Gewinn und Zahlungsfähigkeit

Profit and being able to pay

Wirtschaft und Recht Klasse 9 15 Aufgaben
RechnungswesenLiquiditätUnternehmenKerncurriculum

Ein Betrieb kann ein gutes Jahr haben und trotzdem seine Rechnungen nicht bezahlen können. Der Gewinn beantwortet die Frage, ob sich das Geschäft lohnt; die Zahlungsfähigkeit beantwortet die Frage, ob der Betrieb morgen noch da ist. Beide werden aus denselben Büchern gelesen, aber an verschiedenen Stellen — der Gewinn in der GuV, das Geld auf den liquiden Konten. Die Schülerin liest an konkreten Monaten beides nebeneinander und erklärt die Lücke aus Forderungen, Warenbestand und Zahlungszielen. Diese Unterscheidung ist der Grund, warum wachsende Betriebe zahlungsunfähig werden: Wachstum bindet Geld in Ware und in Forderungen, bevor es welches einbringt. Sie wird im Bilanz-Blitz (wirtschaft-und-recht.grade9.bilanz-blitz) über mehrere Monate durchgespielt und bereitet die Kennzahlen der Jgst. 10 vor.

Können & Üben

Die Klassen-Bäckerei — vier Monate auf Papier

workshop

90 min · once

klassenraum

Jede Gruppe führt eine Bäckerei über vier Monate. Die Begleitperson spielt Kundschaft, Lieferant und Vermieter und ruft die Monate aus. Der Kern des Aufbaus: Es gibt zwei Bögen, und in jedem Monat wird jeder Vorgang auf beiden, auf einem oder auf keinem eingetragen. Genau das ist die Lernfrage. Aufbau. Jede Gruppe startet mit 300 € Spielgeld auf dem KONTO-Bogen und einer leeren ERFOLG-Tabelle. An der Tafel steht die einzige Regel, die die Gruppen brauchen: Auf den KONTO-Bogen kommt, was Geld bewegt. Auf den ERFOLG-Bogen kommt, was verbraucht oder erwirtschaftet wurde. Nicht mehr. Monat 1 — alles bar. Die Gruppen kaufen Ware (Kärtchen zu 6 €), verkaufen an die Begleitperson für 15 € bar, zahlen 100 € Miete. Beide Bögen füllen sich parallel. Am Monatsende beide Ergebnisse nebeneinander an die Tafel: Gewinn und Kontostand sind fast dasselbe. Das ist die Ausgangslage — und die Vorstellung, die als Nächstes bricht. Monat 2 — der große Kunde zahlt später. Die Begleitperson tritt als Café auf und bestellt groß, zahlt aber „in zwei Monaten“: statt Scheinen gibt es eine rote Karte. Vorher vermuten lassen: Was passiert jetzt mit den beiden Bögen? Dann eintragen. Beobachten: Der ERFOLG-Bogen zeigt einen guten Monat, der KONTO-Bogen schrumpft, weil Ware und Miete bar bezahlt wurden. Erklären lassen, warum beides gleichzeitig stimmt. Monat 3 — die Miete kommt trotzdem. Die Miete wird eingezogen, egal wie voll das Konto ist. Wer nicht zahlen kann, muss verhandeln: Kunden anrufen (die Begleitperson zahlt eine rote Karte vorzeitig aus, wenn eine Gruppe gut fragt), weniger einkaufen, oder einen Kredit aufnehmen — 200 € gegen 10 € Zinsen pro Monat. Wichtig: Der Kredit kommt auf den KONTO-Bogen und NICHT auf den ERFOLG-Bogen; nur die Zinsen sind Aufwand. Genau hier irren die meisten Gruppen, und genau hier lohnt das Innehalten. Monat 4 — Wachstum. Die Begleitperson bestellt doppelt so viel wie in Monat 2, wieder auf Rechnung. Vorher vermuten lassen: Wird das Konto voller oder leerer? Fast alle sagen voller. Beobachten: Es wird leerer, weil die doppelte Ware sofort zu bezahlen ist. Der ERFOLG-Bogen zeigt den besten Monat des Jahres. Abschluss (20 Minuten, der wichtigste Teil). Jede Gruppe schreibt zwei Zahlen an die Tafel: Gewinn der vier Monate und Kontostand am Ende. Die Spannweite zwischen den Gruppen ist der Gesprächsanlass. Drei Fragen nacheinander: Wo steckt bei der Gruppe mit dem höchsten Gewinn das Geld? (In den roten Karten und in den Warenkärtchen.) Was hätte die Gruppe mit dem leersten Konto anders machen können, ohne weniger zu verkaufen? (Kürzere Zahlungsziele, kleineres Lager, Kredit.) Und: Welcher Vorgang stand auf beiden Bögen, welcher nur auf einem? Die Liste an der Tafel ist das Ergebnis der Stunde — Aufwand ist nicht Auszahlung, Ertrag ist nicht Einzahlung.

