Gewissen und Verantwortung

Conscience and responsibility

14 Aufgaben
EthikGewissenVerantwortungFreiheit

Die Schülerin zerlegt kurze Szenen in Absicht, Mittel und Folgen einer Handlung und erkennt, dass man auch für das Unterlassen und für vorhersehbare, nicht gewollte Folgen einstehen muss. Sie ordnet Gewissenserfahrungen den Deutungen zu, die der Lehrplan nennt: der innere Gerichtshof bei Kant (Metaphysik der Sitten, 1797), das Über-Ich als verinnerlichte Elternstimme bei Freud, die Prägung durch die Gruppe (Sozialisation) — und erkennt Abwehrformen wie Rationalisierung und Verdrängung. Abgebaut wird das Fehlbild vom Gewissen als fertiger, unfehlbarer Stimme: Es bildet sich, kann irren und sich ändern. Wie wenig ein Befehl von Verantwortung entlastet, zeigen die Nürnberger Prozesse und Art. 4 Abs. 3 GG; Milgrams Gehorsamsversuche (Milgram 1963, Anlass: der Eichmann-Prozess) machen sichtbar, wie stark der Sog von Autorität ist. Ob man im Einzelfall dem Gewissen gegen eine Anweisung folgen sollte, bleibt offen und wird im Dilemma-Gespräch begründet (Martens 2003). LehrplanPLUS Gymnasium Ethik 9, LB 2 „Gewissen und Verantwortung": ziehen Erklärungsmodelle zur Bildung des Gewissens heran; analysieren Absicht, Mittel, Umstände und Folgen einer Handlung; werden sich ihrer Verantwortung gegenüber sich selbst, anderen und der Gesellschaft bewusst. Bereitet vor: `ethik.medizinethik` (Verantwortung für Folgen, Unterlassen bei der Sterbehilfe), `ethik.politische-ethik` (Gewissen gegen Gesetz: ziviler Ungehorsam) und `geschichte.grade9.holocaust`.

Leicht
Multiple Choice #1 18s â–¶ Testen

Lena will ihrer Freundin eine Freude machen und erledigt heimlich deren Englisch-Hausaufgabe. Die Freundin bekommt Ärger, als die Lehrerin es merkt. Was ist hier die Absicht?

  • â—Ź der Freundin eine Freude machen
  • â—‹ heimlich die Hausaufgabe erledigen
  • â—‹ die Freundin bekommt Ă„rger
Die Absicht ist, was Lena erreichen will. Das heimliche Erledigen ist ihr Mittel, der Ärger eine Folge, die sie nicht wollte, aber hätte absehen können.
Multiple Choice #2 15s â–¶ Testen

Ben will Geld fĂĽr die Klassenkasse sammeln und verkauft dafĂĽr in der Pause Kuchen, den seine Oma gebacken hat. Am Ende sind 80 Euro in der Kasse. Was ist hier das Mittel?

  • â—Ź in der Pause Kuchen verkaufen
  • â—‹ Geld fĂĽr die Klassenkasse sammeln
  • â—‹ 80 Euro in der Kasse
Das Mittel ist der Weg, auf dem Ben sein Ziel erreichen will. Das Sammeln ist die Absicht, die 80 Euro sind die Folge.
Multiple Choice #3 15s â–¶ Testen

Beim Wandertag lässt Jan seinen Müll im Wald liegen, niemand hat es gesehen. Welche Verantwortung ist hier berührt?

  • â—Ź Verantwortung gegenĂĽber der Gesellschaft und der Natur
  • â—‹ Verantwortung nur gegenĂĽber sich selbst
  • â—‹ keine, weil es niemand gesehen hat
Der Wald gehört allen, der Müll trifft andere und die Natur. Verantwortung hängt nicht davon ab, ob jemand zuschaut.
Mittel
Multiple Choice #1 18s â–¶ Testen

Tarek sagt der Lehrerin, wer das Fenster eingeworfen hat, damit nicht die ganze Klasse nachsitzen muss. Sein Freund ist jetzt sauer auf ihn. Was ist hier die Absicht?

  • â—Ź verhindern, dass die ganze Klasse nachsitzt
  • â—‹ der Lehrerin den Namen sagen
  • â—‹ der Freund ist sauer
„Damit" zeigt die Absicht an. Den Namen zu sagen ist das Mittel, der verärgerte Freund eine Folge. Ob Tarek richtig gehandelt hat, ist eine andere, offene Frage.
Multiple Choice #2 18s â–¶ Testen

Kurz bevor Elif ihre Eltern anschwindelt, hört sie in sich die Stimme ihres Vaters: „So etwas tun wir nicht." Welche Deutung des Gewissens passt zu dieser Szene?

  • â—Ź Ăśber-Ich (Freud)
  • â—‹ innerer Gerichtshof (Kant)
  • â—‹ Prägung durch die Gruppe (Sozialisation)
Bei Freud ist das Gewissen das Ăśber-Ich: die verinnerlichten Gebote der Eltern, die sich als innere Stimme melden.
Multiple Choice #3 18s â–¶ Testen

Nach einem Streit geht Malte in Gedanken vor wie vor Gericht: Was spricht gegen mich, was für mich — und wie lautet das Urteil? Welche Deutung des Gewissens passt zu dieser Szene?

