treffen sollen: Erstens ist keine einzige Zahl negativ — wer verloren hätte, hätte nicht abgeschlossen. Zweitens ist die Summe deutlich größer als null: Beim Tausch ist etwas entstanden, das es vorher nicht gab. Hier gehört die Ausgangsvermutung von der Tafel dazu. Runde 4 — der Schock. Ohne Vorwarnung ein Drittel der Verkäufer hinaussetzen („Missernte“) oder ein Drittel zusätzliche Käufer hereingeben. Vorher vermuten lassen, dann handeln. Beobachten: Der Preis steigt, und zwar ohne dass irgendjemand ihn erhöht hat. Wer das erlebt hat, hat einen Beleg gegen die verbreitetste Erklärung für steigende Preise — dass sie jemand beschlossen hat. Abschluss (15 Minuten). Die vier Spalten nebeneinander lesen: Streuung in Runde 1, Verdichtung in Runde 2, Summe der Gewinne in Runde 3, Verschiebung in Runde 4. Dann die Grenze offen benennen: In diesem Spiel sind alle freiwillig dabei und niemand ist auf die Ware angewiesen. Was wäre anders, wenn es um Trinkwasser nach einem Erdbeben ginge? Diese Frage offen stehen lassen — sie ist der Einstieg in die Fairness-Diskussion und nicht in dieser Stunde zu beantworten.
guide
10–32
Ermöglicht (2)
Lena hat 300 € gespart. Damit könnte sie ein neues Handy kaufen, ein gebrauchtes Fahrrad oder eine Konzertfahrt bezahlen. Am liebsten hätte sie das Handy, am zweitliebsten das Fahrrad. Sie kauft das Handy. Was sind die Opportunitätskosten dieser Entscheidung?
Ben bekommt 25 € Taschengeld im Monat. Auf seiner Wunschliste stehen ein Spiel für 20 €, ein Buch für 15 € und ein Kinobesuch für 12 €. Was ist in dieser Situation knapp?
Marie geht zum Chor statt zum Schwimmkurs. Den Schwimmkurs, der ihr dadurch entgeht, nennt man die ___ dieser Entscheidung.
Tim hat am Samstagnachmittag vier Stunden frei. Er kann in der Bäckerei aushelfen und dafür 48 € bekommen, mit Freunden ins Schwimmbad gehen oder ausschlafen. Ohne den Job wäre er am liebsten ins Schwimmbad gegangen. Er arbeitet. Was sind die Opportunitätskosten dieser Entscheidung?
Sara hat am Mittwochabend zwei Stunden Zeit. Sie kann zum Handballtraining gehen, für die Mathe-Schulaufgabe lernen oder Serien schauen. Sie will unbedingt lernen; am zweitliebsten wäre sie zum Training gegangen. Sie lernt. Was sind die Opportunitätskosten dieser Entscheidung?
Jonas hat 120 € zum Geburtstag bekommen. Sneaker kosten 120 €, eine Jacke 120 €, ein Konzertticket 120 €. Die Sneaker will er am meisten, die Jacke am zweitmeisten. Er kauft die Sneaker. Was sind die Opportunitätskosten dieser Entscheidung?
Emma gewinnt eine Freikarte für den Freizeitpark, gültig nur am kommenden Sonntag. Am selben Sonntag ist die Geburtstagsfeier ihrer besten Freundin, auf die sie sonst gegangen wäre. Sie fährt in den Freizeitpark. Was sind die Opportunitätskosten dieser Entscheidung?
Im Schulbus sind morgens 45 Sitzplätze frei, aber 62 Schülerinnen und Schüler wollen sitzen. Was ist in dieser Situation knapp?
Die Turnhalle ist am Dienstagabend genau zwei Stunden frei. Drei Vereine haben fĂĽr diesen Abend jeweils zwei Stunden Training angemeldet. Was ist in dieser Situation knapp?
Yusuf gibt seine letzten 18 € für ein Computerspiel aus. Für dasselbe Geld hätte er am liebsten sonst ein Zehnerticket fürs Hallenbad gekauft. Die Opportunitätskosten seiner Entscheidung sind die 18 €, die er bezahlt hat.
Ismail räumt am Sonntagvormittag drei Stunden lang den Keller auf und gibt dabei keinen Cent aus. Am liebsten wäre er in dieser Zeit skaten gegangen. Weil kein Geld abfließt, entstehen ihm an diesem Vormittag keine Opportunitätskosten.
Nele könnte am Freitagnachmittag drei Stunden lang für 11 € pro Stunde Zeitungen austragen. Sie geht stattdessen ins Kino. Auf wie viele Euro Verdienst verzichtet sie dadurch?
Mia bekommt eine Karte für das Konzert von Band A geschenkt; verkaufen darf sie sie nicht. Am selben Abend spielt Band B, eine Karte dafür kostet 40 €, und Mia wäre am liebsten dorthin gegangen. Sie geht zu Band A. Was sind die Opportunitätskosten dieser Entscheidung?
Die Klasse darf beim Schulfest genau einen Stand betreiben. Zur Wahl stehen ein Waffelstand, eine Tombola und ein Bücherflohmarkt. Die Klasse rechnet mit 90 € Gewinn bei den Waffeln, 60 € bei der Tombola und 20 € beim Flohmarkt. Sie entscheidet sich für die Waffeln. Was sind die Opportunitätskosten dieser Entscheidung?
Der Schulchor darf beim Frühlingsfest genau einen Verkaufsstand betreiben. Erwartet werden 140 € Gewinn mit Kuchen, 95 € mit Getränken und 40 € mit Postkarten. Der Chor wählt den Kuchenstand. Wie hoch ist der entgangene Gewinn in Euro?