Wann der Vertrag entsteht
Im Schaufenster hängt eine Jacke mit dem Preisschild 79 €. Mia geht hinein, legt die Jacke auf die Theke und sagt „Die nehme ich“. Die Verkäuferin sagt „Gern“ und tippt sie in die Kasse. In welchem Moment kommt der Kaufvertrag zustande?
Erklärung: Das Preisschild im Schaufenster bindet den Laden nicht — es lädt nur ein, ein Angebot abzugeben. Den Antrag macht Mia mit „Die nehme ich“, die Annahme kommt von der Verkäuferin. Zwei übereinstimmende Willenserklärungen, mehr braucht es nicht (§§ 145, 147 BGB). Das Bezahlen erfüllt den Vertrag nur noch.
Tim legt am Regal Kekse in den Einkaufswagen; sie sind mit 1,49 € ausgezeichnet. An der Kasse zeigt das Display 1,99 €; der Kassierer sagt: „Das Regalschild ist alt.“ In welchem Moment kommt der Kaufvertrag zustande?
Erklärung: Das Regalschild ist kein Antrag, sondern eine Einladung — deshalb kann der Laden nicht auf 1,49 € festgenagelt werden. Den Antrag macht Tim an der Kasse, und er darf die Kekse auch einfach liegen lassen. Solange keine Einigung da ist, gibt es keinen Vertrag (§ 145 BGB).
Ben legt Turnschuhe in den Warenkorb und klickt auf „Zahlungspflichtig bestellen“. Sofort kommt die automatische E-Mail „Wir haben deine Bestellung erhalten“. In den AGB des Shops steht: „Der Vertrag kommt mit unserer Versandbestätigung zustande.“ Zwei Tage später kommt die Versandbestätigung. In welchem Moment kommt der Kaufvertrag zustande?
Erklärung: Der Klick ist Bens Antrag. Die automatische E-Mail bestätigt nur, dass die Bestellung angekommen ist — das schreibt § 312i Abs. 1 Nr. 3 BGB vor, eine Annahme ist es nicht. Angenommen hat der Shop laut seinen eigenen AGB erst mit der Versandbestätigung. Der Warenkorb ist überhaupt keine Willenserklärung.
Am Bahnhof steht ein Getränkeautomat, eine Flasche Wasser kostet 2 €. Lena wirft zwei Euromünzen ein und drückt die Taste; die Flasche fällt ins Ausgabefach. In welchem Moment kommt der Kaufvertrag zustande?
Erklärung: Hier ist das Aufstellen des befüllten Automaten ausnahmsweise schon der Antrag — er richtet sich an jeden, der zahlt. Lena nimmt ihn an, indem sie einwirft und drückt. Das Herausfallen der Flasche ist bereits die Erfüllung. Der Unterschied zum Schaufenster: Der Automat verkauft ohne weitere Entscheidung, die Auslage lädt nur ein.
Auf dem Flohmarkt bietet Tom sein Fahrrad für 120 € an. Jana sagt „Abgemacht“, beide geben sich die Hand. Aufgeschrieben wird nichts; bezahlt und abgeholt wird erst am Abend. In welchem Moment kommt der Kaufvertrag zustande?
Erklärung: Ein Kaufvertrag braucht weder Papier noch Unterschrift; zwei übereinstimmende Willenserklärungen genügen (§§ 145, 147 BGB). Toms Antrag und Janas Annahme treffen am Stand zusammen — ab da schuldet Tom das Rad und Jana die 120 € (§ 433 BGB). Zahlen und Übergeben kommen danach.
Bei einer Versteigerung im Auktionshaus ruft der Auktionator eine Gitarre auf. Nils bietet 300 €, niemand bietet höher, der Auktionator lässt den Hammer fallen. In welchem Moment kommt der Kaufvertrag zustande?