guide

6–30

Leicht
Wahr / Falsch #1 15s ▶ Testen

Eine Forderung über 4.000 € steht auf der Aktivseite der Bilanz, also kann die Bäckerei damit ihre Miete bezahlen.

✓ Falsch
Nein. Eine Forderung ist Vermögen, aber kein Zahlungsmittel. Bezahlen kann man erst, wenn der Kunde überwiesen hat.
Lückentext #2 15s ▶ Testen

Konten, mit denen man sofort bezahlen kann — Kasse und Bank —, nennt man ___ Mittel.

✓ Antwort: liquide
Liquide Mittel sind Zahlungsmittel. Forderungen und Warenbestand gehören zum Vermögen, aber nicht dazu.
Mittel
Multiple Choice #1 30s ▶ Testen

Im März liefert Harrys Bäckerei Torten für 4.000 € auf Rechnung; die Kunden zahlen im Mai. Verbraucht wurden Zutaten für 1.500 €, dazu 900 € Miete, beides bar bezahlt. Wie hoch ist der Gewinn des Monats März?

  • ● 1.600 €
  • ○ −2.400 €
  • ○ 4.000 €
4.000 € Ertrag minus 1.500 € minus 900 € Aufwand = 1.600 € Gewinn. Dass noch kein Kunde bezahlt hat, ändert am Gewinn nichts — es ändert nur den Kontostand.
Multiple Choice #2 30s ▶ Testen

Gleicher März: Lieferung über 4.000 € auf Rechnung (Zahlung im Mai), bar bezahlt 1.500 € Zutaten und 900 € Miete. Wie verändert sich der Kontostand im März?

  • ● −2.400 €
  • ○ +1.600 €
  • ○ +4.000 €
Geflossen ist im März nur Geld nach draußen: 1.500 € + 900 € = 2.400 €. Der Gewinn von 1.600 € steht in der GuV, nicht auf dem Konto. Dieselben Zahlen, zwei Antworten.
Multiple Choice #3 25s ▶ Testen

Im Juli tilgt die Bäckerei 2.000 € des Kredits. Sonst passiert nichts. Wie hoch ist der Gewinn des Monats Juli?

  • ● 0 €
  • ○ −2.000 €
  • ○ +2.000 €
Die Tilgung tauscht Geld gegen weniger Schulden — ein reiner Bilanzvorgang. Der Kontostand fällt um 2.000 €, der Gewinn bleibt bei null.
Multiple Choice #4 25s ▶ Testen

Ein Betrieb will wissen, ob er die Miete am Monatsersten überweisen kann. In welcher Zahl steht die Antwort?

  • ● Im Bestand der liquiden Konten (Kasse und Bank)
  • ○ Im Gewinn der Gewinn- und Verlustrechnung
  • ○ In der Bilanzsumme
Bezahlen kann man nur mit Geld. Der Gewinn sagt, ob das Geschäft sich lohnt; die Bilanzsumme sagt, wie groß der Betrieb ist. Beide beantworten die Frage nicht.
Wahr / Falsch #5 15s ▶ Testen

Ein Monat, in dem gar kein Geld eingegangen ist, kann trotzdem mit Gewinn abschließen.

✓ Wahr
Ja — wenn auf Rechnung geliefert wurde. Der Ertrag entsteht bei der Lieferung, das Geld kommt später.
Zahleneingabe #6 25s ▶ Testen

Kasse 400 €, Bank 1.100 €, Forderungen 3.000 €, Warenbestand 900 €. Wie viel Geld kann die Bäckerei heute überweisen (in Euro)?

✓ Antwort: 1500
Nur Kasse und Bank sind Zahlungsmittel: 400 € + 1.100 € = 1.500 €. Forderungen und Ware sind Vermögen, aber heute nicht zahlbar.
Zahleneingabe #7 30s ▶ Testen

Umsatzerlöse 7.200 €, Wareneinsatz 3.100 €, Miete 900 €, Löhne 1.400 €, Abschreibung 600 €. Wie hoch ist der Gewinn in Euro?

