Die zweite Stufe â RĂŒcktritt und Minderung
Lara kauft bei einem ElektrohĂ€ndler einen Föhn, der ĂŒberhitzt und abschaltet. Wann darf sie zurĂŒcktreten oder mindern?
ErklĂ€rung: Die zweite Stufe beginnt, wenn die NacherfĂŒllung gescheitert ist â nach dem zweiten erfolglosen Versuch gilt sie als fehlgeschlagen (§ 440 Satz 2 BGB). Solange der HĂ€ndler keine Chance hatte oder gerade nachbessert, steht Lara noch auf der ersten Stufe.
Herr Yilmaz kauft von seinem Nachbarn, einem Privatmann, einen gebrauchten RasenmĂ€her. Der Nachbar repariert den Mangel einmal, ohne Erfolg. â Damit gilt die Nachbesserung schon als fehlgeschlagen.
ErklĂ€rung: Falsch. Unter Privatleuten gilt § 440 Satz 2 BGB: in der Regel erst nach dem zweiten erfolglosen Versuch. Dass schon ein gescheiterter Versuch genĂŒgt (§ 475d Abs. 1 Nr. 2 BGB), gilt nur, wenn ein Verbraucher von einem Unternehmer kauft.
Ein PrivatverkÀufer bessert ein verkauftes Fahrrad nach. Nach dem wievielten erfolglosen Versuch gilt die Nachbesserung nach § 440 Satz 2 BGB in der Regel als fehlgeschlagen?
ErklÀrung: Nach dem zweiten erfolglosen Versuch (§ 440 Satz 2 BGB), wenn sich aus der Art der Sache oder des Mangels nichts anderes ergibt.
Der HĂ€ndler sagt zu Frau Kaya ĂŒber ihren defekten Fernseher: âDen repariere ich nicht und tausche ihn auch nicht â auf keinen Fall.â Er hat die NacherfĂŒllung ___.
ErklĂ€rung: Verweigert der VerkĂ€ufer die NacherfĂŒllung ernsthaft und endgĂŒltig, muss die KĂ€uferin keine Frist mehr setzen (§§ 323 Abs. 2 Nr. 1, 440 BGB) und steht sofort auf der zweiten Stufe.
Emil kauft beim ElektrohÀndler eine Kamera. Der Autofokus versagt; der HÀndler tauscht ein Bauteil, danach versagt der Autofokus wieder. Was kann Emil jetzt verlangen?
ErklĂ€rung: Emil ist Verbraucher und kauft beim HĂ€ndler. Zeigt sich der Mangel trotz eines NacherfĂŒllungsversuchs wieder, braucht es keine weitere Frist (§ 475d Abs. 1 Nr. 2 BGB). Die âZwei-Versuche-Regelâ des § 440 ist die allgemeine Regel; beim VerbrauchsgĂŒterkauf geht § 475d vor.
Bei Ole ist die NacherfĂŒllung an seinem neuen Fahrrad fĂŒr 800 ⏠gescheitert. Bei welchem Mangel darf er trotzdem nicht zurĂŒcktreten?
ErklĂ€rung: 15 ⏠sind knapp 2 % des Kaufpreises: Der Mangel ist unerheblich, der RĂŒcktritt ausgeschlossen (§ 323 Abs. 5 Satz 2 BGB). Schaltung und Bremse betreffen die Benutzbarkeit des Rads â erheblich.
Am neuen Sofa fĂŒr 1 200 ⏠fehlt ein Knopf im Bezug (Ersatz: 4 âŹ). Die NacherfĂŒllung ist gescheitert, und Clara erklĂ€rt den RĂŒcktritt. â Der RĂŒcktritt ist wirksam.
ErklĂ€rung: Falsch. Ein fehlender Knopf fĂŒr 4 ⏠ist eine unerhebliche Pflichtverletzung; der RĂŒcktritt ist ausgeschlossen (§ 323 Abs. 5 Satz 2 BGB). Clara kann aber mindern (§ 441 Abs. 1 Satz 2 BGB).
Bis zu wie viel Prozent des Kaufpreises dĂŒrfen die Behebungskosten nach der Rechtsprechung des BGH in der Regel betragen, damit ein Mangel noch als unerheblich gilt?
