Von der Inventur zur Bilanz
Am 31.12. geht Harry mit einem Zählblock durch Lager und Backstube und schreibt auf: 240 kg Mehl, 60 kg Zucker, zwei Knetmaschinen, 500 € in der Kasse. Wie heißt dieser Arbeitsschritt?
Erklärung: Die Inventur ist das Zählen, Messen und Wiegen selbst — die körperliche Bestandsaufnahme am Stichtag. Was dabei entsteht, ist erst der nächste Schritt.
Harry überträgt seine Zählzettel in eine lange Liste: „Zucker, 60 kg, 1,20 € je kg, 72 €“ — und so jede Sorte einzeln, mit Menge, Einzelwert und Gesamtwert. Wie heißt diese Liste?
Erklärung: Das Inventar ist das ausführliche Verzeichnis: jede Position einzeln, mit Menge und Wert. Es ist das Ergebnis der Inventur, noch nicht die Bilanz.
Aus der langen Liste macht Harry eine kurze Übersicht: links stehen zu Gruppen zusammengefasst Maschinen, Rohstoffe, Bank und Kasse, rechts Eigenkapital, Darlehen und Lieferantenrechnungen. Wie heißt diese Übersicht?
Erklärung: Die Bilanz ist die zweiseitige Kurzform. Links steht, was aus den Mitteln geworden ist (Mittelverwendung), rechts, woher sie stammen (Mittelherkunft) — dasselbe Geld, zweimal beschrieben.
Harry hat auf der Aktivseite Ladeneinrichtung 26.000 €, Rohstoffe 2.200 €, Bankguthaben 3.500 € und Kasse 500 €. Welche Reihenfolge steht so in der Bilanz?
Erklärung: Die Aktivseite beginnt bei dem, was am schwersten zu Geld wird, und endet beim Geld selbst: Ladeneinrichtung, dann Rohstoffe, dann Bank, zuletzt Kasse. Nach der Höhe der Beträge wird nicht sortiert — 3.500 € auf der Bank sind schneller Geld als 2.200 € Mehl und Zucker im Lager.
Auf Harrys Passivseite stehen Eigenkapital 22.000 €, ein Darlehen der Sparkasse über 20.000 € mit fünf Jahren Laufzeit und Lieferantenrechnungen über 8.000 €, fällig in 30 Tagen. Welche Reihenfolge steht so in der Bilanz?
Erklärung: Die Passivseite ordnet nach Fristigkeit: zuerst das Kapital, das gar nicht zurückgezahlt werden muss, dann das langfristige Darlehen, zuletzt die Rechnungen, die in 30 Tagen fällig sind.
Harry stellt seine Bilanz zum 31.12. auf. Welche dieser drei Positionen gehört auf die Aktivseite?
Erklärung: Das Café schuldet Harry 1.800 € — die Forderung ist etwas, das die Bäckerei hat, also Mittelverwendung. Darlehen und Lieferantenrechnung sagen dagegen, woher Mittel gekommen sind, und stehen rechts.
Harrys Aktivseite ergibt zusammen 50.000 €. Auf der Passivseite stehen bisher nur Eigenkapital 22.000 € und Lieferantenrechnungen 8.000 €. Eine Zeile fehlt. Welche ist es?
Erklärung: Es fehlen 20.000 € auf der Passivseite, also eine Herkunft: das Darlehen. Kasse und Rohstoffe sind Positionen der Aktivseite und würden die Lücke nur verschieben.
In Harrys Bilanz zum 31.12. steht ein Eigenkapital von 22.000 €. In der Kasse liegen 500 €, auf dem Bankkonto 3.500 €. Über wie viel Geld verfügt die Bäckerei an diesem Tag?
Erklärung: Geld ist nur, was in Kasse und auf dem Konto liegt: 500 € + 3.500 € = 4.000 €. Die 22.000 € Eigenkapital sind kein Geldbestand, sondern der Teil des Vermögens, der nach Abzug aller Schulden übrig bleibt — er steckt in Maschinen, Mehl und Forderungen.
Harrys Bilanz zum 31.12. ist fertig aufgestellt. Am 3. Februar kauft er eine Brotschneidemaschine für 2.400 €. In welcher Bilanz erscheint sie?
Erklärung: Eine Bilanz zeigt einen einzigen Tag. Am 31.12. gab es die Maschine noch nicht, also steht sie erst im nächsten Stichtagsbild. Zum 3. Februar stellt Harry keine Bilanz auf: Ein einzelner Kauf wird auf Konten festgehalten, er löst kein neues Stichtagsbild aus.
Am 12. März verkauft Harry Brötchen für 60 € bar. Er trägt diesen Verkauf sofort als eigene Zeile in seine Bilanz zum 31.12. ein.
Erklärung: Nein. Laufende Geschäftsvorfälle werden auf Konten festgehalten, nicht in der Bilanz. Die Bilanz wird zum Stichtag aufgestellt — „in die Bilanz buchen“ gibt es nicht.
Harrys Vermögen beträgt 50.000 €, seine Schulden 28.000 €. Weil er nicht weiß, wie die Zeile heißt, schreibt er „Ausgleichsposten 22.000 €“ auf die Passivseite, damit die Bilanz aufgeht.
Erklärung: Der Betrag stimmt, der Name nicht: 50.000 € − 28.000 € = 22.000 € sind genau das Eigenkapital. Eine Differenz wird nie passend gemacht, sie hat immer schon einen Namen.
Harry schließt die Aktivseite mit 50.000 € und die Passivseite mit 49.400 € ab und sagt: „Das passt ungefähr.“ Damit ist seine Bilanz in Ordnung.
Erklärung: Nein. Beide Seiten beschreiben dieselben Mittel — links, was daraus geworden ist, rechts, woher sie kamen. Eine Differenz von 600 € heißt: eine Position fehlt oder ist falsch bewertet.
Aktivseite und Passivseite sind immer gleich groß, weil sie dieselben Mittel zweimal beschreiben: links als Mittelverwendung, rechts als ___.
Erklärung: Links steht, was aus dem Geld geworden ist, rechts, woher es kam. Beide Seiten zählen dieselben Mittel durch, nur aus zwei Richtungen — deshalb kommt zwangsläufig dieselbe Summe heraus.
Bei der Inventur am 31.12. wiegt Harry 240 kg Mehl. Das Kilo hat 0,50 € gekostet. Mit welchem Wert in Euro steht das Mehl im Inventar?
Erklärung: 240 kg × 0,50 € = 120 €. Das Inventar nennt Menge und Wert; in der Bilanz erscheint das Mehl später nur noch zusammengefasst als „Rohstoffe“.
Harrys Aktivseite zum 31.12.: Ladeneinrichtung 26.000 €, Backmaschinen 16.000 €, Rohstoffe 2.200 €, Forderungen 1.800 €, Bankguthaben 3.500 €, Kasse 500 €. Wie hoch ist die Bilanzsumme in Euro?
Erklärung: 26.000 + 16.000 + 2.200 + 1.800 + 3.500 + 500 = 50.000 €. Dieselbe Summe muss auch unter der Passivseite stehen.
Harrys Vermögen beträgt am 31.12. 50.000 €. Er schuldet der Sparkasse 20.000 € und der Mühle 8.000 €. Wie hoch ist sein Eigenkapital in Euro?
Erklärung: 50.000 € − 20.000 € − 8.000 € = 22.000 €. Das Eigenkapital wird nicht eingetragen, sondern übrig gelassen: Es ist der Rest nach allen Schulden.