Chemisches Gleichgewicht und Massenwirkungsgesetz

Chemical Equilibrium and Law of Mass Action

Chemie Klasse 11 9 Aufgaben
GleichgewichtLe ChatelierMassenwirkungsgesetzKerncurriculum

Im Gleichgewicht passiert nicht nichts — Hin- und RĂŒckreaktion laufen gleich schnell weiter. Die Kinder formulieren das Massenwirkungsgesetz, lesen aus K ab, auf welcher Seite das Gleichgewicht liegt, und sagen mit dem Prinzip von Le Chatelier voraus, wie Druck, Temperatur und Konzentration es verschieben — am Beispiel der Ammoniaksynthese, deren DĂŒnger die halbe Menschheit ernĂ€hrt (Haber-Bosch; Geschichte, Geographie). Zwei dokumentierte Fehlvorstellungen stehen im Zentrum: das Gleichgewicht sei ein Stillstand, und ein Katalysator verschiebe seine Lage (Van Driel & GrĂ€ber 2002). Bereitet SĂ€ure-Base- und Redoxgleichgewichte vor.

Mittel
Multiple Choice #1 30s ▶ Testen

Was kennzeichnet ein chemisches Gleichgewicht?

  • ● Hin- und RĂŒckreaktion laufen mit gleicher Geschwindigkeit ab; die Konzentrationen von Edukten und Produkten Ă€ndern sich makroskopisch nicht mehr.
  • ○ Die Reaktion ist abgeschlossen, alle Edukte sind verbraucht.
  • ○ Es findet keine Reaktion mehr statt.
  • ○ Die Konzentrationen aller Stoffe sind gleich groß.
Im Gleichgewicht ("dynamisches Gleichgewicht") reagieren weiterhin Teilchen — nur genauso viele in jede Richtung. Symbol: Doppelpfeil ⇌. Die Konzentrationen sind konstant, aber nicht zwingend gleich.
Multiple Choice #2 35s ▶ Testen

Was sagt das Prinzip von Le Chatelier ("Prinzip des kleinsten Zwangs")?

  • ● Übt man Druck-, Temperatur- oder KonzentrationsĂ€nderungen auf ein Gleichgewicht aus, so weicht es so aus, dass es dem Zwang ausweicht.
  • ○ Ein Gleichgewicht Ă€ndert sich nie.
  • ○ Druck hat auf Gleichgewichte keinen Einfluss.
  • ○ Die Temperatur verschiebt das Gleichgewicht immer nach rechts.
Beispiele: Erhöht man die Konzentration eines Edukts, lÀuft die Hinreaktion bevorzugt; entfernt man ein Produkt, lÀuft die Hinreaktion bevorzugt; erhöht man den Druck, weicht das System in die Richtung mit weniger Gas-Teilchen aus; bei exothermer Reaktion verschiebt höhere Temperatur das Gleichgewicht nach links.
Wahr / Falsch #3 20s ▶ Testen

Ein Katalysator verschiebt die Lage eines chemischen Gleichgewichts.

✓ Falsch
Falsch. Ein Katalysator beschleunigt Hin- und RĂŒckreaktion gleichermaßen — das System erreicht das Gleichgewicht schneller, aber dessen Lage bleibt unverĂ€ndert. Will man die Ausbeute beeinflussen, braucht es Druck-, Temperatur- oder KonzentrationsĂ€nderungen nach Le Chatelier.
Multiple Choice #4 25s ▶ Testen

Was ist ein "geschlossenes System" im Sinne der Gleichgewichtschemie?

  • ● Ein System, das mit der Umgebung Energie, aber keine Stoffe austauscht — Voraussetzung dafĂŒr, dass sich ĂŒberhaupt ein Gleichgewicht einstellen kann.
  • ○ Ein System ohne Reaktionen.
  • ○ Ein System aus festen Stoffen.
  • ○ Ein System ohne Volumen.
In offenen Systemen (z. B. Kochtopf ohne Deckel) entweichen Produkte stĂ€ndig — die RĂŒckreaktion findet kaum statt, das System lĂ€uft praktisch nur in eine Richtung. Erst im geschlossenen Kolben können Hin- und RĂŒckreaktion einander einholen und ein Gleichgewicht entstehen.
Schwer
LĂŒckentext #1 25s ▶ Testen

FĂŒr die Reaktion aA + bB ⇌ cC + dD lautet das Massenwirkungsgesetz K = ___ / [A]^a [B]^b.

