Gewinn und Zahlungsfähigkeit
Profit and being able to pay
Ein Betrieb kann ein gutes Jahr haben und trotzdem seine Rechnungen nicht bezahlen können. Der Gewinn beantwortet die Frage, ob sich das Geschäft lohnt; die Zahlungsfähigkeit beantwortet die Frage, ob der Betrieb morgen noch da ist. Beide werden aus denselben Büchern gelesen, aber an verschiedenen Stellen — der Gewinn in der GuV, das Geld auf den liquiden Konten. Die Schülerin liest an konkreten Monaten beides nebeneinander und erklärt die Lücke aus Forderungen, Warenbestand und Zahlungszielen. Diese Unterscheidung ist der Grund, warum wachsende Betriebe zahlungsunfähig werden: Wachstum bindet Geld in Ware und in Forderungen, bevor es welches einbringt. Sie wird im Bilanz-Blitz (wirtschaft-und-recht.grade9.bilanz-blitz) über mehrere Monate durchgespielt und bereitet die Kennzahlen der Jgst. 10 vor.
Können & Üben
Die Klassen-Bäckerei — vier Monate auf Papier
workshop90 min · once
klassenraum
Jede Gruppe führt eine Bäckerei über vier Monate. Die Begleitperson spielt Kundschaft, Lieferant und Vermieter und ruft die Monate aus. Der Kern des Aufbaus: Es gibt zwei Bögen, und in jedem Monat wird jeder Vorgang auf beiden, auf einem oder auf keinem eingetragen. Genau das ist die Lernfrage. Aufbau. Jede Gruppe startet mit 300 € Spielgeld auf dem KONTO-Bogen und einer leeren ERFOLG-Tabelle. An der Tafel steht die einzige Regel, die die Gruppen brauchen: Auf den KONTO-Bogen kommt, was Geld bewegt. Auf den ERFOLG-Bogen kommt, was verbraucht oder erwirtschaftet wurde. Nicht mehr. Monat 1 — alles bar. Die Gruppen kaufen Ware (Kärtchen zu 6 €), verkaufen an die Begleitperson für 15 € bar, zahlen 100 € Miete. Beide Bögen füllen sich parallel. Am Monatsende beide Ergebnisse nebeneinander an die Tafel: Gewinn und Kontostand sind fast dasselbe. Das ist die Ausgangslage — und die Vorstellung, die als Nächstes bricht. Monat 2 — der große Kunde zahlt später. Die Begleitperson tritt als Café auf und bestellt groß, zahlt aber „in zwei Monaten“: statt Scheinen gibt es eine rote Karte. Vorher vermuten lassen: Was passiert jetzt mit den beiden Bögen? Dann eintragen. Beobachten: Der ERFOLG-Bogen zeigt einen guten Monat, der KONTO-Bogen schrumpft, weil Ware und Miete bar bezahlt wurden. Erklären lassen, warum beides gleichzeitig stimmt. Monat 3 — die Miete kommt trotzdem. Die Miete wird eingezogen, egal wie voll das Konto ist. Wer nicht zahlen kann, muss verhandeln: Kunden anrufen (die Begleitperson zahlt eine rote Karte vorzeitig aus, wenn eine Gruppe gut fragt), weniger einkaufen, oder einen Kredit aufnehmen — 200 € gegen 10 € Zinsen pro Monat. Wichtig: Der Kredit kommt auf den KONTO-Bogen und NICHT auf den ERFOLG-Bogen; nur die Zinsen sind Aufwand. Genau hier irren die meisten Gruppen, und genau hier lohnt das Innehalten. Monat 4 — Wachstum. Die Begleitperson bestellt doppelt so viel wie in Monat 2, wieder auf Rechnung. Vorher vermuten lassen: Wird das Konto voller oder leerer? Fast alle sagen voller. Beobachten: Es wird leerer, weil die doppelte Ware sofort zu bezahlen ist. Der ERFOLG-Bogen zeigt den besten Monat des Jahres. Abschluss (20 Minuten, der wichtigste Teil). Jede Gruppe schreibt zwei Zahlen an die Tafel: Gewinn der vier Monate und Kontostand am Ende. Die Spannweite zwischen den Gruppen ist der Gesprächsanlass. Drei Fragen nacheinander: Wo steckt bei der Gruppe mit dem höchsten Gewinn das Geld? (In den roten Karten und in den Warenkärtchen.) Was hätte die Gruppe mit dem leersten Konto anders machen können, ohne weniger zu verkaufen? (Kürzere Zahlungsziele, kleineres Lager, Kredit.) Und: Welcher Vorgang stand auf beiden Bögen, welcher nur auf einem? Die Liste an der Tafel ist das Ergebnis der Stunde — Aufwand ist nicht Auszahlung, Ertrag ist nicht Einzahlung.
guide
6–30
Voraussetzungen (1)
Ermöglicht (3)
Eine Forderung über 4.000 € steht auf der Aktivseite der Bilanz, also kann die Bäckerei damit ihre Miete bezahlen.
Konten, mit denen man sofort bezahlen kann — Kasse und Bank —, nennt man ___ Mittel.
Im März liefert Harrys Bäckerei Torten für 4.000 € auf Rechnung; die Kunden zahlen im Mai. Verbraucht wurden Zutaten für 1.500 €, dazu 900 € Miete, beides bar bezahlt. Wie hoch ist der Gewinn des Monats März?
Gleicher März: Lieferung über 4.000 € auf Rechnung (Zahlung im Mai), bar bezahlt 1.500 € Zutaten und 900 € Miete. Wie verändert sich der Kontostand im März?
Im Juli tilgt die Bäckerei 2.000 € des Kredits. Sonst passiert nichts. Wie hoch ist der Gewinn des Monats Juli?
Ein Betrieb will wissen, ob er die Miete am Monatsersten überweisen kann. In welcher Zahl steht die Antwort?
Ein Monat, in dem gar kein Geld eingegangen ist, kann trotzdem mit Gewinn abschließen.
Kasse 400 €, Bank 1.100 €, Forderungen 3.000 €, Warenbestand 900 €. Wie viel Geld kann die Bäckerei heute überweisen (in Euro)?
Umsatzerlöse 7.200 €, Wareneinsatz 3.100 €, Miete 900 €, Löhne 1.400 €, Abschreibung 600 €. Wie hoch ist der Gewinn in Euro?
Ende April hat die Bäckerei 1.600 € Gewinn gemacht und 300 € auf dem Konto. In der Bilanz stehen Forderungen 4.000 € und Warenbestand 1.200 €. Wo steckt das verdiente Geld?
Im Juni nimmt die Bäckerei 20.000 € Kredit auf und verkauft nichts. Miete 900 € (bar), Zinsen 80 € (bar). Wie hoch ist der Gewinn des Monats Juni?
Die Bäckerei verdoppelt ihren Absatz. Sie kauft deshalb doppelt so viel Ware ein und bezahlt sie sofort; ihre Kunden zahlen weiterhin erst nach zwei Monaten. Was passiert in den nächsten Monaten?
Im August macht die Bäckerei 500 € Verlust — darin stecken 700 € Abschreibung auf den Ofen. Verkauft wurde alles bar, bezahlt wurde alles bar. Wie verändert sich der Kontostand im August?
Die Bäckerei vereinbart mit ihren Kunden Zahlung nach 14 statt nach 60 Tagen. Sonst ändert sich nichts. Was verändert sich?
Die Bäckerei weist für das Jahr 12.000 € Gewinn aus und hat am 31.12. nur 800 € auf dem Konto. Welche Erklärung passt zu diesen Zahlen?