  • â—Ź innerer Gerichtshof (Kant)
  • â—‹ Ăśber-Ich (Freud)
  • â—‹ Prägung durch die Gruppe (Sozialisation)
Kant beschreibt das Gewissen als inneren Gerichtshof, in dem man zugleich Angeklagter und Richter ist.
Multiple Choice #4 18s â–¶ Testen

Seit Can in einem FuĂźballverein spielt, in dem Fairplay groĂźgeschrieben wird, plagt ihn jedes Foul, das er frĂĽher lustig fand. Welche Deutung des Gewissens passt zu dieser Szene?

  • â—Ź Prägung durch die Gruppe (Sozialisation)
  • â—‹ innerer Gerichtshof (Kant)
  • â—‹ Ăśber-Ich (Freud)
Cans Gewissen hat sich durch eine neue Gruppe verändert. Das zeigt: Das Gewissen ist nicht von Geburt an fertig, es wird geprägt.
Multiple Choice #5 18s â–¶ Testen

Ole hat am Kiosk zu viel Wechselgeld bekommen und behalten. Er sagt sich: „Der Kiosk verdient doch genug, und es war ja sein Fehler." Wie wehrt Ole das schlechte Gewissen ab?

  • â—Ź Rationalisierung
  • â—‹ Verdrängung
  • â—‹ Leugnung
Ole erfindet nachträglich vernünftig klingende Gründe für das, was er getan hat — das ist Rationalisierung. Verdrängen hieße, nicht mehr daran zu denken.
Multiple Choice #6 18s â–¶ Testen

Lea hat ihrer Freundin etwas Gemeines geschrieben. Sie denkt einfach nicht mehr daran, und nach einer Woche fällt es ihr nicht mehr ein. Wie wehrt Lea das schlechte Gewissen ab?

  • â—Ź Verdrängung
  • â—‹ Rationalisierung
  • â—‹ Leugnung
Lea schiebt die unangenehme Erinnerung aus dem Bewusstsein — Verdrängung. Sie sucht keine Ausreden (Rationalisierung) und streitet die Tat nicht ab (Leugnung).
Multiple Choice #7 15s â–¶ Testen

Lisa sieht, wie ein MitschĂĽler im Bus immer wieder geschubst wird, und sagt nichts. Welche Verantwortung ist hier berĂĽhrt?

  • â—Ź Verantwortung fĂĽr ein Unterlassen
  • â—‹ Verantwortung fĂĽr eine eigene Tat
  • â—‹ keine, weil Lisa nichts getan hat
Auch Nicht-Handeln kann man verantworten müssen, wenn man hätte helfen können. Wie viel Lisa hätte tun sollen, ist damit noch nicht entschieden.
Wahr / Falsch #8 10s â–¶ Testen

Das Grundgesetz schĂĽtzt das Recht, den Kriegsdienst mit der Waffe aus GewissensgrĂĽnden zu verweigern.

âś“ Wahr
Artikel 4 Absatz 3 GG. Das Gewissen ist hier ausdrĂĽcklich als Grund anerkannt, einer staatlichen Pflicht nicht zu folgen.
Multiple Choice #9 12s â–¶ Testen

Mit welchem Satz verteidigten sich viele Angeklagte in den NĂĽrnberger Prozessen 1945/46?

  • â—Ź „Ich habe nur Befehle befolgt."
  • â—‹ „Ich habe nach meinem Gewissen gehandelt."
  • â—‹ „Ich war zu der Zeit gar nicht im Amt."
Das Gericht lieĂź das nicht gelten: Ein Befehl hebt die eigene Verantwortung fĂĽr Verbrechen nicht auf.
Schwer
KI-bewertete Frage #1 190s â–¶ Testen

„Ich habe nur getan, was man mir gesagt hat." Entlastet das von Verantwortung? Überlege, unter welchen Bedingungen ein Befehl mehr oder weniger entlastet, und welche Rolle das eigene Gewissen dabei spielt.

✓ Antwort: Ein Befehl kann teilweise entlasten, etwa wenn man nicht wissen konnte, dass etwas Unrecht ist, oder wenn man stark bedroht wurde. Wer aber erkennen konnte, dass etwas Unrecht ist, und anders hätte handeln können, bleibt mitverantwortlich. Das Gewissen ist die Stelle, an der man auch eine Anordnung prüft. Im Alltag ist es schwieriger: Eine Schulregel, die ich unsinnig finde, darf ich nicht einfach brechen.
KI-bewertete Frage #2 180s â–¶ Testen

Du hast gesehen, wer die Schultoilette beschmiert hat — es war dein bester Freund. Wenn sich niemand meldet, muss die ganze Klasse nachsitzen. Was würdest du tun? Nenne, wer von deiner Entscheidung betroffen ist, und was dein Gewissen dir in beide Richtungen sagt.

âś“ Antwort: Betroffen sind mein Freund, die ganze Klasse, die unschuldig nachsitzen mĂĽsste, der Hausmeister, der putzen muss, und ich selbst. Mein Gewissen sagt mir einerseits, dass es unfair ist, wenn alle fĂĽr einen bestraft werden, andererseits, dass ich meinen Freund nicht verraten will. Ich wĂĽrde zuerst mit ihm reden und ihn bitten, sich selbst zu melden.