Woher kommt das Holz?
Eine Buchecker und ein Baum
Heb im Herbst unter einer Buche eine Buchecker auf. Sie ist dreikantig,
braun und wiegt etwa ein Fünftel Gramm — so viel wie zehn Reiskörner. Aus genau so einer Ecker ist der
Die Ecker ist leicht, der Baum ist schwer. Die Masse dazwischen kann
nicht aus dem Nichts gekommen sein — sie muss von irgendwo in den Baum
hineingewandert sein. Ein Baum frisst nicht und trinkt nur durch die
Wurzeln. Er steht an einer Stelle, umgeben von
Bevor du weiterliest, entscheide dich: Woraus besteht das Holz zum größten Teil? Aus der Erde, in der die Wurzeln stecken? Aus dem Wasser, das der Regen bringt? Aus dem Licht? Oder aus der Luft? Merke dir deine Antwort. Die meisten Menschen — auch die meisten Erwachsenen — sagen „aus der Erde".
Woher kommen die Tonnen Holz, die aus einer Buchecker wachsen? Dieser Artikel bleibt bei einer einzigen Frage — wo die Masse eines Baums herkommt — und folgt ihr mit der Waage. Wie das Blatt das im Inneren chemisch macht, Schritt für Schritt, kommt hier nicht vor.
Van Helmonts Weide auf der Waage
Die Frage lässt sich mit einer Waage entscheiden, und genau das hat vor
knapp 400 Jahren ein Arzt in Flandern getan. Jan Baptist van Helmont
trocknete
Wenn der
Schiebst du die Zeit auf fünf Jahre, siehst du, was van Helmont dann maß. Die Weide wog 76,74 kg, also 74,5 kg mehr als am Anfang. Das Laub, das in vier Herbsten abgefallen war, hatte er nicht einmal mitgezählt. Dann trocknete er die Erde wieder und wog sie: Es fehlten 57 g, etwa eine halbe Tafel Schokolade. Die Erde hält den Baum fest und liefert ein paar Mineralstoffe, aber sein Holz kommt nicht aus ihr.
Van Helmont zog daraus einen Schluss, der sauber klingt: Er hatte nur
Was im getrockneten Holz steckt
Frisch geschlagenes Holz ist schwer und nass. Brennholz lässt man deshalb
zwei Jahre unter einem Dach liegen, bevor man es verfeuert: Es verliert
dabei fast die Hälfte seines Gewichts, und zwar als
Schiebst du den Regler ganz nach rechts, verdunsten vom 76,7 kg schweren
Damit ist van Helmonts Schluss widerlegt. Wasserstoff und Sauerstoff hätte das Gießwasser liefern können, Kohlenstoff nicht: Kein einziges Wasserteilchen trägt ein Kohlenstoff-Atom. Vom Kohlenstoff der Weide steckte nur ein gutes halbes Kilogramm schon im Zweig; 18,6 kg sind in fünf Jahren in den Topf gelangt, ohne dass jemand sie hineingetan hat. Van Helmont hat genau eine Sache nicht gewogen: die Luft um den Baum.
Kohlenstoff aus der Luft
Luft wirkt wie nichts, aber sie wiegt etwas: Ein Kubikmeter Luft, ein
Würfel von einem Meter Kantenlänge, hat eine Masse von rund 1,2 kg. Fast
alles darin ist Stickstoff und Sauerstoff. Einen winzigen Teil bildet ein
Gas, das van Helmont selbst entdeckt hatte, als er Holzkohle verbrannte:
Das Blatt lässt Luft durch winzige Spaltöffnungen an seiner Unterseite ein, holt das CO₂ heraus und baut den Kohlenstoff in Zucker und später in Holz ein. Bei so wenig CO₂ in der Luft stellt sich eine Frage, die man ausrechnen kann: Wie viel Luft muss ein Baum durch seine Blätter ziehen, um 18,6 kg Kohlenstoff zu sammeln?
Für 18,6 kg Kohlenstoff braucht die Weide rund 68 kg CO₂, und so viel steckte damals in etwa 133 000 m³ Luft — rund 670 Klassenzimmer. Das klingt nach unmöglich viel, aber ein Baum hat Zeit und Wind: Fünf Sommer lang strich ständig frische Luft an Tausenden Blättern vorbei. Jedes einzelne Kohlenstoff-Atom im Holz der Weide schwebte vorher als Teil eines CO₂-Teilchens durch die Luft über Flandern.
Damit ist die Buchführung fast vollständig. Den Kohlenstoff liefert die
Luft, den
Licht als Energie und der Rückweg
Was fehlt dem Baum im dunklen Keller? Nicht Stoff — Luft und Wasser hat
er genug. Es fehlt
Kohlenstoffdioxid + Wasser
↓ Licht
Traubenzucker + Sauerstoff
Diesen Umbau mit Lichtenergie nennt man Photosynthese. Den Zucker braucht der Baum aber nicht nur zum Bauen. Jede seiner Zellen lebt, und leben kostet Energie. Die holt sich die Zelle, indem sie Zucker mit Sauerstoff wieder zu Kohlenstoffdioxid und Wasser abbaut — die Zellatmung, genau wie in deinen Muskeln. Ein Blatt nimmt also CO₂ auf und gibt zugleich CO₂ ab. Was davon überwiegt, hängt am Licht.
Schiebst du den Regler ganz nach links, dreht sich der Pfeil am Blatt um: Die Pflanze gibt CO₂ ab, weil nur noch die Zellatmung läuft. Schon ab etwa 1 % des vollen Sonnenlichts holt die Photosynthese mehr Kohlenstoff herein, als die Atmung hinausschickt; bei viel Licht flacht die Kurve ab, weil das Blatt nicht schneller kann. Netto wächst ein Baum also nur an Tagen, nachts wird er ein klein wenig leichter.
Und wenn Holz verbrennt, läuft die ganze Geschichte rückwärts. Der
Van Helmonts Weide war also zum größten Teil aus Luft gebaut — mit Wasser und der Energie des Lichts, und mit 57 g aus der Erde. Einiges hat dieser Artikel bewusst ausgelassen: wie der Chloroplast die Atome im Einzelnen umbaut, warum ein Baum trotz der kleinen Menge auf Stickstoff und Phosphor aus dem Boden angewiesen ist, und die Überraschung, dass der abgegebene Sauerstoff aus dem Wasser stammt, nicht aus dem CO₂. Die Gleichungen von Photosynthese und Zellatmung warten im nächsten Thema; der Weg des Kohlenstoffs durch Atmosphäre, Wälder und Meere ist der Kohlenstoffkreislauf, und in Klasse 10 zerlegst du die Zellatmung in die Schritte, mit denen eine Zelle aus Zucker Energie gewinnt.