ErklĂ€rung: In der Regel 5 % (BGH, Urteil vom 28. Mai 2014, VIII ZR 94/13). DarĂŒber ist der Mangel erheblich und trĂ€gt den RĂŒcktritt; darunter bleibt nur die Minderung.
Herr Schulz kauft beim AutohĂ€ndler einen Gebrauchtwagen fĂŒr 10 000 âŹ. Die Klimaanlage ist von Anfang an defekt, zwei Reparaturen scheitern; eine neue Anlage kostet 1 200 âŹ. Darf er zurĂŒcktreten?
ErklĂ€rung: MaĂstab ist das VerhĂ€ltnis der Behebungskosten zum Kaufpreis, nicht ob das Auto noch fĂ€hrt: 12 % liegen deutlich ĂŒber der Regelgrenze von 5 % (BGH VIII ZR 94/13). Auch beim Gebrauchtwagen bestehen alle MĂ€ngelrechte.
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Moritz kauft beim MusikhĂ€ndler ein E-Piano fĂŒr 900 âŹ. Eine Taste klappert leise; der Austausch kostet 20 âŹ. Der HĂ€ndler hat zweimal erfolglos nachgebessert. Moritz erklĂ€rt den RĂŒcktritt. PrĂŒfe in zwei bis vier SĂ€tzen, ob Moritz zurĂŒcktreten kann, und nenne, was ihm stattdessen bleibt.
ErklĂ€rung: Sachmangel und gescheiterte NacherfĂŒllung liegen vor, aber 20 ⏠von 900 ⏠(â 2 %) sind unerheblich: kein RĂŒcktritt (§ 323 Abs. 5 Satz 2 BGB), wohl aber Minderung (§ 441 Abs. 1 Satz 2 BGB).
Ein Fahrradhelm kostet 80 âŹ. Ohne Mangel wĂ€re er 100 ⏠wert, mit Mangel 60 âŹ. Welche Rechnung ergibt den geminderten Preis?
ErklĂ€rung: Der Kaufpreis wird im VerhĂ€ltnis âwirklicher Wert zu Wert ohne Mangelâ herabgesetzt (§ 441 Abs. 3 BGB): 80 ⏠· 60/100 = 48 âŹ. Die Wertdifferenz von 40 ⏠abzuziehen, ĂŒbersieht, dass der Helm schon unter Wert verkauft wurde.
Die neue Stereoanlage brummt leise, was kaum stört; die NacherfĂŒllung ist gescheitert. â ZurĂŒcktreten darf Jana nicht, den Preis mindern schon.
ErklĂ€rung: Richtig. Bei einem unerheblichen Mangel ist der RĂŒcktritt ausgeschlossen (§ 323 Abs. 5 Satz 2 BGB), fĂŒr die Minderung gilt dieser Ausschluss ausdrĂŒcklich nicht (§ 441 Abs. 1 Satz 2 BGB).
Tim behĂ€lt seinen mangelhaften Laptop und will einen Teil des Preises zurĂŒck. In welchem Paragrafen des BGB steht, wie der Preis herabgesetzt wird?
ErklÀrung: § 441 BGB regelt die Minderung; Absatz 3 enthÀlt die VerhÀltnisrechnung, Absatz 4 die Erstattung des zu viel Gezahlten.
Nach gescheiterter NacherfĂŒllung behĂ€lt Frau Lang ihre SpĂŒlmaschine mit dem lauten Motor und zahlt dafĂŒr weniger. Das nennt man ___.
ErklĂ€rung: Minderung: Die KĂ€uferin behĂ€lt die Sache, der Kaufpreis wird im VerhĂ€ltnis des Minderwerts herabgesetzt (§§ 437 Nr. 2, 441 BGB). Beim RĂŒcktritt gĂ€be sie die Maschine zurĂŒck.
Leon kauft eine gebrauchte Spielkonsole beim HĂ€ndler fĂŒr 600 âŹ. Ohne Mangel wĂ€re sie 800 ⏠wert, mit dem defekten Laufwerk 600 âŹ. Wie viel Euro muss der HĂ€ndler nach einer Minderung erstatten?
