Der Schein bleibt, der Wert nicht
Lena hat 240 € in ihrer Spardose. Eine Kinokarte kostet 12 €. Ein Jahr später kostet dieselbe Karte 15 €, und in der Spardose liegen unverändert 240 €. Wie viele Kinokarten kann Lena jetzt kaufen?
Erklärung: 240 € ÷ 15 € = 16 Karten. Vor einem Jahr waren es 20. Die Zahl in der Spardose ist gleich geblieben, ihre Kaufkraft nicht — das ist der Unterschied zwischen dem nominalen Betrag und dem, was er wert ist.
Frau Berger verdient 2.000 € im Monat. Im nächsten Jahr steigen alle Preise um 4 %. Wie hoch müsste ihr Lohn danach sein, damit sie sich genau gleich viel kaufen kann wie vorher?
Erklärung: 4 % von 2.000 € sind 80 €, also 2.080 €. Bei 2.040 € wären nur 2 % dazugekommen — halb so viel, wie die Preise gestiegen sind: Die Zahl auf der Lohnabrechnung steigt, die Kaufkraft sinkt trotzdem. Ein Lohn hält nur dann mit, wenn er um denselben Prozentsatz steigt wie die Preise.
Herr Sanz und Frau Wolf verdienen beide 1.000 € im Monat, jeder in einem anderen Land. In Herrn Sanz' Land bleiben die Preise ein Jahr lang gleich, und sein Lohn wird auf 950 € gesenkt. In Frau Wolfs Land steigen die Preise im selben Jahr um 10 %, und ihr Lohn wird auf 1.045 € erhöht. Wer kann sich am Jahresende weniger kaufen als am Jahresanfang?
Erklärung: Herr Sanz: 950 € bei unveränderten Preisen — 5 % weniger Kaufkraft. Frau Wolf: 1.045 € ÷ 1,10 = 950 € in Preisen vom Jahresanfang — ebenfalls 5 % weniger. Die Erhöhung fühlt sich besser an, weil die Zahl größer wird. Kahneman, Knetsch und Thaler haben genau diesen Fall 1986 abgefragt: 62 % nannten die offene Kürzung unfair, dieselbe reale Kürzung als Erhöhung eingekleidet nur 22 %.
Vor zwei Jahren kostete Lenas Wunschfahrrad 300 €. Sie hat seither genau 300 € zusammengespart. Heute kostet dasselbe Fahrrad 330 €. Wie viel Euro fehlen ihr?
Erklärung: 330 € − 300 € = 30 €. Lena hat ihr Sparziel in Zahlen erreicht und in Kaufkraft verfehlt. Ein Sparziel muss deshalb am Preis gemessen werden, nicht am Betrag, den man sich vor zwei Jahren aufgeschrieben hat.
In welcher der drei Situationen benutzt Lena Geld als Tauschmittel?
Erklärung: Nur im ersten Fall wechselt Geld gegen Ware den Besitzer. Im zweiten Fall dient Geld zum Vergleichen (Rechenmittel), im dritten zum Aufheben von Kaufkraft (Wertaufbewahrungsmittel).
In welcher der drei Situationen benutzt Jonas Geld als Rechenmittel?
Erklärung: Im ersten Fall fließt kein Cent — Geld ist hier nur die gemeinsame Maßeinheit, mit der sich ein Trikot und ein Schwimmbadbesuch überhaupt vergleichen lassen. Genau dafür ist der Preis da.
In welcher der drei Situationen benutzt Frau Ott Geld als Wertaufbewahrungsmittel?
Erklärung: Die Erdbeeren wären im Januar längst verdorben, das Geld nicht: Es trägt die Kaufkraft vom Sommer in den Winter. Das funktioniert allerdings nur, solange der Geldwert stabil bleibt — bei stark steigenden Preisen trägt Geld immer weniger Kaufkraft über die Zeit.
In einem Jahr steigen alle Preise um 10 %. Lena hat 500 € zinslos auf dem Sparkonto liegen. Herr Kaya schuldet seiner Schwester 500 €, zinslos, und zahlt sie am Jahresende zurück. Wer steht am Jahresende besser da als am Anfang?
