Du liest am Fischregal, was ein Siegel und was das Etikett wirklich sagt. Das MSC-Siegel (1997 von WWF und Unilever gegründet) bewertet Wildfischereien, das ASC-Siegel Zuchtbetriebe; Bio-Fisch gibt es nach EU-Recht nur aus Aquakultur. Ein Siegel bewertet die Fischerei oder die Farm, nicht die Frische des Stücks vor dir — und Umweltverbände kritisieren manche Zertifizierung. Das Pflichtetikett (VO (EU) 1379/2013) nennt Art mit wissenschaftlichem Namen, „gefangen“ oder „in Aquakultur gewonnen“, Fanggebiet, Fanggerät und ob die Ware aufgetaut ist. Das verhindert „Siegel heißt frisch“. Bereitet den Einkauf für den Fischgang vor.
Am Schild in der Theke steht „Pangasius, in Aquakultur gewonnen, Vietnam“. Was erfährst du daraus?
â—Ź Der Fisch stammt aus einer Zucht in Vietnam
â—‹ Der Fisch wurde vor Vietnam im Meer gefangen
â—‹ Der Fisch ist bio, Aquakultur heiĂźt ohne Chemie
Das Etikett muss die Produktionsmethode nennen: „gefangen“, „aus Binnenfischerei“ oder „in Aquakultur gewonnen“ (VO (EU) 1379/2013, Art. 35). Aquakultur heißt Zucht; bei Zuchtfisch steht das Land, in dem er aufgezogen wurde. Mit bio hat das nichts zu tun.
Du willst wissen, wo dein Schellfisch gefangen wurde. Das Pflichtetikett verrät dir das Fanggebiet.
âś“ Wahr
Nach VO (EU) 1379/2013, Art. 35 stehen auf dem Etikett Handelsname und wissenschaftlicher Name, die Produktionsmethode, das Fanggebiet, die Fanggeräte-Kategorie und ob der Fisch aufgetaut wurde.
Eine Forellenzucht im Allgäu will ihre Teiche zertifizieren lassen. Welches Siegel kommt in Frage?
â—Ź ASC
â—‹ MSC
â—‹ Keines, SĂĽĂźwasserzucht wird nie zertifiziert
Der Aquaculture Stewardship Council zertifiziert Zuchtbetriebe, auch im SĂĽĂźwasser; eine Ă–ko-Zucht kann auĂźerdem das EU-Bio-Logo tragen. Das MSC ist nur fĂĽr Wildfischereien da.
Zwei Doraden: eine mit ASC-Siegel, aber trĂĽben Augen und grauen Kiemen; eine ohne Siegel mit klaren Augen und roten Kiemen. Welche kommt heute in die Pfanne?
â—Ź Die ohne Siegel, bei ihr stimmen die Frischezeichen
â—‹ Die mit Siegel, das Siegel prĂĽft auch die Frische
â—‹ Keine, ohne Siegel ist Fisch nie in Ordnung
Ein Siegel bewertet, wie ein Betrieb fischt oder züchtet — nicht, wie lange das Stück schon in der Theke liegt. Frische prüfst du selbst an Augen, Kiemen, Haut und Geruch. Ein fehlendes Siegel sagt über die Frische ebenso wenig.
Steht auf dem Etikett „gefangen“ statt „in Aquakultur gewonnen“, weißt du damit, dass der Fisch nachhaltig gefischt wurde.
âś“ Falsch
„Gefangen“ ist eine Pflichtangabe zur Produktionsmethode (VO (EU) 1379/2013, Art. 35), kein Urteil über die Fischerei. Wie ein Bestand befischt wird, bewertet erst ein Siegel wie das MSC — und auch das nicht unumstritten.
Auf dem Etikett von Alaska-Seelachs steht „gefangen, Nordostpazifik, Schleppnetze“. Welches Nachhaltigkeitssiegel kann diese Fischerei tragen?
â—Ź MSC
â—‹ ASC
â—‹ EU-Bio
„Gefangen“ heißt Wildfang, und Wildfischereien zertifiziert das MSC. ASC ist für Zuchtbetriebe da, und Bio-Fisch gibt es nach EU-Recht nur aus Aquakultur — Wildfang kann nicht bio sein.
Am Lachsfilet in der Theke steht der Hinweis „aufgetaut“. Was heißt das für dich?
â—Ź Er war schon einmal tiefgekĂĽhlt, du verbrauchst ihn bald
â—‹ Er ist frisch gefangen und wurde nur kurz gekĂĽhlt
â—‹ Er ist minderwertig, aufgetauter Fisch darf nicht gebraten werden
Wurde Fisch tiefgekühlt und wird aufgetaut verkauft, muss das auf dem Etikett stehen (VO (EU) 1379/2013, Art. 35). Minderwertig ist er deshalb nicht, aber er ist kein frischer Fisch mehr und gehört bald in die Pfanne.
Ein Fisch ohne Siegel stammt immer aus einer schlecht gefĂĽhrten Fischerei.
âś“ Falsch
Siegel sind freiwillig, und eine Zertifizierung kostet Geld. Fehlt ein Siegel, weißt du nichts darüber, wie gefischt wurde — weder Gutes noch Schlechtes. Umgekehrt kritisieren Umweltverbände auch manche zertifizierte Fischerei (Verbraucherzentrale).
Auf einer Packung Garnelen ist das EU-Bio-Logo. Woher stammen die Garnelen?
â—Ź Aus einer Zucht nach den EU-Ă–ko-Regeln
â—‹ Aus Wildfang, bio heiĂźt aus dem freien Meer
○ Aus Wildfang mit zusätzlichem MSC-Siegel
Bio-Fisch und Bio-MeeresfrĂĽchte gibt es nach der EU-Ă–ko-Verordnung nur aus Aquakultur: Nur dort lassen sich Haltung und Futter regeln. Wildfang kann nicht bio zertifiziert werden (oekolandbau.de; Verbraucherzentrale).
Am Zander steht „aus Binnenfischerei, Bodensee“. Woher stammt er?
â—Ź Er wurde im Bodensee gefangen, nicht gezĂĽchtet
â—‹ Er wurde in einem Teich am Seeufer gezĂĽchtet
â—‹ Er wurde im Meer gefangen und am See verpackt
„Aus Binnenfischerei“ heißt: gefangen in Binnengewässern wie Seen und Flüssen. Zuchtfisch trägt „in Aquakultur gewonnen“, Meeresfisch „gefangen“ mit dem Meeresgebiet (VO (EU) 1379/2013, Art. 35).
Auf zwei Packungen „Seelachs“ stehen verschiedene wissenschaftliche Namen: Pollachius virens und Gadus chalcogrammus. Was heißt das?
â—Ź Es sind zwei verschiedene Fischarten
â—‹ Es ist dieselbe Art aus zwei Meeren
â—‹ Der lateinische Name ist nur Werbung
Pollachius virens ist der Seelachs (Köhler) aus dem Nordatlantik, Gadus chalcogrammus der Alaska-Seelachs aus dem Pazifik — zwei Arten mit ähnlichem Handelsnamen. Darum schreibt das EU-Recht den wissenschaftlichen Namen vor: Er sagt eindeutig, welcher Fisch drin ist.