Verhaltensbiologie

Behavioral Biology

Biologie Klasse 11 19 Aufgaben
VerhaltensbiologieVerhaltenLernenSozialverhaltenKerncurriculum

Verhalten ist ein biologisches Merkmal und lässt sich wie andere Merkmale nach seiner evolutiven Funktion befragen: Ein Verhalten setzt sich durch, weil es dem Träger einen Selektionsvorteil verschafft — nicht, weil das Tier es „will“. Angeborenes Verhalten wird von erlerntem unterschieden, Lernformen werden geordnet (Prägung, Konditionierung, Einsicht), und Sozialverhalten und Kommunikation werden als Anpassungen gedeutet. Die funktionale Frage („wozu nützt es?“) trennt anthropomorphe und teleologische Kurzschlüsse von biologischer Erklärung. Neurobiologie, Lerntheorie und Evolution greifen dabei ineinander.

Leicht
Multiple Choice #1 25s â–¶ Testen

Was versteht man unter einer angeborenen Erbkoordination (Instinkthandlung)?

  • â—Ź Eine genetisch festgelegte, artspezifische Verhaltensfolge, die durch einen SchlĂĽsselreiz ausgelöst wird
  • â—‹ Ein durch Ăśbung erlerntes Verhaltensmuster
  • â—‹ Ein zufälliges Verhalten ohne erkennbares Muster
  • â—‹ Ein Verhalten, das nur bei Jungtieren auftritt
Erbkoordinationen sind angeborene, stereotype Verhaltensweisen, die bei allen Individuen einer Art gleich ablaufen. Sie werden durch spezifische Schlüsselreize über einen angeborenen Auslösemechanismus (AAM) ausgelöst.
LĂĽckentext #2 15s â–¶ Testen

Den spezifischen Reiz, der eine Instinkthandlung auslöst, nennt man ___.

âś“ Antwort: SchlĂĽsselreiz
Schlüsselreize sind bestimmte Merkmale eines Reizkomplexes, die den angeborenen Auslösemechanismus (AAM) aktivieren. Beispiel: Die rote Brust des Rotkehlchens ist ein Schlüsselreiz, der Revierverteidigung bei Artgenossen auslöst.
Wahr / Falsch #3 15s â–¶ Testen

Prägung ist ein Lernvorgang, der nur in einer bestimmten sensiblen Phase stattfinden kann und danach irreversibel ist.

âś“ Wahr
Richtig. Prägung (z. B. Nachfolgeprägung bei Graugänsen, beschrieben von Konrad Lorenz) ist auf eine sensible Phase kurz nach dem Schlüpfen/der Geburt beschränkt. Das geprägte Verhalten ist danach nicht mehr veränderbar.
Multiple Choice #4 20s â–¶ Testen

Welcher Verhaltensforscher prägte den Begriff 'Nachfolgeprägung' bei Graugänsen?

  • â—Ź Konrad Lorenz
  • â—‹ Nikolaas Tinbergen
  • â—‹ Karl von Frisch
  • â—‹ Charles Darwin
Konrad Lorenz erforschte die Nachfolgeprägung bei Graugänsen und erhielt dafür 1973 zusammen mit Tinbergen und von Frisch den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Die Küken prägten sich auf das erste bewegte Objekt, das sie nach dem Schlüpfen sahen.
LĂĽckentext #5 20s â–¶ Testen

Die Kommunikation der Honigbienen über Futterquellen durch den Schwänzeltanz wurde von ___ entdeckt.

âś“ Antwort: Karl von Frisch
Karl von Frisch entschlüsselte die Tanzsprache der Bienen: Der Rundtanz zeigt nahe Futterquellen an, der Schwänzeltanz informiert über Richtung und Entfernung weiter entfernter Quellen. Die Tanzachse zeigt die Richtung relativ zum Sonnenstand.
Wahr / Falsch #6 15s â–¶ Testen

Eine Rangordnung in einer Tiergruppe reduziert die Häufigkeit aggressiver Auseinandersetzungen.

