Fischsiegel und Etikett lesen
Zwei Doraden: eine mit ASC-Siegel, aber trüben Augen und grauen Kiemen; eine ohne Siegel mit klaren Augen und roten Kiemen. Welche kommt heute in die Pfanne?
Erklärung: Ein Siegel bewertet, wie ein Betrieb fischt oder züchtet — nicht, wie lange das Stück schon in der Theke liegt. Frische prüfst du selbst an Augen, Kiemen, Haut und Geruch. Ein fehlendes Siegel sagt über die Frische ebenso wenig.
Steht auf dem Etikett „gefangen“ statt „in Aquakultur gewonnen“, weißt du damit, dass der Fisch nachhaltig gefischt wurde.
Erklärung: „Gefangen“ ist eine Pflichtangabe zur Produktionsmethode (VO (EU) 1379/2013, Art. 35), kein Urteil über die Fischerei. Wie ein Bestand befischt wird, bewertet erst ein Siegel wie das MSC — und auch das nicht unumstritten.
Auf dem Etikett von Alaska-Seelachs steht „gefangen, Nordostpazifik, Schleppnetze“. Welches Nachhaltigkeitssiegel kann diese Fischerei tragen?
Erklärung: „Gefangen“ heißt Wildfang, und Wildfischereien zertifiziert das MSC. ASC ist für Zuchtbetriebe da, und Bio-Fisch gibt es nach EU-Recht nur aus Aquakultur — Wildfang kann nicht bio sein.
Am Schild in der Theke steht „Pangasius, in Aquakultur gewonnen, Vietnam“. Was erfährst du daraus?
Erklärung: Das Etikett muss die Produktionsmethode nennen: „gefangen“, „aus Binnenfischerei“ oder „in Aquakultur gewonnen“ (VO (EU) 1379/2013, Art. 35). Aquakultur heißt Zucht; bei Zuchtfisch steht das Land, in dem er aufgezogen wurde. Mit bio hat das nichts zu tun.
Am Lachsfilet in der Theke steht der Hinweis „aufgetaut“. Was heißt das für dich?
Erklärung: Wurde Fisch tiefgekühlt und wird aufgetaut verkauft, muss das auf dem Etikett stehen (VO (EU) 1379/2013, Art. 35). Minderwertig ist er deshalb nicht, aber er ist kein frischer Fisch mehr und gehört bald in die Pfanne.
Du willst wissen, wo dein Schellfisch gefangen wurde. Das Pflichtetikett verrät dir das Fanggebiet.
Erklärung: Nach VO (EU) 1379/2013, Art. 35 stehen auf dem Etikett Handelsname und wissenschaftlicher Name, die Produktionsmethode, das Fanggebiet, die Fanggeräte-Kategorie und ob der Fisch aufgetaut wurde.
Auf zwei Packungen „Seelachs“ stehen verschiedene wissenschaftliche Namen: Pollachius virens und Gadus chalcogrammus. Was heißt das?
Erklärung: Pollachius virens ist der Seelachs (Köhler) aus dem Nordatlantik, Gadus chalcogrammus der Alaska-Seelachs aus dem Pazifik — zwei Arten mit ähnlichem Handelsnamen. Darum schreibt das EU-Recht den wissenschaftlichen Namen vor: Er sagt eindeutig, welcher Fisch drin ist.
Ein Fisch ohne Siegel stammt immer aus einer schlecht geführten Fischerei.
Erklärung: Siegel sind freiwillig, und eine Zertifizierung kostet Geld. Fehlt ein Siegel, weißt du nichts darüber, wie gefischt wurde — weder Gutes noch Schlechtes. Umgekehrt kritisieren Umweltverbände auch manche zertifizierte Fischerei (Verbraucherzentrale).
Auf einer Packung Garnelen ist das EU-Bio-Logo. Woher stammen die Garnelen?
Erklärung: Bio-Fisch und Bio-Meeresfrüchte gibt es nach der EU-Öko-Verordnung nur aus Aquakultur: Nur dort lassen sich Haltung und Futter regeln. Wildfang kann nicht bio zertifiziert werden (oekolandbau.de; Verbraucherzentrale).
An der offenen Theke, ganz ohne Verpackung, muss der Händler trotzdem angeben, ob der Fisch gefangen oder gezüchtet wurde — etwa auf einem Schild.
Erklärung: Die Pflichtangaben gelten auch für lose Ware. Bei unverpacktem Fisch dürfen sie auf Schildern oder Tafeln stehen (VO (EU) 1379/2013, Art. 35).
Eine Forellenzucht im Allgäu will ihre Teiche zertifizieren lassen. Welches Siegel kommt in Frage?
Erklärung: Der Aquaculture Stewardship Council zertifiziert Zuchtbetriebe, auch im Süßwasser; eine Öko-Zucht kann außerdem das EU-Bio-Logo tragen. Das MSC ist nur für Wildfischereien da.
Am Zander steht „aus Binnenfischerei, Bodensee“. Woher stammt er?
Erklärung: „Aus Binnenfischerei“ heißt: gefangen in Binnengewässern wie Seen und Flüssen. Zuchtfisch trägt „in Aquakultur gewonnen“, Meeresfisch „gefangen“ mit dem Meeresgebiet (VO (EU) 1379/2013, Art. 35).