ErklĂ€rung: Geminderter Preis = 600 ⏠· 600/800 = 450 ⏠(§ 441 Abs. 3 BGB). Leon hat 600 ⏠gezahlt, also erstattet der HĂ€ndler 150 ⏠(§ 441 Abs. 4 BGB). Wer âWert 600 ⏠= Preis 600 âŹ, also nichtsâ rechnet, ĂŒbersieht, dass das VerhĂ€ltnis zĂ€hlt, nicht der absolute Wert.
Ein Wanderrucksack kostet 240 ⏠und wÀre ohne Mangel auch 240 ⏠wert; mit dem undichten Boden ist er 180 ⏠wert. Wie hoch ist der geminderte Kaufpreis in Euro?
ErklĂ€rung: 240 ⏠· 180/240 = 180 ⏠(§ 441 Abs. 3 BGB). Entsprechen sich Kaufpreis und Wert ohne Mangel, fĂ€llt der geminderte Preis mit dem wirklichen Wert zusammen; die Erstattung betrĂ€gt 60 âŹ.
Familie Berg kauft im Angebot ein E-Bike fĂŒr 1 000 âŹ; ohne Mangel ist es 1 250 ⏠wert, mit dem schwachen Motor nur 1 000 âŹ. Wie hoch ist der geminderte Kaufpreis in Euro?
ErklĂ€rung: 1 000 ⏠· 1 000/1 250 = 800 ⏠(§ 441 Abs. 3 BGB); Familie Berg bekommt 200 ⏠zurĂŒck. Die Wertdifferenz von 250 ⏠abzuziehen, ergĂ€be 750 ⏠â zu viel Rabatt, weil das Rad schon im Angebot war.
Eine neue Waschmaschine lĂ€uft aus und durchnĂ€sst den KĂŒchenboden. In welchem Fall muss der HĂ€ndler den Wasserschaden ersetzen?
ErklĂ€rung: Schadensersatz setzt voraus, dass der VerkĂ€ufer die Pflichtverletzung zu vertreten hat (§§ 437 Nr. 3, 280 Abs. 1 Satz 2 BGB) â hier die NachlĂ€ssigkeit seines Monteurs (§ 278 BGB). FĂŒr einen unerkennbaren Herstellerfehler haftet der HĂ€ndler in der Regel nicht auf Schadensersatz, wohl aber auf NacherfĂŒllung; den abgerissenen Schlauch hat die KĂ€uferin selbst verursacht.
Sara tritt nach zwei gescheiterten Reparaturen vom Kauf ihres Handys zurĂŒck. Der HĂ€ndler sagt: âFĂŒr den Fehler kann ich nichts, also gibt es keinen RĂŒcktritt.â â Der HĂ€ndler hat recht.
ErklĂ€rung: Falsch. RĂŒcktritt und Minderung setzen kein Verschulden des VerkĂ€ufers voraus. Nur Schadensersatz verlangt, dass er die Pflichtverletzung zu vertreten hat (§ 280 Abs. 1 Satz 2 BGB).
Herr Lenz verlangt vom HĂ€ndler die 60 ⏠fĂŒr ein LeihgerĂ€t, solange sein Beamer kaputt war. Das klappt nur, wenn der HĂ€ndler die Pflichtverletzung zu ___ hat.
ErklĂ€rung: Schadensersatz nach §§ 437 Nr. 3, 280 Abs. 1 BGB entfĂ€llt, wenn der VerkĂ€ufer die Pflichtverletzung nicht zu vertreten hat (§ 280 Abs. 1 Satz 2 BGB) â also weder vorsĂ€tzlich noch fahrlĂ€ssig gehandelt hat.
Eine GĂ€rtnerei verkauft Familie Ott einen neuen RasenmĂ€her und tankt ihn beim Verkauf versehentlich mit Diesel statt Benzin. Der Motor ist hinĂŒber; die Familie leiht fĂŒr 40 ⏠einen ErsatzmĂ€her. Kann sie die 40 ⏠verlangen?
ErklĂ€rung: Der MĂ€her war bei Ăbergabe mangelhaft, und die GĂ€rtnerei hat das fahrlĂ€ssig selbst verursacht â sie hat die Pflichtverletzung zu vertreten (§§ 437 Nr. 3, 280 Abs. 1 BGB). Dann gehören auch Folgekosten wie die LeihgebĂŒhr zum Schadensersatz.