âś“ Wahr
Richtig. Nachdem eine Rangordnung etabliert ist, werden Konflikte um Ressourcen (Futter, Paarungspartner) durch Droh- und Demutsgesten statt durch Kämpfe gelöst. Dies reduziert Verletzungsrisiko und Energieaufwand für alle Gruppenmitglieder.
LĂĽckentext #7 15s â–¶ Testen

Verhalten, bei dem ein Tier sein Revier gegen Eindringlinge der gleichen Art verteidigt, nennt man ___ Verhalten.

âś“ Antwort: territoriales
Territoriales Verhalten dient der Sicherung von Ressourcen (Nahrung, Nistplätze, Partner). Die Revierverteidigung erfolgt meist durch Markierung (Gesang, Duftmarken) und ritualisierte Drohungen, selten durch echte Kämpfe.
Multiple Choice #8 20s â–¶ Testen

Welches Verhalten ist einsichtiges Lernen?

  • â—Ź Ein Schimpanse stapelt Kisten, um an eine hoch hängende Banane zu gelangen
  • â—‹ Ein Hund speichelt beim Klang einer Glocke
  • â—‹ Ein KĂĽken folgt dem ersten bewegten Objekt
Einsicht heißt, die Lösung im Kopf zu finden, bevor man sie ausprobiert (Köhlers Schimpansenversuche). Glocke und Küken sind klassische Konditionierung und Prägung.
Mittel
Sortieren #1 30s â–¶ Testen

Ordne die Lernformen von einfach nach komplex.

✓ Antwort: Habituation (Gewöhnung), Klassische Konditionierung, Operante Konditionierung, Nachahmungslernen (Imitation), Einsichtiges Lernen
Die Lernformen bilden eine Hierarchie steigender Komplexität: Habituation ist die einfachste Form (Abnahme der Reaktion auf wiederholten Reiz), einsichtiges Lernen die komplexeste (Problemlösung durch mentale Vorstellung).
LĂĽckentext #2 20s â–¶ Testen

Bei der klassischen Konditionierung nach Pawlow wird ein neutraler Reiz mit einem ___ Reiz gekoppelt.

âś“ Antwort: unbedingten
Bei der klassischen Konditionierung wird ein neutraler Reiz (z. B. Glockenton) wiederholt mit einem unbedingten Reiz (z. B. Futter) gepaart. Nach mehrfacher Koppelung löst der zuvor neutrale Reiz allein die Reaktion (Speichelfluss) aus — er wird zum bedingten Reiz.
Multiple Choice #3 25s â–¶ Testen

Was versteht man unter operanter Konditionierung?

  • â—Ź Lernen durch Verstärkung oder Bestrafung der Konsequenzen eines Verhaltens
  • â—‹ Angeborene Reaktion auf einen SchlĂĽsselreiz
  • â—‹ Nachahmung des Verhaltens eines Artgenossen
  • â—‹ Gewöhnung an einen wiederholt auftretenden Reiz
Bei der operanten Konditionierung (B.F. Skinner) lernt das Tier, dass bestimmte Verhaltensweisen Konsequenzen haben. Positive Verstärkung (Belohnung) erhöht die Verhaltenshäufigkeit, Bestrafung verringert sie.
Wahr / Falsch #4 20s â–¶ Testen

Ritualisation bedeutet, dass Verhaltensweisen im Laufe der Evolution zu Signalen umfunktioniert wurden.

âś“ Wahr
Richtig. Bei der Ritualisation werden ursprünglich funktionale Verhaltensweisen (z. B. Putzbewegungen) im Laufe der Evolution zu auffälligen Signalhandlungen umgestaltet, die der Kommunikation dienen (z. B. Balzrituale).
Zahleneingabe #5 15s â–¶ Testen

In welchem Jahr erhielten Lorenz, Tinbergen und von Frisch den Nobelpreis fĂĽr Physiologie oder Medizin?

