Chemisches Gleichgewicht und Massenwirkungsgesetz
Was kennzeichnet ein chemisches Gleichgewicht?
ErklĂ€rung: Im Gleichgewicht ("dynamisches Gleichgewicht") reagieren weiterhin Teilchen â nur genauso viele in jede Richtung. Symbol: Doppelpfeil â. Die Konzentrationen sind konstant, aber nicht zwingend gleich.
FĂŒr die Reaktion aA + bB â cC + dD lautet das Massenwirkungsgesetz K = ___ / [A]^a [B]^b.
ErklĂ€rung: Das Massenwirkungsgesetz (Guldberg & Waage 1864) verknĂŒpft Konzentrationen im Gleichgewicht: K_c = [C]^c [D]^d / [A]^a [B]^b. Die Gleichgewichtskonstante K hĂ€ngt nur von der Temperatur ab. GroĂes K â Produkte ĂŒberwiegen; kleines K â Edukte ĂŒberwiegen.
Was sagt das Prinzip von Le Chatelier ("Prinzip des kleinsten Zwangs")?
ErklÀrung: Beispiele: Erhöht man die Konzentration eines Edukts, lÀuft die Hinreaktion bevorzugt; entfernt man ein Produkt, lÀuft die Hinreaktion bevorzugt; erhöht man den Druck, weicht das System in die Richtung mit weniger Gas-Teilchen aus; bei exothermer Reaktion verschiebt höhere Temperatur das Gleichgewicht nach links.
Bei der Ammoniaksynthese Nâ + 3 Hâ â 2 NHâ (exotherm) â wie verschiebt eine Temperaturerhöhung das Gleichgewicht?
ErklĂ€rung: Hinreaktion: exotherm (gibt WĂ€rme ab). Le Chatelier: Bei Temperaturerhöhung wird die WĂ€rme aufnehmende, also endotherme Richtung bevorzugt â das ist hier die RĂŒckreaktion. TatsĂ€chlich arbeitet das Haber-Bosch-Verfahren bei 400â500 °C: ein Kompromiss zwischen Geschwindigkeit (hoch) und Ausbeute (niedrig).
Bei der Ammoniaksynthese werden 4 Mol Gas (1 Nâ + 3 Hâ) zu 2 Mol Gas (2 NHâ). Wie wirkt sich eine Druckerhöhung aus?
ErklĂ€rung: Le Chatelier "weicht aus" der Erhöhung â bei Druck steht das System in Richtung weniger Gas-Mol unter Druck. Daher arbeitet Haber-Bosch bei 200â300 bar. Höhere DrĂŒcke wĂ€ren besser, sind technisch aber sehr teuer (GefĂ€ĂwandstĂ€rke, Sicherheit).
Ein Katalysator verschiebt die Lage eines chemischen Gleichgewichts.
ErklĂ€rung: Falsch. Ein Katalysator beschleunigt Hin- und RĂŒckreaktion gleichermaĂen â das System erreicht das Gleichgewicht schneller, aber dessen Lage bleibt unverĂ€ndert. Will man die Ausbeute beeinflussen, braucht es Druck-, Temperatur- oder KonzentrationsĂ€nderungen nach Le Chatelier.
Was bedeutet eine sehr groĂe Gleichgewichtskonstante (K â« 1)?
ErklĂ€rung: K = [Produkte]^... / [Edukte]^.... GroĂer Wert â der ZĂ€hler dominiert. Beispiel HCl-Dissoziation in Wasser hat K ~ 10â¶ â praktisch alles dissoziiert. Achtung Dim. Mismatch â K sagt nur etwas ĂŒber die *Lage*, nicht ĂŒber die *Geschwindigkeit* aus. Eine Reaktion mit groĂem K kann trotzdem extrem langsam sein (z. B. Verbrennung von Diamant).
Im Gleichgewicht der Reaktion Hâ + Iâ â 2 HI gilt: [Hâ] = 0,1 mol/L, [Iâ] = 0,1 mol/L, [HI] = 0,8 mol/L. Berechne K_c.
ErklĂ€rung: K_c = [HI]ÂČ / ([Hâ]·[Iâ]) = (0,8)ÂČ / (0,1 · 0,1) = 0,64 / 0,01 = 64. Hinweis zur Einheit: Da bei dieser Reaktion auf beiden Seiten zwei Mol-Gas stehen, kĂŒrzen sich die Einheiten weg â K_c ist dimensionslos.
Was ist ein "geschlossenes System" im Sinne der Gleichgewichtschemie?
ErklĂ€rung: In offenen Systemen (z. B. Kochtopf ohne Deckel) entweichen Produkte stĂ€ndig â die RĂŒckreaktion findet kaum statt, das System lĂ€uft praktisch nur in eine Richtung. Erst im geschlossenen Kolben können Hin- und RĂŒckreaktion einander einholen und ein Gleichgewicht entstehen.