Die Zahl auf dem Schein ändert sich nicht, seine Kaufkraft schon. Die Schülerin rechnet an konkreten Fällen aus, wie viel ein gespartes Guthaben, ein Lohn oder ein Sparziel ein Jahr später noch wert ist, und ordnet einzelne Alltagssituationen den drei Geldfunktionen zu — bezahlen (Tauschmittel), vergleichen (Rechenmittel), aufheben (Wertaufbewahrungsmittel). Verdrängt wird dabei die Geldwertillusion: Kahneman, Knetsch & Thaler (1986) zeigen, dass eine Lohnkürzung um 7 % ohne Inflation von 62 % der Befragten als unfair beurteilt wird, dieselbe reale Kürzung als 5-%-Erhöhung bei 12 % Inflation aber nur von 22 % — die nominale Zahl verdeckt die reale Größe. Ein zweiter Distraktorstrang stammt aus Blendon u. a. (1997): 69 % der Öffentlichkeit, aber nur 15 % der Ökonomen erklären allgemein steigende Preise damit, dass Unternehmen sie manipulieren. Zuletzt wird Geldwertstabilität aus drei Perspektiven beurteilt — Sparerin, Schuldner, Ladenbesitzerin. Vorbereitet werden damit wirtschaft-und-recht.grade8.haushaltsplan-aufstellen und wirtschaft-und-recht.grade8.ueberschuldung-vermeiden, in denen Kaufkraft und Zinseszins die Rechnung tragen.
In welcher der drei Situationen benutzt Lena Geld als Tauschmittel?
● Lena gibt der Bäckerin 3 € und bekommt dafür zwei Brezen.
○ Lena sieht: Die Breze kostet 1,50 €, der Muffin 3 € — also doppelt so viel.
○ Lena legt 20 € in ihre Spardose und rührt sie bis zu den Ferien nicht an.
Nur im ersten Fall wechselt Geld gegen Ware den Besitzer. Im zweiten Fall dient Geld zum Vergleichen (Rechenmittel), im dritten zum Aufheben von Kaufkraft (Wertaufbewahrungsmittel).
Auf dem Schulfest steht an der Waffelbude 1,50 € und an der Limobude 1,00 €. Wer die beiden Preise nebeneinanderlegt, um sich zu entscheiden, benutzt Geld als Rechenmittel.
✓ Wahr
Ja. Hier wird noch nichts bezahlt. Die Preise machen zwei ganz verschiedene Dinge vergleichbar — das ist die Rechenfunktion des Geldes.
Auf Frau Wolfs Konto stehen nach einem Jahr immer noch 180 €. Die Zahl ist gleich geblieben, aber weil alle Preise gestiegen sind, ist die ___ dieser 180 € kleiner geworden.
✓ Antwort: Kaufkraft
Der nominale Betrag sagt, wie viele Euro dastehen. Die Kaufkraft sagt, wie viel man dafür bekommt. Nur die zweite Größe entscheidet, ob man reicher oder ärmer geworden ist.
Lena hat 240 € in ihrer Spardose. Eine Kinokarte kostet 12 €. Ein Jahr später kostet dieselbe Karte 15 €, und in der Spardose liegen unverändert 240 €. Wie viele Kinokarten kann Lena jetzt kaufen?
● 16 Karten
○ 20 Karten
○ 15 Karten
240 € ÷ 15 € = 16 Karten. Vor einem Jahr waren es 20. Die Zahl in der Spardose ist gleich geblieben, ihre Kaufkraft nicht — das ist der Unterschied zwischen dem nominalen Betrag und dem, was er wert ist.
Frau Berger verdient 2.000 € im Monat. Im nächsten Jahr steigen alle Preise um 4 %. Wie hoch müsste ihr Lohn danach sein, damit sie sich genau gleich viel kaufen kann wie vorher?
● 2.080 €
○ 2.040 €
○ 2.000 €
4 % von 2.000 € sind 80 €, also 2.080 €. Bei 2.040 € wären nur 2 % dazugekommen — halb so viel, wie die Preise gestiegen sind: Die Zahl auf der Lohnabrechnung steigt, die Kaufkraft sinkt trotzdem. Ein Lohn hält nur dann mit, wenn er um denselben Prozentsatz steigt wie die Preise.
Vor zwei Jahren kostete Lenas Wunschfahrrad 300 €. Sie hat seither genau 300 € zusammengespart. Heute kostet dasselbe Fahrrad 330 €. Wie viel Euro fehlen ihr?
● 30 €
○ 0 €
○ 330 €
330 € − 300 € = 30 €. Lena hat ihr Sparziel in Zahlen erreicht und in Kaufkraft verfehlt. Ein Sparziel muss deshalb am Preis gemessen werden, nicht am Betrag, den man sich vor zwei Jahren aufgeschrieben hat.
In welcher der drei Situationen benutzt Jonas Geld als Rechenmittel?
● Jonas rechnet aus: Das Trikot für 90 € kostet so viel wie sechs Schwimmbadbesuche zu 15 €.
○ Jonas zahlt an der Schwimmbadkasse 15 € und bekommt sein Ticket.
○ Jonas hebt 90 € ab und legt sie in eine Kassette, bis er sich entschieden hat.