Erklärung: Bei der Versteigerung kommt der Vertrag durch den Zuschlag zustande (§ 156 BGB). Ein Gebot ist nur der Antrag — es erlischt, sobald jemand höher bietet oder die Versteigerung ohne Zuschlag endet. Der Aufruf lädt zum Bieten ein.
Beim Fahrradhändler steht ein gebrauchtes Rad mit dem Schild 200 €. Ella sagt: „Ich nehme es für 150 €.“ Der Händler überlegt und sagt nichts. In welchem Moment kommt der Kaufvertrag zustande?
Erklärung: Ellas Satz ist selbst ein Antrag über 150 € — das Preisschild war ja nur eine Einladung. Es fehlt die zweite Willenserklärung: Schweigen ist im Rechtsverkehr grundsätzlich keine Annahme, und ein Antrag unter Anwesenden kann ohnehin nur sofort angenommen werden (§ 147 Abs. 1 BGB).
Der Händler bietet Ella das Rad für 180 € an. Ella sagt „Nein, zu teuer“ und geht. Zehn Minuten später kommt sie zurück: „Doch, ich nehme es für 180 €.“ Der Händler sagt: „Jetzt nicht mehr.“ In welchem Moment kommt der Kaufvertrag zustande?
Erklärung: Ein abgelehnter Antrag erlischt (§ 146 BGB). Ellas späteres „Ich nehme es“ ist ein neuer Antrag, und den darf der Händler ablehnen. Unter Anwesenden gilt außerdem: Ein Antrag muss sofort angenommen werden (§ 147 Abs. 1 BGB).
Am Waffelstand des Schulfests hängt ein Schild „Waffel 1,50 €“. Sina ruft: „Zwei Waffeln bitte!“ Der Schüler hinter dem Stand sagt „Kommt sofort“ und gießt Teig in das Eisen. In welchem Moment kommt der Kaufvertrag zustande?
Erklärung: Das Schild lädt nur ein, Sinas Ruf ist der Antrag, das „Kommt sofort“ die Annahme. Ab diesem Moment schuldet der Stand zwei Waffeln und Sina 3 € (§ 433 BGB) — auch wenn noch niemand etwas bezahlt oder übergeben hat.
Der Nachbar schreibt Lukas einen Zettel: „Ich verkaufe dir meinen Verstärker für 90 €, sag mir bis Sonntag Bescheid.“ Am Samstag antwortet Lukas: „Ja, ich nehme ihn.“ Überwiesen wird am Montag. In welchem Moment kommt der Kaufvertrag zustande?
Erklärung: Hier ist der Zettel wirklich ein Antrag: Der Nachbar nennt Sache, Preis und eine Frist und bindet sich bis Sonntag (§§ 145, 148 BGB). Lukas’ Ja am Samstag ist die Annahme innerhalb der Frist. Die Überweisung erfüllt den Vertrag nur.
In der Auslage der Buchhandlung liegt ein Bildband mit dem Schild „24,90 €“. Weil das Schild dort liegt, muss die Buchhandlung Jonas den Bildband für 24,90 € verkaufen.
Erklärung: Nein. Die Auslage ist kein Antrag, sondern eine Einladung, ein Angebot abzugeben. Die Buchhandlung darf ablehnen — etwa weil der Bildband das letzte Ausstellungsstück ist oder der Preis veraltet ist (§ 145 BGB).
Herr Ott verkauft Frau Baur am Gartenzaun seinen Rasenmäher für 80 €; beide sagen zu, aufgeschrieben wird nichts. Trotzdem ist ein wirksamer Kaufvertrag entstanden.
Erklärung: Ja. Der Kaufvertrag ist formfrei — er braucht keine Schrift und keine Unterschrift. Schriftform verlangt das Gesetz nur in Sonderfällen, etwa beim Grundstückskauf (§ 311b BGB). Schriftlich ist trotzdem klüger: Man kann es beweisen.
Emma hat eine Tasche in den Warenkorb eines Onlineshops gelegt und den Browser dann geschlossen, ohne zu bestellen. Damit ist ein Kaufvertrag ĂĽber die Tasche entstanden.
