Autorenlektüre — Platon (attische Prosa)
Wie übersetzt man „ὁ δὲ ἀνεξέταστος βίος οὐ βιωτὸς ἀνθρώπῳ" (Apologie 38a)?
Erklärung: ἀνεξέταστος (un-geprüft) gehört zu βίος, βιωτός heißt „lebbar, lebenswert", ἀνθρώπῳ ist Dativ („für den Menschen"). Sokrates’ Begründung, warum er weiterfragt.
Wie übersetzt man Sokrates’ letzte Worte „ὦ Κρίτων, τῷ Ἀσκληπιῷ ὀφείλομεν ἀλεκτρυόνα" (Phaidon 118a)?
Erklärung: τῷ Ἀσκληπιῷ ist Dativ — wem man schuldet; ὀφείλομεν („wir schulden") hat das Subjekt in der Endung, ἀλεκτρυόνα ist Akkusativ. Asklepios, dem Gott der Heilung, opferte man nach einer Genesung.
Wie übersetzt man „ἤρετο γὰρ δὴ εἴ τις ἐμοῦ εἴη σοφώτερος" (Apologie 21a)?
Erklärung: Chairephon fragt in Delphi. τις ist Subjekt, ἐμοῦ ist Genitiv des Vergleichs („als ich") beim Komparativ σοφώτερος; εἴη ist Optativ der indirekten Frage nach Vergangenheit.
Was steht in Apologie 21d tatsächlich: „ἃ μὴ οἶδα οὐδὲ οἴομαι εἰδέναι"?
Erklärung: ἅ = „was" (Relativpronomen), οἴομαι εἰδέναι = „ich glaube zu wissen". „Ich weiß, dass ich nichts weiß" ist eine spätere Zuspitzung, die so nicht im Text steht.
Wie übersetzt man „οὐδαμῶς ἄρα δεῖ ἀδικεῖν" (Kriton 49b)?
Erklärung: ἀδικεῖν ist aktiv: „Unrecht tun"; „Unrecht erleiden" wäre das Passiv ἀδικεῖσθαι. οὐδαμῶς „auf keine Weise" verneint δεῖ — ein Grundsatz, den Sokrates nie aufgibt.
Wie übersetzt man die Anrede „ὦ ἄνδρες Ἀθηναῖοι" (Apologie 17a)?
Erklärung: ὦ + Vokativ: Sokrates redet die Richter an. Der Genitiv („der Athener") oder Dativ passt nicht zum ὦ.
In welchem Dialog verteidigt sich Sokrates vor dem Volksgericht?
Erklärung: ἀπολογία heißt „Verteidigungsrede". Das Symposion spielt bei einem Gastmahl, die Politeia fragt nach dem gerechten Staat.
In welchem Dialog lehnt Sokrates im Gefängnis die Flucht ab, die sein Freund vorbereitet hat?
Erklärung: Im Kriton begründet Sokrates, warum er den Gesetzen gehorcht, auch wenn das Urteil ungerecht ist. Der Phaidon erzählt seinen Todestag, der Ion handelt von einem Rhapsoden.
In welchem Werk steht das Höhlengleichnis?
Erklärung: Politeia, Buch VII: Gefangene halten Schatten für die Wirklichkeit — Platons Bild für Bildung als Umwendung zum Licht.
Sokrates hat seine Gespräche selbst aufgeschrieben; Platon hat die Bücher nur gesammelt.
Erklärung: Sokrates schrieb nichts. Platons Dialoge sind eigene Werke, in denen Sokrates die Hauptfigur ist — wie viel davon historisch ist, ist bis heute umstritten.
„Symposion" (συμπόσιον) bedeutet wörtlich „gemeinsames Trinken".
Erklärung: σύν („zusammen") + πόσις („das Trinken", zu πίνω). Platons Symposion ist ein Gastmahl, bei dem jeder eine Rede auf Eros hält.
Übersetze „φιλοσοφία" wörtlich: „Liebe zur ___"
Erklärung: φίλος/φιλέω („lieben") + σοφία („Weisheit"). Platons Sokrates nennt sich darum nicht σοφός, sondern φιλόσοφος — einer, der die Weisheit sucht.