Im ersten Fall fließt kein Cent — Geld ist hier nur die gemeinsame Maßeinheit, mit der sich ein Trikot und ein Schwimmbadbesuch überhaupt vergleichen lassen. Genau dafür ist der Preis da.
In welcher der drei Situationen benutzt Frau Ott Geld als Wertaufbewahrungsmittel?
● Frau Ott verkauft im Juni Erdbeeren, legt den Erlös aufs Konto und kauft im Januar davon neue Pflanzen.
○ Frau Ott gibt einer Kundin 1 € Wechselgeld heraus.
○ Frau Ott schreibt an ihren Marktstand: Schale 3,50 €.
Die Erdbeeren wären im Januar längst verdorben, das Geld nicht: Es trägt die Kaufkraft vom Sommer in den Winter. Das funktioniert allerdings nur, solange der Geldwert stabil bleibt — bei stark steigenden Preisen trägt Geld immer weniger Kaufkraft über die Zeit.
Lena hat vor einem Jahr 500 € auf ihr Sparkonto gelegt und keine Zinsen bekommen. Heute stehen dort immer noch 500 €, und alle Preise sind seither um 6 % gestiegen. Lena hat dabei nichts verloren.
✓ Falsch
Doch. Sie kann sich für ihre 500 € heute rund 6 % weniger kaufen als vor einem Jahr. Der Verlust steht nirgends auf dem Kontoauszug, weil dort nur die nominale Zahl steht.
In einem Land steigen die Preise in einem Jahr um 100 %. Ein Brot kostete zu Jahresbeginn 2 €. Wie viel kostet es am Jahresende (in Euro)?
✓ Antwort: 4
Eine Steigerung um 100 % ist eine Verdoppelung: 2 € + 2 € = 4 €. Wer sein Geld unter der Matratze hatte, kann sich am Jahresende nur noch halb so viel kaufen — dann verliert Geld seine Funktion als Wertaufbewahrungsmittel.
Lena hatte vor einem Jahr 150 € gespart. Seither sind alle Preise um 10 % gestiegen. Wie viel Euro müsste sie heute besitzen, um sich genau dasselbe kaufen zu können wie vor einem Jahr?
✓ Antwort: 165
10 % von 150 € sind 15 €, also 165 €. Die fehlenden 15 € sind der Kaufkraftverlust eines Jahres — unsichtbar, solange man nur auf den Kontostand schaut.
Herr Sanz und Frau Wolf verdienen beide 1.000 € im Monat, jeder in einem anderen Land. In Herrn Sanz' Land bleiben die Preise ein Jahr lang gleich, und sein Lohn wird auf 950 € gesenkt. In Frau Wolfs Land steigen die Preise im selben Jahr um 10 %, und ihr Lohn wird auf 1.045 € erhöht. Wer kann sich am Jahresende weniger kaufen als am Jahresanfang?
● Beide gleich viel weniger
○ Nur Herr Sanz
○ Nur Frau Wolf
Herr Sanz: 950 € bei unveränderten Preisen — 5 % weniger Kaufkraft. Frau Wolf: 1.045 € ÷ 1,10 = 950 € in Preisen vom Jahresanfang — ebenfalls 5 % weniger. Die Erhöhung fühlt sich besser an, weil die Zahl größer wird. Kahneman, Knetsch und Thaler haben genau diesen Fall 1986 abgefragt: 62 % nannten die offene Kürzung unfair, dieselbe reale Kürzung als Erhöhung eingekleidet nur 22 %.
In einem Jahr steigen alle Preise um 10 %. Lena hat 500 € zinslos auf dem Sparkonto liegen. Herr Kaya schuldet seiner Schwester 500 €, zinslos, und zahlt sie am Jahresende zurück. Wer steht am Jahresende besser da als am Anfang?
● Herr Kaya, der die 500 € schuldet
○ Lena, die die 500 € gespart hat
○ Beide gleich, weil es in beiden Fällen 500 € sind
Herr Kaya gibt am Jahresende einen Betrag zurück, für den man weniger kaufen kann als vor einem Jahr — seine Schuld ist real geschrumpft. Lenas Guthaben ist real genauso geschrumpft. Steigende Preise entlasten Schuldner und belasten Sparer; stabiles Geld ist deshalb für beide Seiten nicht dasselbe wert.
In einem Jahr steigen in Deutschland fast alle Preise gleichzeitig — Brot, Miete, Benzin, Kleidung, Friseur. In welchem der drei Fälle passiert genau das?
● Es ist deutlich mehr Geld im Umlauf, ohne dass mehr Waren da wären.
○ Ein großer Handyhersteller verlangt für sein neues Modell 100 € mehr als für das alte.
○ Ein Kino erhöht den Eintritt am Wochenende um 2 €.
Ein einzelnes Unternehmen kann nur seinen eigenen Preis setzen. Dass alle Preise zugleich steigen, betrifft den Geldwert selbst. Blendon u. a. (1997) fanden hier eine große Lücke: 69 % der Öffentlichkeit, aber nur 15 % der Ökonomen erklärten allgemein steigende Preise damit, dass Unternehmen sie manipulieren. Die Europäische Zentralbank strebt für den Euroraum eine Inflationsrate von 2 % an (Stand 2026) — genau um den Geldwert berechenbar zu halten.