Erklärung: Nein. Der Warenkorb ist eine Merkliste, keine Willenserklärung. Erst der Klick auf die Schaltfläche „Zahlungspflichtig bestellen“ (§ 312j Abs. 3 BGB) wäre Emmas Antrag gewesen — und auch dann fehlte noch die Annahme des Shops (§§ 145, 147 BGB).
Das Preisschild im Schaufenster bindet den Laden nicht. Es ist noch kein Antrag, sondern nur eine ___, ein Angebot abzugeben.
Erklärung: Juristisch heißt das invitatio ad offerendum — Einladung zur Abgabe eines Angebots. Den Antrag macht deshalb die Kundin, angenommen wird er vom Laden.
Tom bietet sein Rad für 120 € an, Jana sagt „Abgemacht“. Damit liegen zwei übereinstimmende ___ vor, und der Vertrag steht.
Erklärung: Antrag und Annahme sind die beiden Willenserklärungen (§§ 145, 147 BGB). Ob dabei Geld fließt oder etwas übergeben wird, spielt für das Zustandekommen keine Rolle.
Am Kiosk passiert an einem Vormittag Folgendes. Erster Kunde: legt eine Zeitung hin, der Verkäufer tippt sie ein und nimmt das Geld. Zweiter Kunde: nimmt eine Zeitung in die Hand, liest die Schlagzeile, legt sie zurück. Dritter Kunde: legt zwei Brötchen hin, der Verkäufer nickt und packt sie ein, bezahlt wird morgen. Wie viele Kaufverträge sind zustande gekommen?
Erklärung: Beim ersten und beim dritten Kunden treffen Antrag und Annahme zusammen — beim dritten auch ohne Zahlung, denn Zahlen ist Erfüllung, nicht Vertragsschluss. Der zweite Kunde hat nur eine Ware angefasst und keine Willenserklärung abgegeben.
Für einen gewöhnlichen Kaufvertrag schreibt das Gesetz keine bestimmte Form vor – er ist ___.
Erklärung: Kaufverträge sind formfrei: mündlich, per Handschlag, per Chat oder schlüssig genügt. Eine Form verlangt das Gesetz nur in Sonderfällen, etwa beim Grundstückskauf (§ 311b BGB). Stand 2026.
Familie Huber einigt sich an einem Tag dreimal per Handschlag, ohne etwas aufzuschreiben. Welcher dieser Kaufverträge ist trotz Einigung NICHT wirksam?
Erklärung: Kaufverträge sind formfrei – egal wie teuer. Nur ein Vertrag über ein Grundstück muss notariell beurkundet werden (§ 311b Abs. 1 BGB); ohne Notar ist er nicht wirksam. Auto und Gitarre sind per Handschlag gekauft. Stand 2026.
Eine Annahme mit Änderungen gilt als Ablehnung, verbunden mit einem neuen ___ (§ 150 Abs. 2 BGB).
Erklärung: § 150 Abs. 2 BGB: „Eine Annahme unter Erweiterungen, Einschränkungen oder sonstigen Änderungen gilt als Ablehnung verbunden mit einem neuen Antrag.“ Jetzt muss die andere Seite annehmen.
Frage beantworten
Im Elektromarkt liegen Kopfhörer mit dem Schild „79 €“. Frau Kaya (34) sagt an der Kasse: „Die nehme ich für 79 €.“ Der Kassierer: „Die kosten inzwischen 99 €.“ Frau Kaya: „Na gut, dann für 99 €.“ Der Kassierer tippt 99 € ein. Prüfe in zwei bis vier Sätzen, ob und zu welchem Preis ein Kaufvertrag zustande gekommen ist.
Erklärung: Auslage = Einladung; Antrag 79 € → Ablehnung mit neuem Antrag 99 € (§ 150 Abs. 2) → Annahme durch Frau Kaya. Vertrag über 99 €. Stand 2026.