Zu Gast und Gastgeber
Yusuf klingelt bei Marie, Maries Mutter macht die TĂĽr auf. Was tut Yusuf jetzt?
Erklärung: Die Person, die aufmacht, gehört dazu — auch wenn man zu jemand anderem will. Ein Gruß und ein Name kosten zwei Sekunden und machen aus einem Fremden einen Gast.
Yusuf steht im Flur bei Marie. Er sieht keine Schuhe stehen und weiĂź nicht, ob er seine ausziehen soll. Was tut Yusuf jetzt?
Erklärung: Ob Schuhe ausgezogen werden, ist von Wohnung zu Wohnung verschieden und steht nirgends geschrieben. Wenn im Flur nichts zu sehen ist, ist Fragen keine Unsicherheit, sondern die Antwort.
In Maries Zimmer steht eine offene Schale Gummibärchen. Was tut Yusuf jetzt?
Erklärung: Offen dastehen heißt nicht automatisch „für alle". In einer fremden Wohnung weiß man das nie sicher — und Fragen geht schneller als Hinstarren.
Marie merkt, dass Yusuf schon eine Weile auf die Wasserflasche schaut. Was tut Marie jetzt?
Erklärung: Gäste fragen zuletzt — genau das ist das Problem, das die Gastgeberin löst. Ein Glas einfach hinzustellen nimmt Yusuf die Antwort wieder weg.
Marie und Lina reden seit zehn Minuten ĂĽber ihre Handballmannschaft, Yusuf sagt nichts. Was tut Marie jetzt?
Erklärung: Als Gastgeberin ist Marie dafür zuständig, dass niemand nur danebensitzt. Eine Frage an Yusuf reicht dafür — das Thema muss nicht sterben.
Yusuf muss um sechs zu Hause sein, es ist zehn vor sechs. Was tut Yusuf jetzt?
Erklärung: Das Abmelden ist der Teil, den fast alle vergessen, und der, an den sich Gastgeber am längsten erinnern. Wer wortlos geht, lässt Marie überlegen, ob etwas schiefgelaufen ist.
Yusuf hat sich verabschiedet und steht auf. Was tut Marie jetzt?
Erklärung: Bis zur Tür ist die Verabredung — zwanzig Sekunden, die aus dem Abschied einen Moment machen statt eines Abbruchs. Aus dem Zimmer rufen ist zu wenig, und wer an der Tür noch anfängt zu erzählen, macht Yusuf zu spät.
Yusuf stößt bei Marie ein Glas um, es geht kaputt. Was tut Yusuf jetzt?
Erklärung: Kaputte Sachen sind selten das Problem, verschwiegene kaputte Sachen schon. Und wer erklärt, wie es kommen konnte, hat noch nicht gesagt, dass es ihm leidtut.
Lina ist zu Emres Geburtstag eingeladen und ĂĽberlegt, ob sie etwas mitbringt. Was tut Lina jetzt?
Erklärung: Eine Kleinigkeit sagt „ich habe an dich gedacht". Ein teures Geschenk sagt etwas anderes und macht aus einer Einladung eine Rechnung. Wie groß die Kleinigkeit sein muss, ist übrigens Verabredung und in jeder Familie etwas anders.
Bei Emre zu Hause wird nur am Tisch gegessen. Lina weiĂź das nicht und geht mit ihrem Teller Richtung Sofa. Was tut Emre jetzt?
Erklärung: Hausregeln darf man sagen, Gäste können sie nicht erraten. Der Unterschied liegt im Satz — „bei uns" nennt eine Verabredung, „das macht man nicht" macht aus Lina jemanden, der etwas falsch gemacht hat.
Bei Fatma zu Hause tragen nach dem Essen alle ihren Teller in die KĂĽche. Ben kennt das von zu Hause nicht. Was tut Ben jetzt?
Erklärung: Was alle tun, ist die Antwort — dafür braucht es keine Frage. Fragen kann man später aus Interesse, nicht mitten in der Bewegung.
In Maries Wohnung zieht man die Schuhe aus, bei Bens Familie nicht. — Eine der beiden Familien macht es falsch.
Erklärung: Nein. Beides sind Verabredungen, die genau in dieser Wohnung gelten. Genau deshalb fragt man, statt zu raten.
Lina geht von Emres Geburtstag nach Hause, ohne sich zu verabschieden. — Emres Eltern werden das nicht merken.
Erklärung: Doch — Gastgeber zählen mit, wer noch da ist. Ein wortloser Abgang bleibt hängen, meistens länger als der ganze Nachmittag.
Marie fragt Yusuf, ob er etwas trinken möchte, obwohl er nichts gesagt hat. — Marie tut hier mehr, als sie müsste.
Erklärung: Nein, das ist genau die Aufgabe der Gastgeberin. Wer eingeladen hat, fragt zuerst — der Gast fragt zuletzt oder gar nicht.
Yusuf nimmt sich in Maries Küche selbst ein Glas aus dem Schrank. — Als Gast darf er das ohne Nachfrage.
Erklärung: Fremde Schränke sind fremde Schränke. Ein Satz klärt es, und Marie sagt fast immer ja.