Gewinn und Zahlungsfähigkeit
Im März liefert Harrys Bäckerei Torten für 4.000 € auf Rechnung; die Kunden zahlen im Mai. Verbraucht wurden Zutaten für 1.500 €, dazu 900 € Miete, beides bar bezahlt. Wie hoch ist der Gewinn des Monats März?
Erklärung: 4.000 € Ertrag minus 1.500 € minus 900 € Aufwand = 1.600 € Gewinn. Dass noch kein Kunde bezahlt hat, ändert am Gewinn nichts — es ändert nur den Kontostand.
Gleicher März: Lieferung über 4.000 € auf Rechnung (Zahlung im Mai), bar bezahlt 1.500 € Zutaten und 900 € Miete. Wie verändert sich der Kontostand im März?
Erklärung: Geflossen ist im März nur Geld nach draußen: 1.500 € + 900 € = 2.400 €. Der Gewinn von 1.600 € steht in der GuV, nicht auf dem Konto. Dieselben Zahlen, zwei Antworten.
Ende April hat die Bäckerei 1.600 € Gewinn gemacht und 300 € auf dem Konto. In der Bilanz stehen Forderungen 4.000 € und Warenbestand 1.200 €. Wo steckt das verdiente Geld?
Erklärung: Gewinn ist nicht weg, er ist nur nicht flüssig: Er sitzt in Forderungen und in Ware. Beides ist Vermögen, mit beidem kann man aber keine Miete zahlen.
Im Juni nimmt die Bäckerei 20.000 € Kredit auf und verkauft nichts. Miete 900 € (bar), Zinsen 80 € (bar). Wie hoch ist der Gewinn des Monats Juni?
Erklärung: Der Kredit bringt Geld, aber keinen Ertrag — er bringt auch Schulden in gleicher Höhe. Ergebnis des Monats sind allein die 900 € Miete und die 80 € Zinsen: 980 € Verlust, bei einem Konto, das um 19.020 € voller ist.
Im Juli tilgt die Bäckerei 2.000 € des Kredits. Sonst passiert nichts. Wie hoch ist der Gewinn des Monats Juli?
Erklärung: Die Tilgung tauscht Geld gegen weniger Schulden — ein reiner Bilanzvorgang. Der Kontostand fällt um 2.000 €, der Gewinn bleibt bei null.
Die Bäckerei verdoppelt ihren Absatz. Sie kauft deshalb doppelt so viel Ware ein und bezahlt sie sofort; ihre Kunden zahlen weiterhin erst nach zwei Monaten. Was passiert in den nächsten Monaten?
Erklärung: Wachstum bindet Geld, bevor es welches einbringt: Die Ware ist sofort zu bezahlen, die Einnahmen kommen zwei Monate später. Genau daran gehen wachsende Betriebe zugrunde — nicht an schlechten Geschäften.
Ein Betrieb will wissen, ob er die Miete am Monatsersten überweisen kann. In welcher Zahl steht die Antwort?
Erklärung: Bezahlen kann man nur mit Geld. Der Gewinn sagt, ob das Geschäft sich lohnt; die Bilanzsumme sagt, wie groß der Betrieb ist. Beide beantworten die Frage nicht.
Im August macht die Bäckerei 500 € Verlust — darin stecken 700 € Abschreibung auf den Ofen. Verkauft wurde alles bar, bezahlt wurde alles bar. Wie verändert sich der Kontostand im August?
Erklärung: Die Abschreibung ist Aufwand ohne Auszahlung. Zieht man sie vom Verlust ab, bleiben +200 € Geldzufluss: Verlust in der GuV, mehr Geld auf dem Konto.
Eine Forderung über 4.000 € steht auf der Aktivseite der Bilanz, also kann die Bäckerei damit ihre Miete bezahlen.
Erklärung: Nein. Eine Forderung ist Vermögen, aber kein Zahlungsmittel. Bezahlen kann man erst, wenn der Kunde überwiesen hat.
Ein Monat, in dem gar kein Geld eingegangen ist, kann trotzdem mit Gewinn abschließen.
Erklärung: Ja — wenn auf Rechnung geliefert wurde. Der Ertrag entsteht bei der Lieferung, das Geld kommt später.
Die Bäckerei vereinbart mit ihren Kunden Zahlung nach 14 statt nach 60 Tagen. Sonst ändert sich nichts. Was verändert sich?
Erklärung: Ein Zahlungsziel verschiebt nur, wann das Geld kommt. Verkauft und verbraucht wurde genau dasselbe, also ist auch der Gewinn derselbe.
Kasse 400 €, Bank 1.100 €, Forderungen 3.000 €, Warenbestand 900 €. Wie viel Geld kann die Bäckerei heute überweisen (in Euro)?
Erklärung: Nur Kasse und Bank sind Zahlungsmittel: 400 € + 1.100 € = 1.500 €. Forderungen und Ware sind Vermögen, aber heute nicht zahlbar.
Umsatzerlöse 7.200 €, Wareneinsatz 3.100 €, Miete 900 €, Löhne 1.400 €, Abschreibung 600 €. Wie hoch ist der Gewinn in Euro?
Erklärung: 7.200 − 3.100 − 900 − 1.400 − 600 = 1.200 €. Alle fünf Zahlen sind Erfolgsgrößen; keine davon sagt etwas über den Kontostand.
Konten, mit denen man sofort bezahlen kann — Kasse und Bank —, nennt man ___ Mittel.
Erklärung: Liquide Mittel sind Zahlungsmittel. Forderungen und Warenbestand gehören zum Vermögen, aber nicht dazu.
Die Bäckerei weist für das Jahr 12.000 € Gewinn aus und hat am 31.12. nur 800 € auf dem Konto. Welche Erklärung passt zu diesen Zahlen?
Erklärung: Der Gewinn ist da, nur nicht als Geld: Er steckt in Forderungen und Warenbestand. Genau diese Lücke muss ein Betrieb überbrücken können — sonst ist er zahlungsunfähig, obwohl er verdient hat.