Erklärung: Herr Kaya gibt am Jahresende einen Betrag zurück, für den man weniger kaufen kann als vor einem Jahr — seine Schuld ist real geschrumpft. Lenas Guthaben ist real genauso geschrumpft. Steigende Preise entlasten Schuldner und belasten Sparer; stabiles Geld ist deshalb für beide Seiten nicht dasselbe wert.
In einem Jahr steigen in Deutschland fast alle Preise gleichzeitig — Brot, Miete, Benzin, Kleidung, Friseur. In welchem der drei Fälle passiert genau das?
Erklärung: Ein einzelnes Unternehmen kann nur seinen eigenen Preis setzen. Dass alle Preise zugleich steigen, betrifft den Geldwert selbst. Blendon u. a. (1997) fanden hier eine große Lücke: 69 % der Öffentlichkeit, aber nur 15 % der Ökonomen erklärten allgemein steigende Preise damit, dass Unternehmen sie manipulieren. Die Europäische Zentralbank strebt für den Euroraum eine Inflationsrate von 2 % an (Stand 2026) — genau um den Geldwert berechenbar zu halten.
Frau Ott bekommt 3 % mehr Lohn. Im selben Jahr steigen alle Preise um 3 %. Sie kann sich von ihrem Lohn jetzt mehr kaufen als vorher.
Erklärung: Nein. Lohn und Preise steigen um denselben Prozentsatz — die Kaufkraft bleibt gleich. Größer geworden ist nur die Zahl auf der Abrechnung.
Lena hat vor einem Jahr 500 € auf ihr Sparkonto gelegt und keine Zinsen bekommen. Heute stehen dort immer noch 500 €, und alle Preise sind seither um 6 % gestiegen. Lena hat dabei nichts verloren.
Erklärung: Doch. Sie kann sich für ihre 500 € heute rund 6 % weniger kaufen als vor einem Jahr. Der Verlust steht nirgends auf dem Kontoauszug, weil dort nur die nominale Zahl steht.
Auf dem Schulfest steht an der Waffelbude 1,50 € und an der Limobude 1,00 €. Wer die beiden Preise nebeneinanderlegt, um sich zu entscheiden, benutzt Geld als Rechenmittel.
Erklärung: Ja. Hier wird noch nichts bezahlt. Die Preise machen zwei ganz verschiedene Dinge vergleichbar — das ist die Rechenfunktion des Geldes.
Auf Frau Wolfs Konto stehen nach einem Jahr immer noch 180 €. Die Zahl ist gleich geblieben, aber weil alle Preise gestiegen sind, ist die ___ dieser 180 € kleiner geworden.
Erklärung: Der nominale Betrag sagt, wie viele Euro dastehen. Die Kaufkraft sagt, wie viel man dafür bekommt. Nur die zweite Größe entscheidet, ob man reicher oder ärmer geworden ist.
Ein Tablet kostet heute 400 €. Im nächsten Jahr steigen alle Preise um 5 %. Wie viel kostet dasselbe Tablet dann (in Euro)?
Erklärung: 5 % von 400 € sind 20 €, also 420 €. Wer heute 400 € zurücklegt und erst nächstes Jahr kauft, hat 20 € zu wenig.
In einem Land steigen die Preise in einem Jahr um 100 %. Ein Brot kostete zu Jahresbeginn 2 €. Wie viel kostet es am Jahresende (in Euro)?
Erklärung: Eine Steigerung um 100 % ist eine Verdoppelung: 2 € + 2 € = 4 €. Wer sein Geld unter der Matratze hatte, kann sich am Jahresende nur noch halb so viel kaufen — dann verliert Geld seine Funktion als Wertaufbewahrungsmittel.
Lena hatte vor einem Jahr 150 € gespart. Seither sind alle Preise um 10 % gestiegen. Wie viel Euro müsste sie heute besitzen, um sich genau dasselbe kaufen zu können wie vor einem Jahr?
Erklärung: 10 % von 150 € sind 15 €, also 165 €. Die fehlenden 15 € sind der Kaufkraftverlust eines Jahres — unsichtbar, solange man nur auf den Kontostand schaut.