Die Burg — Wohnsitz, Herrschaftssitz und Wehrbau
Ein ganz gewöhnlicher Tag auf einer Burg um 1250. Was passiert dort am ehesten?
Erklärung: Die meiste Zeit war eine Burg Wohnhaus und Verwaltungsmittelpunkt einer Grundherrschaft: Hier kamen Abgaben an, hier wurde Gericht gehalten. Angriffe waren die Ausnahme — und Kanonen gab es um 1250 noch gar nicht.
Welcher Bauplatz schützt eine Burg am besten vor Angreifern?
Erklärung: Auf einer Höhenburg müssen Angreifer bergauf und können sich nur von wenigen Seiten nähern. Im Talgrund unter einem Hügel hätten die Feinde dagegen den höheren Platz und könnten von oben hineinschießen.
In einer flachen Flussniederung gibt es keinen Berg. Dort konnte man deshalb keine geschützte Burg bauen.
Erklärung: Wo kein Berg ist, schützt Wasser: Eine Wasserburg ist ringsum von einem breiten Graben oder einem Fluss umgeben. Die Zugbrücke über den Graben konnte man hochziehen.
Der höchste, oft frei stehende Turm einer Burg, die letzte Zuflucht bei einem Angriff, heißt ___.
Erklärung: Der Bergfried war Ausguck und letzte Zuflucht. Sein Eingang lag oft mehrere Meter über dem Boden und war nur über eine Leiter erreichbar, die man hochziehen konnte.
Die Burg zu Burghausen an der Salzach ist über 1 000 Meter lang. Sie besteht aus sechs Höfen, die hintereinander liegen und jeweils eigene Mauern und Tore haben. Was bewirkt diese Bauweise bei einem Angriff?
Erklärung: Jeder Hof ist ein eigenes Hindernis: Wer das erste Tor überwunden hat, steht vor dem nächsten. So wurde die Hauptburg am Ende des Bergrückens besonders gut geschützt.
Die meisten Burgen wurden in ihrer ganzen Geschichte nur selten oder nie belagert.
Erklärung: Eine Belagerung war teuer und dauerte lange. Viele Burgen erlebten nie einen Angriff. Ihre Mauern und Türme schreckten ab und zeigten allen im Land, wer hier herrschte.
Um 1200 belagert ein Heer eine Burg auf einem Felsen. Die Mauern sind zu stark, um sie zu stürmen. Wie erzwingt das Heer am ehesten die Übergabe?
Erklärung: Die meisten Belagerungen endeten durch Aushungern oder durch Verhandlungen. Wurfmaschinen wie die Blide gab es, Kanonen aber erst ab dem 14. und 15. Jahrhundert.
Ab dem 15. Jahrhundert schießen Belagerer mit Kanonen. Welche Mauer hält den Kugeln am besten stand?
Erklärung: Hohe, dünne Mauern sind für Kanonen ein großes Ziel und zerbrechen. Niedrige, dicke Wälle schlucken die Kugeln. Deshalb wurden aus Burgen entweder Festungen — oder man gab die Verteidigung auf.
Um 1700 baut ein Fürst ein neues Gebäude zum Wohnen und Repräsentieren: ohne Mauern und Graben, mit großen Fenstern und einem Garten. Wie nennt man ein solches Gebäude?
Erklärung: Ein Schloss hat die Wohn- und Repräsentationsaufgabe der Burg übernommen, aber keine Verteidigung mehr. Die Verteidigung übernahm die Festung. Die Burg hatte beides in einem Bau vereint.
Der schmale Bereich zwischen äußerer und innerer Burgmauer, in dem Angreifer in der Falle saßen, heißt ___.
Erklärung: Wer die äußere Mauer überwunden hatte, stand im Zwinger vor der nächsten, höheren Mauer und konnte von oben beschossen werden.
Die meisten Räume einer Burg waren im Winter kalt. Ein beheizbarer Raum mit Kamin oder Ofen hieß ___.
Erklärung: Das Wort Kemenate kommt vom lateinischen „caminata“, Raum mit Kamin. Burgen waren oft eng, zugig und dunkel — ganz anders als in vielen Filmen.
Eine Höhenburg steht auf einem Bergsporn. Drei Seiten fallen steil ab, nur von einer Seite führt ein flacher Bergrücken heran. Wo hoben die Erbauer einen tiefen Graben aus?
Erklärung: Der Halsgraben trennt die Burg vom flachen Zugang, der einzigen Seite, auf der Angreifer bequem herankommen. Die steilen Seiten schützt schon der Fels.
Die Bauern im Tal sehen jeden Tag den hohen Turm der Burg ihres Grundherrn. Was zeigt ihnen der Turm außer Schutz vor Feinden?
Erklärung: Eine Burg ist auch eine Botschaft: Weithin sichtbar zeigt sie, wem das Land und die Menschen darauf unterstehen. Bauwerke als Zeichen von Herrschaft begegnen dir später wieder, beim Barockschloss und beim Reichstag.
In welchem Zeitraum entstanden in Bayern die meisten Burgen?
Erklärung: Im Hochmittelalter baute fast jedes Adelsgeschlecht eine Burg. Um 50 bis 300 n. Chr. bauten die Römer Kastelle, keine Burgen. Zwischen 1650 und 1800 entstanden Barockschlösser.