Verhaltensbiologie
Was versteht man unter einer angeborenen Erbkoordination (Instinkthandlung)?
Erklärung: Erbkoordinationen sind angeborene, stereotype Verhaltensweisen, die bei allen Individuen einer Art gleich ablaufen. Sie werden durch spezifische Schlüsselreize über einen angeborenen Auslösemechanismus (AAM) ausgelöst.
Den spezifischen Reiz, der eine Instinkthandlung auslöst, nennt man ___.
Erklärung: Schlüsselreize sind bestimmte Merkmale eines Reizkomplexes, die den angeborenen Auslösemechanismus (AAM) aktivieren. Beispiel: Die rote Brust des Rotkehlchens ist ein Schlüsselreiz, der Revierverteidigung bei Artgenossen auslöst.
Prägung ist ein Lernvorgang, der nur in einer bestimmten sensiblen Phase stattfinden kann und danach irreversibel ist.
Erklärung: Richtig. Prägung (z. B. Nachfolgeprägung bei Graugänsen, beschrieben von Konrad Lorenz) ist auf eine sensible Phase kurz nach dem Schlüpfen/der Geburt beschränkt. Das geprägte Verhalten ist danach nicht mehr veränderbar.
Welcher Verhaltensforscher prägte den Begriff 'Nachfolgeprägung' bei Graugänsen?
Erklärung: Konrad Lorenz erforschte die Nachfolgeprägung bei Graugänsen und erhielt dafür 1973 zusammen mit Tinbergen und von Frisch den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Die Küken prägten sich auf das erste bewegte Objekt, das sie nach dem Schlüpfen sahen.
Ordne die Lernformen von einfach nach komplex.
Erklärung: Die Lernformen bilden eine Hierarchie steigender Komplexität: Habituation ist die einfachste Form (Abnahme der Reaktion auf wiederholten Reiz), einsichtiges Lernen die komplexeste (Problemlösung durch mentale Vorstellung).
Bei der klassischen Konditionierung nach Pawlow wird ein neutraler Reiz mit einem ___ Reiz gekoppelt.
Erklärung: Bei der klassischen Konditionierung wird ein neutraler Reiz (z. B. Glockenton) wiederholt mit einem unbedingten Reiz (z. B. Futter) gepaart. Nach mehrfacher Koppelung löst der zuvor neutrale Reiz allein die Reaktion (Speichelfluss) aus — er wird zum bedingten Reiz.
Was versteht man unter operanter Konditionierung?
Erklärung: Bei der operanten Konditionierung (B.F. Skinner) lernt das Tier, dass bestimmte Verhaltensweisen Konsequenzen haben. Positive Verstärkung (Belohnung) erhöht die Verhaltenshäufigkeit, Bestrafung verringert sie.
Ritualisation bedeutet, dass Verhaltensweisen im Laufe der Evolution zu Signalen umfunktioniert wurden.
Erklärung: Richtig. Bei der Ritualisation werden ursprünglich funktionale Verhaltensweisen (z. B. Putzbewegungen) im Laufe der Evolution zu auffälligen Signalhandlungen umgestaltet, die der Kommunikation dienen (z. B. Balzrituale).
Ordne die vier Fragen Tinbergens zur Analyse von Verhalten.
Erklärung: Tinbergens vier Fragen bilden den Rahmen der modernen Verhaltensbiologie: zwei proximate Fragen (Kausalität, Ontogenese) und zwei ultimate Fragen (Anpassungswert, Phylogenese). Nur zusammen ergeben sie ein vollständiges Bild.
In welchem Jahr erhielten Lorenz, Tinbergen und von Frisch den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin?
Erklärung: 1973 erhielten Konrad Lorenz, Nikolaas Tinbergen und Karl von Frisch gemeinsam den Nobelpreis für ihre Entdeckungen zur Organisation und Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltensmustern.
Die Kommunikation der Honigbienen über Futterquellen durch den Schwänzeltanz wurde von ___ entdeckt.
Erklärung: Karl von Frisch entschlüsselte die Tanzsprache der Bienen: Der Rundtanz zeigt nahe Futterquellen an, der Schwänzeltanz informiert über Richtung und Entfernung weiter entfernter Quellen. Die Tanzachse zeigt die Richtung relativ zum Sonnenstand.
Was versteht man unter Altruismus in der Verhaltensbiologie?
Erklärung: Altruistisches Verhalten verringert die eigene Fitness zugunsten anderer. Es wird oft durch Verwandtenselektion (Hamiltons Regel) erklärt: Altruismus lohnt sich, wenn der Verwandtschaftsgrad × Nutzen für den Empfänger > Kosten für den Altruisten.
Eine Rangordnung in einer Tiergruppe reduziert die Häufigkeit aggressiver Auseinandersetzungen.
Erklärung: Richtig. Nachdem eine Rangordnung etabliert ist, werden Konflikte um Ressourcen (Futter, Paarungspartner) durch Droh- und Demutsgesten statt durch Kämpfe gelöst. Dies reduziert Verletzungsrisiko und Energieaufwand für alle Gruppenmitglieder.
Verhalten, bei dem ein Tier sein Revier gegen Eindringlinge der gleichen Art verteidigt, nennt man ___ Verhalten.
Erklärung: Territoriales Verhalten dient der Sicherung von Ressourcen (Nahrung, Nistplätze, Partner). Die Revierverteidigung erfolgt meist durch Markierung (Gesang, Duftmarken) und ritualisierte Drohungen, selten durch echte Kämpfe.
Ordne die Phasen einer typischen Instinkthandlung.
Erklärung: Das Instinktmodell nach Lorenz/Tinbergen beschreibt eine Handlungskette: Das Tier sucht aktiv nach der auslösenden Reizsituation, der Schlüsselreiz löst über den AAM die stereotype Erbkoordination aus, die in der Endhandlung gipfelt.
Bei der Verwandtenselektion nach Hamilton: Wie hoch ist der Verwandtschaftskoeffizient (r) zwischen Geschwistern (in Prozent)?
Erklärung: Geschwister teilen im Durchschnitt 50 % ihrer Gene (r = 0,5). Nach Hamiltons Regel (r × B > C) lohnt sich altruistisches Verhalten, wenn der Verwandtschaftsgrad mal dem Nutzen für den Empfänger größer ist als die Kosten für den Altruisten.
Welches Verhalten ist einsichtiges Lernen?
Erklärung: Einsicht heißt, die Lösung im Kopf zu finden, bevor man sie ausprobiert (Köhlers Schimpansenversuche). Glocke und Küken sind klassische Konditionierung und Prägung.
Kommentkämpfe sind rituelle Auseinandersetzungen, bei denen Artgenossen ernsthaft verletzt werden.
Erklärung: Falsch. Kommentkämpfe sind ritualisierte Kämpfe mit strengen 'Regeln', die ernsthafte Verletzungen vermeiden. Sie dienen der Rangklärung, ohne Artgenossen zu gefährden. Beispiel: Hirsche verschränken ihr Geweih und schieben sich, stechen aber nicht.
Die Fähigkeit mancher Tiere, durch Beobachtung anderer Individuen neue Verhaltensweisen zu erlernen, nennt man ___.
Erklärung: Nachahmungslernen (Imitation) ermöglicht die schnelle Verbreitung neuer Verhaltensweisen in einer Population. Berühmtes Beispiel: Blaumeisen in England lernten voneinander, Milchflaschen-Deckel zu öffnen.