✓ Antwort: 1200
7.200 − 3.100 − 900 − 1.400 − 600 = 1.200 €. Alle fünf Zahlen sind Erfolgsgrößen; keine davon sagt etwas über den Kontostand.
Schwer
Multiple Choice #1 30s ▶ Testen

Ende April hat die Bäckerei 1.600 € Gewinn gemacht und 300 € auf dem Konto. In der Bilanz stehen Forderungen 4.000 € und Warenbestand 1.200 €. Wo steckt das verdiente Geld?

  • ● Bei den Kunden und im Regal — als Forderungen und Warenbestand
  • ○ Es ist verschwunden, weil der Gewinn falsch berechnet wurde
  • ○ Auf einem zweiten Konto, das in der Bilanz fehlt
Gewinn ist nicht weg, er ist nur nicht flüssig: Er sitzt in Forderungen und in Ware. Beides ist Vermögen, mit beidem kann man aber keine Miete zahlen.
Multiple Choice #2 30s ▶ Testen

Im Juni nimmt die Bäckerei 20.000 € Kredit auf und verkauft nichts. Miete 900 € (bar), Zinsen 80 € (bar). Wie hoch ist der Gewinn des Monats Juni?

  • ● −980 €
  • ○ +19.020 €
  • ○ +20.000 €
Der Kredit bringt Geld, aber keinen Ertrag — er bringt auch Schulden in gleicher Höhe. Ergebnis des Monats sind allein die 900 € Miete und die 80 € Zinsen: 980 € Verlust, bei einem Konto, das um 19.020 € voller ist.
Multiple Choice #3 35s ▶ Testen

Die Bäckerei verdoppelt ihren Absatz. Sie kauft deshalb doppelt so viel Ware ein und bezahlt sie sofort; ihre Kunden zahlen weiterhin erst nach zwei Monaten. Was passiert in den nächsten Monaten?

  • ● Der Gewinn steigt, der Kontostand fällt zuerst
  • ○ Gewinn und Kontostand steigen beide sofort
  • ○ Der Gewinn fällt, weil mehr eingekauft wird
Wachstum bindet Geld, bevor es welches einbringt: Die Ware ist sofort zu bezahlen, die Einnahmen kommen zwei Monate später. Genau daran gehen wachsende Betriebe zugrunde — nicht an schlechten Geschäften.
Multiple Choice #4 35s ▶ Testen

Im August macht die Bäckerei 500 € Verlust — darin stecken 700 € Abschreibung auf den Ofen. Verkauft wurde alles bar, bezahlt wurde alles bar. Wie verändert sich der Kontostand im August?

  • ● +200 €
  • ○ −500 €
  • ○ −1.200 €
Die Abschreibung ist Aufwand ohne Auszahlung. Zieht man sie vom Verlust ab, bleiben +200 € Geldzufluss: Verlust in der GuV, mehr Geld auf dem Konto.
Multiple Choice #5 30s ▶ Testen

Die Bäckerei vereinbart mit ihren Kunden Zahlung nach 14 statt nach 60 Tagen. Sonst ändert sich nichts. Was verändert sich?

  • ● Der Kontostand steigt früher, der Jahresgewinn bleibt gleich
  • ○ Der Jahresgewinn steigt, der Kontostand bleibt gleich
  • ○ Beides steigt
Ein Zahlungsziel verschiebt nur, wann das Geld kommt. Verkauft und verbraucht wurde genau dasselbe, also ist auch der Gewinn derselbe.
Multiple Choice #6 35s ▶ Testen

Die Bäckerei weist für das Jahr 12.000 € Gewinn aus und hat am 31.12. nur 800 € auf dem Konto. Welche Erklärung passt zu diesen Zahlen?

  • ● Die Kunden schulden noch 9.000 € und im Lager liegt Ware für 4.000 €
  • ○ Die Gewinnberechnung enthält einen Fehler von 11.200 €
  • ○ Der Gewinn wurde zweimal gezählt
Der Gewinn ist da, nur nicht als Geld: Er steckt in Forderungen und Warenbestand. Genau diese Lücke muss ein Betrieb überbrücken können — sonst ist er zahlungsunfähig, obwohl er verdient hat.