Frauen im Mittelalter — Lebenswege je nach Stand
Um 1350 stirbt in einer Reichsstadt ein Schmiedemeister. Was geschieht nach vielen Zunftordnungen mit seiner Werkstatt?
Erklärung: Meisterfrauen arbeiteten ohnehin in der Werkstatt mit. Nach dem Tod des Mannes durften sie den Betrieb nach vielen Zunftordnungen weiterführen. In den Rat kamen Frauen aber nicht.
Bäuerinnen arbeiteten im Mittelalter auch auf dem Feld, zum Beispiel bei der Ernte.
Erklärung: Auf dem Bauernhof arbeiteten alle mit. Frauen ernteten, versorgten das Vieh, spannen und webten und brachten Abgaben wie Hühner und Eier zum Grundherrn.
Die Äbtissin ___ von Bingen schrieb im 12. Jahrhundert Bücher über Heilpflanzen und komponierte Musik.
Erklärung: Hildegard von Bingen (1098–1179) leitete ein Kloster, schrieb über Natur, Heilkunde und Glauben und tauschte Briefe mit Päpsten und dem Kaiser.
Wer hatte um 1200 am meisten Macht ĂĽber andere Menschen?
Erklärung: Eine Äbtissin war Grundherrin: Bauern zahlten ihrem Kloster Abgaben und standen unter seinem Gericht. Der Stand entschied über Macht oft mehr als das Geschlecht.
Eine Grafentochter wird um 1250 mit 14 Jahren mit dem Sohn eines benachbarten Grafen verheiratet. Wer hat das am ehesten entschieden?
Erklärung: Im Adel war die Ehe ein Bündnis zwischen Familien, um Land und Macht zu sichern. Die Braut wurde selten gefragt. Standesämter gibt es in Deutschland erst seit 1875.
Um 1400 konnte eine junge Frau an der Universität in Prag oder Wien studieren.
Erklärung: Die mittelalterlichen Universitäten nahmen nur Männer auf. In Bayern durften Frauen erst ab 1903 regulär studieren.
Fromme Frauen, die in der Stadt gemeinsam lebten und arbeiteten, ohne Nonnen zu werden, nannte man ___.
Erklärung: Beginen legten kein lebenslanges Klostergelübde ab. Sie pflegten Kranke, webten oder unterrichteten Kinder und verdienten so ihr eigenes Geld.
Eine verheiratete BĂĽrgersfrau will um 1350 vor Gericht klagen. Wer vertritt sie dort meistens?
Erklärung: Frauen standen unter der Vormundschaft (Munt) des Vaters oder Ehemanns. Witwen und Kauffrauen durften in manchen Städten aber selbst vor Gericht auftreten.
Mia sagt: „Im Mittelalter haben Frauen nur gekocht und sonst nicht gearbeitet.“ Mias Aussage stimmt.
Erklärung: Frauen arbeiteten auf dem Feld, in Werkstätten, auf dem Markt, als Mägde, Hebammen oder Brauerinnen. Ohne ihre Arbeit hätte kein Hof und keine Werkstatt funktioniert.
In Köln gab es im Spätmittelalter Zünfte, in denen Frauen Meisterinnen wurden. In welchem Handwerk?
Erklärung: Die Kölner Seidmacherinnen hatten seit 1437 eine eigene Frauenzunft. Auch Garnmacherinnen bildeten dort eine Zunft. Solche Frauenzünfte waren selten, aber es gab sie.
Du willst wissen, was eine Bäuerin um 1300 abgeben musste. Welche Quelle hilft am meisten?
Erklärung: Bäuerinnen haben selbst fast nichts aufgeschrieben. Verwaltungsquellen wie Abgabenverzeichnisse (Urbare) zeigen ihren Alltag deshalb oft genauer als Romane oder Bilder.
Wo lernte ein Mädchen im Mittelalter am ehesten Lesen und Latein?
Erklärung: Klöster waren Orte der Bildung, auch für Frauen. Nonnen lasen, schrieben Bücher ab und unterrichteten Mädchen. Gymnasien in unserem Sinn gab es noch nicht.
Eine reiche Kauffrau in Nürnberg hatte um 1450 mehr Möglichkeiten als ein unfreier Bauer auf dem Land.
Erklärung: Sie konnte handeln, Geld verdienen und Eigentum besitzen. Der unfreie Bauer war an seinen Grundherrn gebunden. Wieder entscheidet der Stand mehr als das Geschlecht.
Seit wann steht in einem deutschen Gesetz der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“?
Erklärung: Artikel 3 des Grundgesetzes von 1949 stellt Männer und Frauen gleich. Im Mittelalter galt eine Ordnung, in der Stand und Geschlecht die Rechte bestimmten.