âś“ Antwort: 1973
1973 erhielten Konrad Lorenz, Nikolaas Tinbergen und Karl von Frisch gemeinsam den Nobelpreis für ihre Entdeckungen zur Organisation und Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltensmustern.
Multiple Choice #6 25s â–¶ Testen

Was versteht man unter Altruismus in der Verhaltensbiologie?

  • â—Ź Verhalten, das dem Empfänger nĂĽtzt, aber dem AusfĂĽhrenden Kosten verursacht
  • â—‹ Aggressives Verhalten gegenĂĽber Artfremden
  • â—‹ Revierverteidigung zum eigenen Vorteil
  • â—‹ Fluchtverhalten bei Gefahr
Altruistisches Verhalten verringert die eigene Fitness zugunsten anderer. Es wird oft durch Verwandtenselektion (Hamiltons Regel) erklärt: Altruismus lohnt sich, wenn der Verwandtschaftsgrad × Nutzen für den Empfänger > Kosten für den Altruisten.
Sortieren #7 30s â–¶ Testen

Ordne die Phasen einer typischen Instinkthandlung.

✓ Antwort: Appetenzverhalten (Suche nach dem Reiz), Wahrnehmung des Schlüsselreizes, Angeborener Auslösemechanismus (AAM) wird aktiviert, Erbkoordination (stereotype Handlung), Endhandlung und Triebbefriedigung
Das Instinktmodell nach Lorenz/Tinbergen beschreibt eine Handlungskette: Das Tier sucht aktiv nach der auslösenden Reizsituation, der Schlüsselreiz löst über den AAM die stereotype Erbkoordination aus, die in der Endhandlung gipfelt.
Wahr / Falsch #8 15s â–¶ Testen

Kommentkämpfe sind rituelle Auseinandersetzungen, bei denen Artgenossen ernsthaft verletzt werden.

âś“ Falsch
Falsch. Kommentkämpfe sind ritualisierte Kämpfe mit strengen 'Regeln', die ernsthafte Verletzungen vermeiden. Sie dienen der Rangklärung, ohne Artgenossen zu gefährden. Beispiel: Hirsche verschränken ihr Geweih und schieben sich, stechen aber nicht.
Schwer
Sortieren #1 30s â–¶ Testen

Ordne die vier Fragen Tinbergens zur Analyse von Verhalten.

✓ Antwort: Verursachung (Kausalität): Welche Mechanismen lösen das Verhalten aus?, Ontogenese: Wie entwickelt sich das Verhalten im Laufe des Lebens?, Anpassungswert: Welchen Überlebensvorteil bietet das Verhalten?, Phylogenese: Wie hat sich das Verhalten in der Stammesgeschichte entwickelt?
Tinbergens vier Fragen bilden den Rahmen der modernen Verhaltensbiologie: zwei proximate Fragen (Kausalität, Ontogenese) und zwei ultimate Fragen (Anpassungswert, Phylogenese). Nur zusammen ergeben sie ein vollständiges Bild.
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Bei der Verwandtenselektion nach Hamilton: Wie hoch ist der Verwandtschaftskoeffizient (r) zwischen Geschwistern (in Prozent)?

âś“ Antwort: 50
Geschwister teilen im Durchschnitt 50 % ihrer Gene (r = 0,5). Nach Hamiltons Regel (r × B > C) lohnt sich altruistisches Verhalten, wenn der Verwandtschaftsgrad mal dem Nutzen für den Empfänger größer ist als die Kosten für den Altruisten.
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Die Fähigkeit mancher Tiere, durch Beobachtung anderer Individuen neue Verhaltensweisen zu erlernen, nennt man ___.

âś“ Antwort: Nachahmungslernen
Nachahmungslernen (Imitation) ermöglicht die schnelle Verbreitung neuer Verhaltensweisen in einer Population. Berühmtes Beispiel: Blaumeisen in England lernten voneinander, Milchflaschen-Deckel zu öffnen.