Gewissen und Verantwortung
Lena will ihrer Freundin eine Freude machen und erledigt heimlich deren Englisch-Hausaufgabe. Die Freundin bekommt Ärger, als die Lehrerin es merkt. Was ist hier die Absicht?
Erklärung: Die Absicht ist, was Lena erreichen will. Das heimliche Erledigen ist ihr Mittel, der Ärger eine Folge, die sie nicht wollte, aber hätte absehen können.
Tarek sagt der Lehrerin, wer das Fenster eingeworfen hat, damit nicht die ganze Klasse nachsitzen muss. Sein Freund ist jetzt sauer auf ihn. Was ist hier die Absicht?
Erklärung: „Damit" zeigt die Absicht an. Den Namen zu sagen ist das Mittel, der verärgerte Freund eine Folge. Ob Tarek richtig gehandelt hat, ist eine andere, offene Frage.
Ben will Geld fĂĽr die Klassenkasse sammeln und verkauft dafĂĽr in der Pause Kuchen, den seine Oma gebacken hat. Am Ende sind 80 Euro in der Kasse. Was ist hier das Mittel?
Erklärung: Das Mittel ist der Weg, auf dem Ben sein Ziel erreichen will. Das Sammeln ist die Absicht, die 80 Euro sind die Folge.
Kurz bevor Elif ihre Eltern anschwindelt, hört sie in sich die Stimme ihres Vaters: „So etwas tun wir nicht." Welche Deutung des Gewissens passt zu dieser Szene?
Erklärung: Bei Freud ist das Gewissen das Über-Ich: die verinnerlichten Gebote der Eltern, die sich als innere Stimme melden.
Nach einem Streit geht Malte in Gedanken vor wie vor Gericht: Was spricht gegen mich, was für mich — und wie lautet das Urteil? Welche Deutung des Gewissens passt zu dieser Szene?
Erklärung: Kant beschreibt das Gewissen als inneren Gerichtshof, in dem man zugleich Angeklagter und Richter ist.
Seit Can in einem FuĂźballverein spielt, in dem Fairplay groĂźgeschrieben wird, plagt ihn jedes Foul, das er frĂĽher lustig fand. Welche Deutung des Gewissens passt zu dieser Szene?
Erklärung: Cans Gewissen hat sich durch eine neue Gruppe verändert. Das zeigt: Das Gewissen ist nicht von Geburt an fertig, es wird geprägt.
Ole hat am Kiosk zu viel Wechselgeld bekommen und behalten. Er sagt sich: „Der Kiosk verdient doch genug, und es war ja sein Fehler." Wie wehrt Ole das schlechte Gewissen ab?
Erklärung: Ole erfindet nachträglich vernünftig klingende Gründe für das, was er getan hat — das ist Rationalisierung. Verdrängen hieße, nicht mehr daran zu denken.
Lea hat ihrer Freundin etwas Gemeines geschrieben. Sie denkt einfach nicht mehr daran, und nach einer Woche fällt es ihr nicht mehr ein. Wie wehrt Lea das schlechte Gewissen ab?
Erklärung: Lea schiebt die unangenehme Erinnerung aus dem Bewusstsein — Verdrängung. Sie sucht keine Ausreden (Rationalisierung) und streitet die Tat nicht ab (Leugnung).
Lisa sieht, wie ein MitschĂĽler im Bus immer wieder geschubst wird, und sagt nichts. Welche Verantwortung ist hier berĂĽhrt?
Erklärung: Auch Nicht-Handeln kann man verantworten müssen, wenn man hätte helfen können. Wie viel Lisa hätte tun sollen, ist damit noch nicht entschieden.
Beim Wandertag lässt Jan seinen Müll im Wald liegen, niemand hat es gesehen. Welche Verantwortung ist hier berührt?
Erklärung: Der Wald gehört allen, der Müll trifft andere und die Natur. Verantwortung hängt nicht davon ab, ob jemand zuschaut.
Das Grundgesetz schĂĽtzt das Recht, den Kriegsdienst mit der Waffe aus GewissensgrĂĽnden zu verweigern.
Erklärung: Artikel 4 Absatz 3 GG. Das Gewissen ist hier ausdrücklich als Grund anerkannt, einer staatlichen Pflicht nicht zu folgen.
Mit welchem Satz verteidigten sich viele Angeklagte in den NĂĽrnberger Prozessen 1945/46?
Erklärung: Das Gericht ließ das nicht gelten: Ein Befehl hebt die eigene Verantwortung für Verbrechen nicht auf.
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„Ich habe nur getan, was man mir gesagt hat." Entlastet das von Verantwortung? Überlege, unter welchen Bedingungen ein Befehl mehr oder weniger entlastet, und welche Rolle das eigene Gewissen dabei spielt.
Frage beantworten
Du hast gesehen, wer die Schultoilette beschmiert hat — es war dein bester Freund. Wenn sich niemand meldet, muss die ganze Klasse nachsitzen. Was würdest du tun? Nenne, wer von deiner Entscheidung betroffen ist, und was dein Gewissen dir in beide Richtungen sagt.