Argument und BegrĂĽndung (Meta-Ethik)
Mila sagt: „Am Samstag haben die meisten Eltern frei. Das Schulfest sollte am Samstag sein. Letztes Jahr kamen am Freitag nur wenige." Welcher Satz ist die Behauptung, die begründet werden soll?
Erklärung: Die Behauptung ist das, wofür die anderen Sätze sprechen — sie muss nicht am Anfang stehen. Die beiden anderen Sätze sind Gründe dafür.
Ole schreibt im Klassenchat: „Der Ausflug ins Deutsche Museum dauert mit der S-Bahn nur 20 Minuten. Er kostet keinen Eintritt für Schulklassen. Wir sollten ins Deutsche Museum fahren." Welcher Satz ist die Behauptung, die begründet werden soll?
Erklärung: Hier steht die Behauptung am Ende. Fahrzeit und Eintritt sind die Gründe, auf die sie sich stützt.
Emre: „Ich sage Oma, dass ich die Vase kaputt gemacht habe. Lügen darf man nicht, ganz egal, was dann passiert." Welche Art von Grund nennt Emre?
Erklärung: „Ganz egal, was dann passiert" schließt die Folgen ausdrücklich aus. Emre beruft sich auf ein Gebot, das immer gilt — ein Pflicht-Grund, wie ihn Kant vertritt.
Hannah: „Mit Schuluniform würde weniger über Markenklamotten gelästert." Welche Art von Grund nennt Hannah?
Erklärung: Hannah nennt, was durch die Uniform besser würde. Ein Folgen-Grund fragt, was eine Handlung bewirkt.
Jakob: „Ein echter Freund hält zu dir, auch wenn er dafür selbst Ärger bekommt." Welche Art von Grund nennt Jakob?
Erklärung: Jakob fragt, was für ein Mensch ein guter Freund ist — ein Charakter-Grund, wie in der Tugendethik des Aristoteles.
Mira: „Wir müssen die Hausordnung auf dem Bolzplatz einhalten, sonst sperrt die Gemeinde ihn für alle." Welche Art von Grund nennt Mira?
Erklärung: Das Wort „Hausordnung" kommt vor, aber der Grund ist die Sperrung, die sonst droht. Was eine Handlung bewirkt, ist ein Folgen-Grund — auch wenn es um eine Regel geht.
Leonie hat beim Fußball die Scheibe der Turnhalle getroffen: „So feige will ich nicht sein — ich gehe zum Hausmeister." Welche Art von Grund nennt Leonie?
Erklärung: Leonie nennt keine Regel und keine Folge, sondern wer sie sein will: nicht feige. Das ist ein Charakter-Grund.
Folgt die Behauptung aus den Gründen? „Alle Fische leben im Wasser. Wale leben im Wasser. Also sind Wale Fische."
Erklärung: Beide Gründe stimmen, und trotzdem folgt der Schluss nicht: Im Wasser leben auch Tiere, die keine Fische sind. Ob ein Schluss folgt, prüft man getrennt davon, ob die Gründe wahr sind.
Folgt die Behauptung aus den Gründen? „Alle Vögel können fliegen. Pinguine sind Vögel. Also können Pinguine fliegen."
Erklärung: Der Schluss folgt — wenn beide Gründe stimmten, müsste er stimmen. Er ist trotzdem falsch, weil der erste Grund falsch ist. Ein gültiges Argument kann eine falsche Prämisse haben.
Folgt die Behauptung aus den Gründen? „Wenn es regnet, ist der Pausenhof nass. Der Pausenhof ist nass. Also regnet es."
Erklärung: Der Hof kann auch nass sein, weil der Hausmeister ihn abgespritzt hat. Aus „wenn A, dann B" und „B" folgt nicht „A".
„Sokrates ist ein Mensch. Also ist Sokrates sterblich." Welcher Satz fehlt, damit die Behauptung folgt?
Erklärung: Erst der allgemeine Satz verbindet „Mensch" mit „sterblich". Der Wohnort spielt keine Rolle, und „manche" reicht nicht, um etwas über Sokrates zu folgern.
Ben will Pias Zeichnung als seine eigene abgeben: „Ist doch egal." Welche Antwort ist ein Argument und nicht nur ein Widerspruch?
Erklärung: Nur die erste Antwort nennt einen Grund, über den Ben nachdenken und den er bestreiten kann. Die anderen behaupten nur das Gegenteil — so bleibt ein Streit über Werte wirklich bloß Geschmack.
Frage beantworten
Ein Freund will von dir die Mathe-Hausaufgabe abschreiben. Gib je einen Grund aus Sicht der Folgen, aus Sicht einer Pflicht oder Regel und aus Sicht des Charakters. Du darfst am Ende selbst entscheiden, was du tun wĂĽrdest.
Frage beantworten
Die Schulleitung überlegt, Handys im ganzen Schulhaus zu verbieten. Schreib einen Grund dafür und einen dagegen auf, jeweils als ganzen Satz mit „weil". Prüfe dann einen der beiden Gründe: Stimmt er, und folgt das Verbot (oder das Nicht-Verbot) wirklich daraus?