Gerechtigkeit – drei Fragen in einem Wort
Welche Aussage fragt nach Tauschgerechtigkeit?
Erklärung: Die Mieterin vergleicht Leistung und Gegenleistung zwischen zwei Gleichgestellten – Wohnung gegen Miete. Das ist Tauschgerechtigkeit. Die Prüfungszeit betrifft die Verteilung, der befangene Schiedsrichter das Verfahren.
Ein Bäcker verlangt von einer Millionärin 50 € für ein Brot, das bei ihm sonst 4 € kostet – „sie kann es sich ja leisten“. Nach der Tauschgerechtigkeit ist das gerecht.
Erklärung: Falsch. Die Tauschgerechtigkeit misst an der Sache, nicht an der Person: Das Brot ist 4 € wert, egal wer es kauft. Ob Reiche mehr beitragen sollen, ist eine Frage der Verteilung – etwa über Steuern.
Aristoteles nennt die Gerechtigkeit zwischen Leistung und Gegenleistung iustitia ___.
Erklärung: iustitia commutativa – die ausgleichende oder Tauschgerechtigkeit. Ihr Gegenstück ist die iustitia distributiva, die Verteilungsgerechtigkeit.
Bei welchem Geschäft ist die Tauschgerechtigkeit verletzt?
Erklärung: Leistung und Gegenleistung stehen in einem auffälligen Missverhältnis, und der Händler nutzt die Schwäche der Frau aus. Das BGB erklärt ein solches Wuchergeschäft für nichtig (§ 138 Abs. 2 BGB). Der gleiche Ticketpreis für alle verletzt die Tauschgerechtigkeit gerade nicht.
Welche Aussage fragt nach Verteilungsgerechtigkeit?
Erklärung: Hier wird eine Last – die Steuer – auf viele verteilt, nach einem Maßstab: der Leistungsfähigkeit. Der Autokauf ist ein Tausch zwischen zwei, der Verweis eine Frage des Verfahrens.
Eine Notaufnahme gibt jedem Patienten genau zehn Minuten, egal wie krank er ist. Das ist verteilungsgerecht, weil alle gleich viel bekommen.
Erklärung: Falsch. „Gleich viel für alle“ ist nur einer von drei Maßstäben. Für Behandlungszeit passt der Bedarf: Wer schwer verletzt ist, braucht mehr. Gerecht ist eine Verteilung, die ihren Maßstab begründen kann.
Verteilen kann man nach Gleichheit, nach Leistung oder nach ___.
Erklärung: Die drei Maßstäbe der Verteilungsgerechtigkeit: Gleichheit (jede Stimme zählt einmal), Leistung (wer mehr arbeitet, verdient mehr) und Bedarf (wer krank ist, bekommt mehr Behandlung).
Eine Gemeinde hat 10 Krippenplätze und 25 Anmeldungen. Welche Vergabe folgt dem Maßstab Bedarf?
Erklärung: Bedarf fragt, wer den Platz am dringendsten braucht. Das Los verteilt nach Gleichheit (jede Anmeldung dieselbe Chance), die höchste Gebühr nach Zahlungsbereitschaft – das ist ein Markt, kein Bedarf.
Welche Aussage fragt nach Verfahrensgerechtigkeit?
Erklärung: Wer selbst betroffen ist, sollte nicht entscheiden: Es geht um die Unparteilichkeit, also um den Weg zur Entscheidung. Der Handyverkauf ist ein Tausch, das Taschengeld eine Verteilung.
Max ist mit dem Bescheid des Landratsamts unzufrieden. Also war das Verfahren nicht gerecht.
Erklärung: Falsch. Ob ein Verfahren gerecht war, hängt am Weg, nicht am Ergebnis: Max wurde vorher angehört, entschieden wurde nach einem Gesetz, das vorher feststand. Ein ungünstiges Ergebnis kann verfahrensgerecht zustande kommen.
Verfahrensgerecht ist eine Entscheidung, wenn der Betroffene vorher ___ wurde und jemand Unparteiisches nach vorher bekannten Regeln entschieden hat.
Erklärung: Gehört werden, Unparteilichkeit, Regeln, die vorher feststehen – das sind die Bausteine der Verfahrensgerechtigkeit (Thibaut & Walker 1975).
Die Klasse 11b entscheidet ĂĽber das Ziel der Studienfahrt. Lenas Vorschlag verliert. Welche Entscheidung ist trotzdem verfahrensgerecht?
Erklärung: Gehört, unparteiisch, nach vorher feststehender Regel: Das Verfahren war fair, auch wenn Lena verliert. Die Klassensprecherin ist befangen; beim Lehrer wurde niemand gehört – dass das Ziel billig ist, macht das Verfahren nicht gerecht.
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Forumsbeitrag von Jule (19): „Ich wohne mit Sara in einer WG. Sie verdient als Ingenieurin 4 000 € im Monat, ich als Azubi 900 €. Die Miete von 1 000 € teilen wir 50:50. Sara sagt: Gleich ist gerecht. Hat sie recht?“ Antworte Jule in vier bis sechs Sätzen: Welche Gerechtigkeitsfrage stellt sie, welche Maßstäbe gibt es, und welche Aufteilung lässt sich begründen?
Erklärung: Verteilungsgerechtigkeit braucht einen Maßstab; Gleichheit ist einer von dreien (Aristoteles, iustitia distributiva).
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Erörtere in sechs bis acht Sätzen: Ist es gerecht, dass der Eigentümer eines Baudenkmals wie Max die Kosten der Erhaltung zuerst selbst trägt und die Allgemeinheit nur einen Zuschuss zahlt? Nenne Argumente beider Seiten und schließe mit einem Fazit, das aus ihnen folgt.
Erklärung: Eine Erörterung nennt das Kriterium, wägt beide Seiten und zieht ein Fazit, das aus den Argumenten folgt (KMK EPA Recht 2006, Operator erörtern).