Die Burg — Wohnsitz, Herrschaftssitz und Wehrbau
The Castle — Residence, Seat of Lordship and Fortification
GeschichteKlasse 714 Aufgaben
MittelalterBurgRittertumArchitekturBayern
Eine Burg ist drei Dinge zugleich: Wohnsitz einer adligen Familie, Mittelpunkt einer Grundherrschaft, wo Abgaben eingehen und Gericht gehalten wird, und Wehrbau. Das Kind liest ihre Form als Antwort auf Gelände und Angriff — Höhen- und Wasserburg, Bergfried, Zwinger, Halsgraben, die sechs Höfe von Burghausen — und erkennt, dass Belagerungen selten waren und meist durch Aushungern endeten. Die Fehlvorstellung, die es abbaut: „Auf Burgen wurde ständig gekämpft“ und „Burg und Schloss sind dasselbe“. Bereitet den Längsschnitt „Bauwerke als Botschaft“ und das Barockschloss des Absolutismus vor.
Ein ganz gewöhnlicher Tag auf einer Burg um 1250. Was passiert dort am ehesten?
● Ein Verwalter zählt die Getreidesäcke, die Bauern als Abgabe bringen
â—‹ Feinde stĂĽrmen mit Leitern die Burgmauer
â—‹ Ein Heer schieĂźt mit Kanonen auf den Turm
Die meiste Zeit war eine Burg Wohnhaus und Verwaltungsmittelpunkt einer Grundherrschaft: Hier kamen Abgaben an, hier wurde Gericht gehalten. Angriffe waren die Ausnahme — und Kanonen gab es um 1250 noch gar nicht.
Welcher Bauplatz schĂĽtzt eine Burg am besten vor Angreifern?
● Ein schmaler Bergrücken mit steilen Hängen
â—‹ Eine flache Wiese an einer StraĂźenkreuzung
○ Ein Talgrund unterhalb eines höheren Hügels
Auf einer Höhenburg müssen Angreifer bergauf und können sich nur von wenigen Seiten nähern. Im Talgrund unter einem Hügel hätten die Feinde dagegen den höheren Platz und könnten von oben hineinschießen.
In einer flachen Flussniederung gibt es keinen Berg. Dort konnte man deshalb keine geschĂĽtzte Burg bauen.
âś“ Falsch
Wo kein Berg ist, schĂĽtzt Wasser: Eine Wasserburg ist ringsum von einem breiten Graben oder einem Fluss umgeben. Die ZugbrĂĽcke ĂĽber den Graben konnte man hochziehen.
Der höchste, oft frei stehende Turm einer Burg, die letzte Zuflucht bei einem Angriff, heißt ___.
âś“ Antwort: Bergfried
Der Bergfried war Ausguck und letzte Zuflucht. Sein Eingang lag oft mehrere Meter ĂĽber dem Boden und war nur ĂĽber eine Leiter erreichbar, die man hochziehen konnte.
Die meisten Burgen wurden in ihrer ganzen Geschichte nur selten oder nie belagert.
âś“ Wahr
Eine Belagerung war teuer und dauerte lange. Viele Burgen erlebten nie einen Angriff. Ihre Mauern und TĂĽrme schreckten ab und zeigten allen im Land, wer hier herrschte.
Die Bauern im Tal sehen jeden Tag den hohen Turm der Burg ihres Grundherrn. Was zeigt ihnen der Turm auĂźer Schutz vor Feinden?
â—Ź Wer ĂĽber das Land ringsum herrscht
â—‹ Wie viele Menschen auf der Burg wohnen
○ Wie spät es gerade ist
Eine Burg ist auch eine Botschaft: Weithin sichtbar zeigt sie, wem das Land und die Menschen darauf unterstehen. Bauwerke als Zeichen von Herrschaft begegnen dir später wieder, beim Barockschloss und beim Reichstag.
Die Burg zu Burghausen an der Salzach ist über 1 000 Meter lang. Sie besteht aus sechs Höfen, die hintereinander liegen und jeweils eigene Mauern und Tore haben. Was bewirkt diese Bauweise bei einem Angriff?
â—Ź Angreifer mĂĽssen einen Hof nach dem anderen erobern
○ Angreifer können die ganze Burg auf einmal umzingeln
â—‹ Angreifer kommen durch ein einziges Tor direkt zur Hauptburg
Jeder Hof ist ein eigenes Hindernis: Wer das erste Tor überwunden hat, steht vor dem nächsten. So wurde die Hauptburg am Ende des Bergrückens besonders gut geschützt.
Um 1200 belagert ein Heer eine Burg auf einem Felsen. Die Mauern sind zu stark, um sie zu stĂĽrmen. Wie erzwingt das Heer am ehesten die Ăśbergabe?
● Es schneidet die Burg von Nachschub ab, bis die Vorräte aufgebraucht sind
â—‹ Es schieĂźt die Mauern mit Kanonen zusammen
○ Es wartet, bis der Burgherr zum König reist, und zieht dann ab
Die meisten Belagerungen endeten durch Aushungern oder durch Verhandlungen. Wurfmaschinen wie die Blide gab es, Kanonen aber erst ab dem 14. und 15. Jahrhundert.
Ab dem 15. Jahrhundert schießen Belagerer mit Kanonen. Welche Mauer hält den Kugeln am besten stand?
â—Ź Ein niedriger, sehr dicker Wall mit Erde dahinter
â—‹ Eine hohe, schlanke Mauer mit vielen TĂĽrmen
○ Ein noch höherer Bergfried aus Holz
Hohe, dünne Mauern sind für Kanonen ein großes Ziel und zerbrechen. Niedrige, dicke Wälle schlucken die Kugeln. Deshalb wurden aus Burgen entweder Festungen — oder man gab die Verteidigung auf.
Um 1700 baut ein Fürst ein neues Gebäude zum Wohnen und Repräsentieren: ohne Mauern und Graben, mit großen Fenstern und einem Garten. Wie nennt man ein solches Gebäude?
â—Ź Schloss
â—‹ Burg
â—‹ Festung
Ein Schloss hat die Wohn- und Repräsentationsaufgabe der Burg übernommen, aber keine Verteidigung mehr. Die Verteidigung übernahm die Festung. Die Burg hatte beides in einem Bau vereint.
Eine Höhenburg steht auf einem Bergsporn. Drei Seiten fallen steil ab, nur von einer Seite führt ein flacher Bergrücken heran. Wo hoben die Erbauer einen tiefen Graben aus?
â—Ź Quer ĂĽber den flachen BergrĂĽcken
â—‹ Unten am FuĂź der steilen Felswand
â—‹ Mitten durch den Burghof
Der Halsgraben trennt die Burg vom flachen Zugang, der einzigen Seite, auf der Angreifer bequem herankommen. Die steilen Seiten schĂĽtzt schon der Fels.
In welchem Zeitraum entstanden in Bayern die meisten Burgen?
â—Ź Zwischen 1050 und 1300
â—‹ Zwischen 50 und 300 n. Chr.
â—‹ Zwischen 1650 und 1800
Im Hochmittelalter baute fast jedes Adelsgeschlecht eine Burg. Um 50 bis 300 n. Chr. bauten die Römer Kastelle, keine Burgen. Zwischen 1650 und 1800 entstanden Barockschlösser.