Wandelt sich Stein? — Der Gesteinskreislauf
Eine Frage, die seltsam klingt: Wandelt sich Stein?
Ein Fels wirkt wie der Inbegriff von „für immer“. Genau das ist die Falle.
Frag eine Klasse, ob sich Gestein verändert, und die häufigste Antwort
lautet: „Nein, Stein bleibt Stein.“ In Wirklichkeit ist jedes
Gestein nur eine Station auf einer langen Reise. Granit kann zu Sand
zerfallen, Sand zu Sandstein werden, Sandstein zu Quarzit, Quarzit zu Schmelze —
und die Schmelze wieder zu Granit. Das Ganze nennt man den
Drei Familien — eingeteilt nach Entstehung, nicht nach Aussehen
Gesteine sortiert man nicht nach Farbe oder Gewicht, sondern danach, wie sie entstanden sind. Es gibt genau drei Familien:
-
Magmatite erstarren aus heiĂźer Schmelze. Beispiel: Granit. -
Sedimentite entstehen aus abgelagerten, zusammengepressten BruchstĂĽcken. Beispiele: Sandstein, Kalkstein. -
Metamorphite sind Gesteine, die durch Hitze und Druck umgewandelt wurden. Beispiel: Marmor (aus Kalkstein).
Jede Entstehung hinterlässt eine Spur: Magmatite zeigen Kristalle, Sedimentite Schichten und oft Fossilien, Metamorphite manchmal Bänder. Daran erkennt man die Familie — nicht an Farbe oder Gewicht. Ein heller und ein dunkler Granit gehören zur selben Familie; zwei graue Gesteine können aus verschiedenen stammen.
Der groĂźe Irrtum Nr. 1: Es ist kein einfacher Ring
In vielen Büchern steht der Gesteinskreislauf als sauberer Kreis: Magmatit → Sedimentit → Metamorphit → und zurück. Das ist eine bequeme Vereinfachung — und genau sie erzeugt den falschen Eindruck, es gäbe einen festen Anfang und nur einen Weg. In Wahrheit kann jede Familie über mehrere Wege zu jeder anderen werden. Es gibt Abkürzungen.
Vom Felsen zum Sandstein: Verwitterung, Schichten und Zeit
An der Oberfläche zerlegen Wasser, Frost und Temperaturwechsel das Gestein in
Bruchstücke — das ist die
Hier lauert ein weiterer Irrtum: „Sand ist doch schon Gestein.“ Loser Sand ist kein Sandstein — es fehlt das Zusammenpressen und Verkitten. Und gefragt, wie tief unten Sand zu Stein wird, raten die meisten „so tief, wie man mit dem Spaten gräbt“. In Wahrheit braucht es den Druck vieler Schichten — oft Hunderte Meter bis Kilometer tief.
Tief in der Erde: Umwandeln im festen Zustand und Schmelzen
Versinkt Gestein tief in die Erde — durch Gebirgsbildung oder nahe an Magma —,
liefern Hitze und Druck die
Metamorphose heißt nicht Schmelzen. Das ist der hartnäckigste
Irrtum überhaupt: viele denken, ein Metamorphit sei „geschmolzen und wieder
fest geworden“. Falsch. Bei der Metamorphose bleibt das Gestein die ganze Zeit
fest — Hitze und Druck formen es um, ohne es flüssig zu
machen. Sobald es wirklich schmilzt, hat es die Familie gewechselt: Aus der
Schmelze wird beim AbkĂĽhlen ein
Und bei den Magmatiten entscheidet ein einziger Hebel über das Aussehen: die Abkühlgeschwindigkeit. Schmelze heißt unter der Erde Magma, an der Oberfläche Lava. Tief unten kühlt sie langsam ab — die Kristalle haben Zeit, groß zu werden (Granit). An der Oberfläche kühlt sie schnell ab — es bleiben nur winzige Kristalle (Basalt).
Der letzte Irrtum: „Stein verändert sich nicht“ — und die tiefe Zeit
Warum hält sich der Gedanke, Stein bleibe ewig gleich? Weil wir die Zeit
falsch einschätzen. Ein Gesteinskreislauf läuft nicht in Tagen oder Jahren ab,
sondern in
Der Motor des Ganzen ist die Plattentektonik. Die endogenen Kräfte aus dem Erdinneren (Schmelze, Druck, Gebirgsbildung, Hebung) liefern Hitze und Schmelzen und heben tiefes Gestein wieder nach oben. Die exogenen Kräfte von außen (Wasser, Wind, Frost) übernehmen dort die Verwitterung und Ablagerung. Wo sich beide treffen, dreht sich der Kreislauf — ohne Anfang, ohne Ende, in jede Richtung.
Also: Wandelt sich Stein? Ja — nur so langsam, dass man genau hinschauen muss, um es zu glauben. Und nicht im Kreis, sondern durch ein ganzes Netz von Wegen.