✓ Antwort: [C]^c [D]^d
Das Massenwirkungsgesetz (Guldberg & Waage 1864) verknĂŒpft Konzentrationen im Gleichgewicht: K_c = [C]^c [D]^d / [A]^a [B]^b. Die Gleichgewichtskonstante K hĂ€ngt nur von der Temperatur ab. Großes K → Produkte ĂŒberwiegen; kleines K → Edukte ĂŒberwiegen.
Multiple Choice #2 35s ▶ Testen

Bei der Ammoniaksynthese N₂ + 3 H₂ ⇌ 2 NH₃ (exotherm) — wie verschiebt eine Temperaturerhöhung das Gleichgewicht?

  • ● Nach links (zu den Edukten) — die Ausbeute an NH₃ sinkt.
  • ○ Nach rechts — die Ausbeute steigt.
  • ○ Gar nicht.
  • ○ NH₃ zerfĂ€llt explosionsartig.
Hinreaktion: exotherm (gibt WĂ€rme ab). Le Chatelier: Bei Temperaturerhöhung wird die WĂ€rme aufnehmende, also endotherme Richtung bevorzugt — das ist hier die RĂŒckreaktion. TatsĂ€chlich arbeitet das Haber-Bosch-Verfahren bei 400–500 °C: ein Kompromiss zwischen Geschwindigkeit (hoch) und Ausbeute (niedrig).
Multiple Choice #3 35s ▶ Testen

Bei der Ammoniaksynthese werden 4 Mol Gas (1 N₂ + 3 H₂) zu 2 Mol Gas (2 NH₃). Wie wirkt sich eine Druckerhöhung aus?

  • ● Das Gleichgewicht verschiebt sich nach rechts — weniger Gasteilchen senken den Druck. Die NH₃-Ausbeute steigt.
  • ○ Nach links — mehr Edukte bilden sich.
  • ○ Druck hat keinen Einfluss.
  • ○ NH₃ wird zerstört.
Le Chatelier "weicht aus" der Erhöhung — bei Druck steht das System in Richtung weniger Gas-Mol unter Druck. Daher arbeitet Haber-Bosch bei 200–300 bar. Höhere DrĂŒcke wĂ€ren besser, sind technisch aber sehr teuer (GefĂ€ĂŸwandstĂ€rke, Sicherheit).
Multiple Choice #4 30s ▶ Testen

Was bedeutet eine sehr große Gleichgewichtskonstante (K ≫ 1)?

  • ● Das Gleichgewicht liegt fast vollstĂ€ndig auf der Seite der Produkte.
  • ○ Die Reaktion lĂ€uft sehr schnell ab.
  • ○ Es entsteht viel WĂ€rme.
  • ○ Die Reaktion ist umkehrbar.
K = [Produkte]^... / [Edukte]^.... Großer Wert → der ZĂ€hler dominiert. Beispiel HCl-Dissoziation in Wasser hat K ~ 10⁶ — praktisch alles dissoziiert. Achtung Dim. Mismatch — K sagt nur etwas ĂŒber die *Lage*, nicht ĂŒber die *Geschwindigkeit* aus. Eine Reaktion mit großem K kann trotzdem extrem langsam sein (z. B. Verbrennung von Diamant).
Zahleneingabe #5 60s ▶ Testen

Im Gleichgewicht der Reaktion H₂ + I₂ ⇌ 2 HI gilt: [H₂] = 0,1 mol/L, [I₂] = 0,1 mol/L, [HI] = 0,8 mol/L. Berechne K_c.

✓ Antwort: 64
K_c = [HI]ÂČ / ([H₂]·[I₂]) = (0,8)ÂČ / (0,1 · 0,1) = 0,64 / 0,01 = 64. Hinweis zur Einheit: Da bei dieser Reaktion auf beiden Seiten zwei Mol-Gas stehen, kĂŒrzen sich die Einheiten weg — K_c ist dimensionslos.