Bei Tisch
Karim möchte das Salz, das neben Jules Teller steht. Was tut Karim jetzt?
Erklärung: Über einen fremden Teller zu greifen bringt den Ärmel ins Essen und Jule aus dem Takt. Und wer nur wartet, wartet meistens vergeblich — niemand sieht einem an, was man will.
Alle sitzen schon, aber Elif hat noch nichts auf dem Teller. Was tut Ben jetzt?
Erklärung: Gemeinsam anfangen heißt — niemand isst allein. Das ist der Grund, nicht das kalte Essen. Und was auf Elifs Teller kommt, entscheidet Elif.
Mira hat fertig gegessen und will zum Spielen, die anderen essen noch. Was tut Mira jetzt?
Erklärung: Wer sich abmeldet, lässt niemanden rätseln, ob er wiederkommt. Wortlos gehen wirkt wie ein Abbruch — und stumm sitzen bleiben muss auch niemand.
Anton hat den Mund voll, als Fatma ihn etwas fragt. Was tut Anton jetzt?
Erklärung: Mit vollem Mund versteht Fatma die Hälfte, und ein Teil vom Essen fliegt mit. Das ist der Grund für diese Form — nicht die Feinheit.
Auf dem Tisch steht eine gemeinsame Schüssel Nudeln, Leon möchte nachnehmen. Was tut Leon jetzt?
Erklärung: Der Vorlegelöffel war in keinem Mund. Die eigene Gabel schon — und alles, was danach in der Schüssel bleibt, essen die anderen mit.
Nina hat Salat auf dem Teller, den sie nicht mag. Was tut Nina jetzt?
Erklärung: Niemand muss alles mögen. Aber jemand hat gekocht und sitzt mit am Tisch — über das Essen zu urteilen ist etwas anderes, als es nicht zu essen.
Elif fällt in der Mensa die Gabel auf den Boden. Was tut Elif jetzt?
Erklärung: Der Boden ist der Boden. Das ist keine Verabredung, sondern derselbe Grund wie beim Vorlegelöffel.
Bei Familie Novak nimmt sich jeder selbst aus den Schüsseln, herumgereicht wird nichts. Das Wasser steht neben Ninas Teller, Leon möchte welches. Was tut Leon jetzt?
Erklärung: Dass sich hier jeder selbst nimmt, ändert nichts daran, dass Leons Arm über Ninas Teller hinge. Diese Form ist keine Verabredung wie „Gabel links" — sie hat einen Grund, und der gilt auch bei Novaks.
Bei Familie Novak fängt jeder an, sobald er etwas auf dem Teller hat, und niemand sagt „Guten Appetit". Leon ist zu Gast. Was tut Leon jetzt?
Erklärung: „Guten Appetit" ist eine Verabredung — im Englischen gibt es den Satz gar nicht. Bei Novaks gilt eine andere, und als Gast macht man die Form des Hauses mit, statt die eigene anzusagen.
Mira isst bei ihrer Austauschfamilie in den USA. Alle nehmen die Gabel nach dem Schneiden in die rechte Hand. Was tut Mira jetzt?
Erklärung: Links halten und wechseln sind zwei Verabredungen, keine bessere und keine schlechtere. Wie Mira ihre eigene Gabel hält, stört niemanden — mitmachen darf sie, muss sie aber nicht. Nur andere zu korrigieren, geht nicht.
Alle fangen an, nur Elifs Teller ist noch leer, weil die Schüssel noch nicht bei ihr angekommen ist. — Elif isst dann noch, wenn die anderen schon fertig sind.
Erklärung: Ja, und genau davor schützt das gemeinsame Anfangen. Es geht nicht um Feinheit, sondern darum, dass niemand allein am Tisch isst.
Bei Familie Chen liegen Stäbchen auf dem Tisch, kein Messer und keine Gabel. — Auf dem Tisch fehlt etwas.
Erklärung: Nein. Messer und Gabel sind eine Verabredung, keine Grundausstattung — auf einem großen Teil der Erde isst man mit Stäbchen oder mit der Hand.
Vor vierhundert Jahren nahmen die Leute hier das Fleisch mit den Fingern aus einer gemeinsamen Schüssel. — Damals war das unhöflich.
Erklärung: Nein. Die Gabel setzte sich hier erst nach und nach durch; davor griff man zu, und niemand fand etwas dabei. Tischsitten ändern sich — was heute streng klingt, gab es damals gar nicht.
Karim sagt Bescheid, bevor er vom Tisch aufsteht. — Damit weiß der Rest, dass er nicht wiederkommt.
Erklärung: Ja, und das ist der ganze Zweck. Ohne den Satz wartet vielleicht jemand mit dem Nachtisch auf ihn.